Copilot wird deinstallierbar: Microsoft trennt KI von Windows 11
28.06.2026 - 16:09:25 | boerse-global.de
Windows-Nutzer können den KI-Assistenten künftig per Mausklick deinstallieren.
Microsoft verändert die Strategie für seinen KI-Assistenten Copilot grundlegend. Statt als fest integrierter Bestandteil des Betriebssystems Windows 11 wird die Software nun als eigenständige Anwendung ausgeliefert. Das Update Ende Juni 2026 ermöglicht es Nutzern erstmals, Copilot über die regulären Systemeinstellungen zu entfernen.
Neue Freiheit für Nutzer und Administratoren
Der Wechsel zum App-Modell bringt weitreichende Konsequenzen. Copilot wird künftig über den Microsoft Store und Microsoft-365-Updates verteilt – und nicht mehr als Teil des Betriebssystem-Updates. Für Unternehmen bedeutet das: Seit Mitte Juni läuft eine erneute automatische Installationswelle für kommerzielle Windows-Geräte, die voraussichtlich bis Anfang Juli andauert.
Die Installation erfolgt über den Office-Updater und ist für Geschäftskunden standardmäßig aktiviert. IT-Administratoren müssen aktiv widersprechen, wenn sie die Software von ihren verwalteten Geräten fernhalten wollen. Eine wichtige Ausnahme: Geräte im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) sind von der automatischen Installation ausgenommen – eine direkte Folge der dort geltenden Regulierungen.
Preisgestaltung und Hardware-Anforderungen
Die Basisversion von Copilot bleibt kostenlos. Wer jedoch die volle Microsoft-365-Copilot-Suite nutzen möchte, zahlt 30 Euro pro Nutzer und Monat (umgerechnet aus 30 US-Dollar). Für die besonders leistungsstarken „Copilot+"-Funktionen ist ein Neural Processing Unit (NPU) mit mindestens 40 TOPS Rechenleistung erforderlich – ein Wert, den aktuelle High-End-Prozessoren von Intel, AMD und Qualcomm erreichen.
Benutzeroberfläche wird schlanker
Seit Mitte Juni läuft eine erneute automatische Installationswelle von Copilot auf kommerziellen Windows-Geräten. IT-Administratoren müssen aktiv widersprechen, um die Software fernzuhalten. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen, wie Sie Copilot per Gruppenrichtlinie deinstallieren und zukünftige Installationen unterbinden. Jetzt kostenlosen Leitfaden anfordern
Bereits im April 2026 hatte Microsoft begonnen, die KI-Einstiegspunkte im Windows-Universum zu verschlanken. Dedizierte Copilot-Buttons verschwanden aus mehreren nativen Anwendungen wie Notepad, Fotos, dem Snipping Tool und den Widgets. In Notepad etwa wurden die Knöpfe durch ein breiteres „Schreibtools"-Menü ersetzt. Die zugrunde liegenden KI-Funktionen bleiben jedoch weiterhin nutzbar.
Diese Anpassungen folgen auf die Einführung fortschrittlicher Interaktionsmethoden Ende 2025: „Copilot Voice" für Sprachsteuerung und „Copilot Vision", das auf Wunsch den Bildschirminhalt analysieren kann. „Copilot Actions" wiederum befindet sich in der Vorschauphase und erlaubt dem KI-Assistenten, eigenständig Aufgaben auf dem PC auszuführen.
Neue Produktivitätsfunktionen für Excel und Teams
Parallel zur App-Transformation hat Microsoft Ende Juni 2026 spezialisierte Updates für seine Produktivitätssuite veröffentlicht:
- Excel Copilot erhält finanzspezifische Fähigkeiten: Werkzeuge für Discounted-Cashflow-Berechnungen, monatliche Berichte und Abweichungsanalysen. Die Software kann nun externe Daten von Partnern wie Moody's, FactSet, Morningstar und CB Insights abrufen – ein direkter Vergleich zu den Finanzdiensten, die SAP-Kunden aus der Analytics-Cloud kennen.
- Copilot Notebooks werden für Chat-Nutzer in kommerziellen und Bildungsplänen eingeführt und bieten gemeinsame Arbeitsbereiche für KI-gestützte Zusammenarbeit.
- GitHub Copilot erhielt mit „MAI-Code-1-Flash" ein Update, das Code-Vervollständigungen in unter 300 Millisekunden liefern soll.
Ausblick: Recap und Scout
Ab Ende Juni 2026 wird Copilot als eigenständige App ausgeliefert und kann über die Systemeinstellungen entfernt werden. Unternehmen im EWR sind von der automatischen Installation ausgenommen – doch für alle anderen gilt: Handeln Sie jetzt, bevor die nächste Welle rollt. Die Schritt-für-Schritt-Anleitung im Report hilft Ihnen, die Kontrolle zu behalten. Copilot-Kontroll-Report jetzt sichern
Für Ende Juli 2026 plant Microsoft die Einführung einer zentralisierten „Recap"-App für Teams. Sie soll Meeting-Aufzeichnungen und KI-generierte Zusammenfassungen für lizenzierte Nutzer bündeln. Bereits auf der Build-2026-Konferenz Anfang Juni stellte das Unternehmen „Scout" vor – einen stets aktiven KI-Agenten mit eigener digitaler Identität, der proaktiv Aufgaben im Microsoft-365-Ökosystem übernehmen kann. Eine Vorschauversion ist für die zweite Jahreshälfte 2026 angekündigt.
Microsofts Führungsspitze plädiert unterdessen für eine Multi-Modell-Strategie im KI-Bereich. Unternehmen sollten über Plattformen wie Azure AI Foundry eigene spezialisierte KI-Modelle entwickeln, um eine Überkonzentration der KI-Entwicklung zu vermeiden – ein Signal an die Branche, das auch deutsche Konzerne wie Siemens oder die Deutsche Bank betrifft, die zunehmend auf maßgeschneiderte KI-Lösungen setzen.
