Cottbus-Projekt AI-DISCO: 15,6 Mio. Euro für dezentrale KI bis 2030
Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 01:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die brandenburgische Forschungslandschaft wird durch ein neues Großprojekt im Bereich der Mikroelektronik gestärkt. In Cottbus ist die Initiative R+I Factory AI & Microelectronics angelaufen, deren erstes Modul unter dem Namen AI-DISCO bereits seit Februar 2026 operativ tätig ist.
Wie aus Berichten von Mitte September 2026 hervorgeht, soll das Vorhaben bis Anfang 2030 eine technologische Plattform für energieeffiziente, verteilte Künstliche Intelligenz (KI) etablieren. Das Projekt wird maßgeblich durch Bundesmittel unterstützt, um den Strukturwandel in der Region voranzutreiben.
Lokale Datenverarbeitung statt Cloud-Abhängigkeit
Das technische Kernziel von AI-DISCO besteht darin, Sensordaten direkt vor Ort mithilfe spezialisierter Mikrochips zu verarbeiten, anstatt sie wie bisher üblich an große, energieintensive Rechenzentren zu übermitteln.
Durch diesen Ansatz des sogenannten Edge Computing werden lediglich die für das Gesamtsystem relevanten Informationen in die Cloud übertragen. Dies soll nicht nur den Energieverbrauch senken, sondern auch die Reaktionszeiten verkürzen und die Datensicherheit erhöhen.
Der Fokus der technischen Entwicklung liegt dabei auf zwei modernen Forschungsfeldern: dem neuromorphen Rechnen und dem föderierten Lernen (Federated Learning).
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Während das neuromorphe Rechnen die hocheffiziente Arbeitsweise des menschlichen Gehirns auf die Architektur von Mikrochips überträgt, ermöglicht föderiertes Lernen das Trainieren von KI-Modellen über mehrere dezentrale Geräte hinweg, ohne dass die zugrunde liegenden Rohdaten ihre lokalen Speichersysteme verlassen müssen.
Forschungskonsortium und staatliche Förderung
Die Federführung der Forschungsinitiative liegt beim Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik (IHP) mit Sitz in Frankfurt (Oder). Das Konsortium vereint insgesamt sieben Partner aus Wissenschaft und Industrie, darunter die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg und das Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme (IPMS).
Mit dem Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) und dem Leibniz-Institut für Neurobiologie (LIN) konnten zudem zwei renommierte Forschungseinrichtungen neu für die Kooperation gewonnen werden.
Ergänzt wird das Netzwerk durch Industriepartner wie den Automatisierungsspezialisten ABB, den Energieerzeuger ENERTRAG sowie das Unternehmen Perinet. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMFTR) fördert die Initiative im Rahmen des Strukturstärkungsgesetzes mit 15 Mio. Euro.
Das Gesamtvolumen des Projekts beläuft sich laut offiziellen Angaben auf 15,6 Mio. Euro. Diese Summe setzt sich aus der BMFTR-Förderung in Höhe von 14,5 Mio. Euro sowie einer zusätzlichen Projektpauschale von 0,41 Mio. Euro zusammen. Die geplante Laufzeit der aktuellen Projektphase erstreckt sich von Februar 2026 bis Januar 2030.
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Breite Anwendungsfelder von Industrie 4.0 bis zur Landwirtschaft
Die Einsatzmöglichkeiten der in Cottbus entwickelten Technologie sind vielfältig und erstrecken sich über zahlreiche Schlüsselsektoren der Wirtschaft. In der Industrie 4.0 und der Umweltüberwachung könnten die dezentralen Systeme eine effizientere Steuerung und Überwachung ermöglichen. Auch für die Landwirtschaft, intelligente Gebäude (Smart Cities) sowie die medizinische Versorgung werden große Potenziale gesehen.
Weitere Anwendungsgebiete umfassen den Schutz kritischer Infrastrukturen, die Steuerung von Wind- und Solaranlagen sowie die Entwicklung zukünftiger Kommunikationsstandards wie 6G. Die brandenburgische Wissenschaftsministerin Manja Schüle bezeichnete die Entwicklung als richtungsweisend.
Die entstehenden „selbstrechnenden Sensoren“ könnten laut Schüle wesentliche Fortschritte in den Bereichen Gesundheit, Energie und Agrarwirtschaft bringen und die Wettbewerbsfähigkeit der regionalen Industrie nachhaltig sichern.
