Corramycin gegen Tuberkulose: Naturstoff wirkt auch bei Antibiotikaresistenzen
Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 02:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der pharmazeutischen Forschung gewinnen Naturstoffe aus Pflanzen, Bakterien und Pilzen zunehmend an Bedeutung. Angesichts weltweit steigender Resistenzen gegen herkömmliche Antibiotika und des Bedarfs an ergänzenden Behandlungsformen in der Onkologie rücken biologische Wirkmechanismen in den Fokus der Wissenschaft.
Aktuelle Studien und klinische Untersuchungen belegen das Potenzial dieser Substanzen, zeigen jedoch auch regulatorische und sicherheitsrelevante Herausforderungen auf.
Fortschritte in der Bekämpfung resistenter Erreger
Ein Forschungskonsortium, bestehend aus dem Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS), dem Institut Pasteur und der Université Paris Cité, stellte Ende September 2026 Ergebnisse zum Naturstoff Corramycin vor.
Dieser Wirkstoff zeigt eine signifikante Wirksamkeit gegen Mycobacterium tuberculosis, wobei auch klinische Proben mit bestehenden Resistenzen gegen gängige Antibiotika erfolgreich bekämpft wurden.
Corramycin nutzt einen spezifischen Mechanismus an der DNA-Gyrase, der sich von dem herkömmlicher Fluorchinolone unterscheidet. Es bindet nach dem DNA-Schnitt an das Enzym und verhindert die Rekombination der DNA-Stränge.
Während eine frühere Kooperation mit Sanofi und Evotec aufgrund hoher Produktionskosten eingestellt wurde, lieferte die Aufklärung des Mechanismus mittels Kryo-Elektronenmikroskopie nun neue Grundlagen für die Weiterentwicklung.
Parallel dazu treibt das Unternehmen Lakewood Amedex die klinische Erprobung des Wirkstoffs Nu-3 voran. Daten aus den vergangenen drei Jahren belegen die Wirksamkeit gegen Erreger wie MRSA und Vancomycin-resistente Enterococcus faecalis bei infizierten diabetischen Fußgeschwüren.
Das Unternehmen plant, im ersten Quartal 2027 Topline-Daten einer Phase-2a-Studie vorzulegen. Da laut Unternehmensangaben weltweit etwa 830 Millionen Menschen an Diabetes leiden und ein erheblicher Teil chronische Infektionen entwickelt, besteht ein hoher Bedarf an neuen therapeutischen Klassen wie den Bisphosphocinen.
Für Familien, deren Kind eine Hochrisiko-Leukämie behandelt, kann die jüngste Studienlage zu Blinatumomab ein wichtiger Gesprächsanlass sein: Rückfälle ließen sich nahezu halbieren, und zwei hochintensive Chemotherapie-Blöcke konnten entfallen. Unser kostenloser Ratgeber ordnet die Ergebnisse verständlich ein und liefert Ihnen einen Fragenkatalog für das Behandlungsteam. Kostenlosen Eltern-Ratgeber anfordern
Onkologische Forschung und unterstützende Therapien
In der Krebsforschung lieferte ein kolumbianisches Team im August 2026 Hinweise auf die Wirksamkeit von Pfefferextrakt (Piper nigrum) bei akuter myeloischer Leukämie. In Zellversuchen und Mausmodellen reduzierte der Extrakt die Zellteilung und verbesserte hämatologische Parameter.
Forscher der Ohio State University untersuchen zudem in einer klinischen Studie die Psilocybin-unterstützte Therapie für Lungenkrebspatienten. Ziel ist die Linderung von Depressionen, unter denen fast 40 Prozent der Betroffenen leiden.
Auch im Bereich der Immuntherapie gibt es Fortschritte: Eine internationale Studie unter Leitung des UKSH Campus Kiel belegte im September 2026, dass der Einsatz von Blinatumomab bei pädiatrischer Hochrisiko-Leukämie Rückfälle nahezu halbieren kann. Dies ermöglicht den Verzicht auf zwei hochintensive Chemotherapie-Blöcke und senkt die Belastung für die jungen Patienten deutlich.
Risiken und Forderungen nach strengerer Regulierung
Trotz der therapeutischen Chancen warnen Experten vor unkontrolliertem Konsum und mangelnder Überwachung. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sowie Verbraucherschützer forderten im September 2026 eine strengere Regulierung von sogenannten Botanicals. Im Jahr 2025 wurden in Deutschland mehr als 30.000 Nahrungsergänzungsmittel angemeldet, die jedoch keine behördliche Prüfung auf Sicherheit oder Wirksamkeit durchlaufen müssen.
Zudem weisen Untersuchungen der Dokuz Eylül Üniversitesi in Izmir darauf hin, dass die unsachgemäße Anwendung pflanzlicher Stoffe wie Origanum onites (Izmir-Keki?i) zu Kreuzresistenzen führen kann.
Viele Eltern fragen sich nach den intensiven Therapieblöcken, wie es für ihr Kind weitergeht und welche Optionen bei Hochrisiko-Leukämie bestehen. Der kostenlose Ratgeber gibt einen strukturierten Überblick über moderne Immuntherapie-Ansätze und hilft, im Gespräch mit dem Behandlungsteam die richtigen Fragen zu stellen. Überblick für Eltern jetzt sichern
Mikroorganismen entwickelten in Versuchen nach wiederholter subtherapeutischer Gabe eine Resistenz, die sie auch gegen herkömmliche Antibiotika immun machte. In Österreich wurde zudem über einen schweren Fall von Herzstillstand nach dem Konsum von Kratom-Tee berichtet, was die potenziellen Gefahren unregulierter Naturstoffe unterstreicht.
Die gesetzlichen Rahmenbedingungen für pflanzliche Therapien unterliegen bereits ersten Verschärfungen. Seit August 2026 übernehmen Krankenkassen in Deutschland aufgrund des GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetzes die Kosten für Cannabisblütentherapien nicht mehr, was schätzungsweise 65.000 Patientinnen und Patienten betrifft. Nur noch Fertigarzneimittel auf Cannabisbasis bleiben weiterhin erstattungsfähig.
