Copilot-Nutzer nur 3-4%: Microsofts KI-Investitionen zeigen Renditeprobleme
05.07.2026 - 20:26:18 | boerse-global.de
Der Softwarekonzern Microsoft verzeichnet im ersten Halbjahr 2026 die schwächste Performance unter den großen Tech-Werten. Mit einem Minus von rund 23 Prozent ist die Aktie in den Bärenmarkt gerutscht.
Nach einer leichten Erholung auf etwa 390 Euro Anfang Juli notiert das Papier deutlich unter seinem Jahreshoch. Am 24. Juni 2026 markierte die Aktie mit 349 Euro ein 52-Wochen-Tief. Der Kursrutsch hat mehrere Ursachen: hohe Investitionen in Künstliche Intelligenz und eine allgemeine Neubewertung der Tech-Branche an den Märkten.
Milliarden für KI – doch die Rendite lässt auf sich warten
Die Geschäftszahlen des Konzerns lesen sich auf den ersten Blick solide. Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026 setzte Microsoft 82,9 Milliarden Euro um – ein Plus von 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Besonders die Cloud-Sparte Azure wuchs mit 40 Prozent rasant. Die KI-Sparte erzielte einen annualisierten Umsatz von 37 Milliarden Euro, ein Anstieg um 123 Prozent. Der Gewinn pro Aktie lag mit 4,27 Euro über den Erwartungen der Analysten.
Doch die Kehrseite: Die Investitionen explodieren. Allein im dritten Quartal gab Microsoft fast 31,9 Milliarden Euro für Kapitalausgaben aus – ein Plus von 49 Prozent. Für das gesamte Jahr 2026 sind 190 Milliarden Euro geplant. Das Problem: Die Bezahlnutzung von Copilot, dem KI-Assistenten von Microsoft, liegt bei lediglich drei bis vier Prozent der 450 Millionen Microsoft-365-Nutzer. Der freie Cashflow sank um 22 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro.
Microsoft setzt massiv auf Künstliche Intelligenz im Alltag, doch viele Anwender nutzen die neuen Möglichkeiten bisher kaum. Dieser kostenlose Ratgeber zeigt Ihnen, wie Sie KI-Tools wie ChatGPT schon heute effektiv einsetzen und wertvolle Zeit sparen können. Urlaub planen, Sprachen lernen, Zeit sparen: So erledigt ChatGPT Ihre Alltagsaufgaben in Sekunden
Copilot wird zur „Super-App“
Am 2. Juli 2026 verschickte Microsoft-Chef Satya Nadella ein internes Memo: Die bisher getrennten Copilot-Chatbots für Privatkunden und Unternehmen werden zu einer einzigen Anwendung verschmolzen. Die „Super-App“ soll bis August 2026 fertig sein. Im Zuge der Konsolidierung streicht Microsoft wenig genutzte Funktionen wie Copilot Podcasts und Labs.
Die Neuausrichtung steht unter der Leitung von Jacob Andreou, den Nadella zum Executive Vice President von Copilot ernannte. Andreou berichtet direkt an den Konzernchef. Das Produkt zählt bereits über 100 Millionen aktive Nutzer monatlich. Allerdings mehrt sich die Kritik, dass Microsoft seine KI-Strategie zu stark auf einen einzigen Partner ausrichte.
OpenAI-Börsengang als Milliarden-Chance
Ein möglicher Kurstreiber steht bereits in den Startlöchern: Der ChatGPT-Entwickler OpenAI reichte im Juni 2026 vertraulich die Unterlagen für seinen Börsengang ein. Berichten zufolge peilt das Unternehmen bis 2027 eine Bewertung von einer Billion Euro an. Microsoft hält rund 27 Prozent an OpenAI – zuletzt war der Anteil auf 135 Milliarden Euro taxiert.
Sollte OpenAI die Billionen-Marke erreichen, wäre Microsofts Beteiligung rund 270 Milliarden Euro wert – fast neun Prozent der aktuellen Marktkapitalisierung des Konzerns. OpenAI hat sich zudem verpflichtet, 250 Milliarden Euro für Azure-Dienste auszugeben.
Während Microsoft Milliarden in die Zukunft investiert, wissen viele Nutzer noch nicht, wie sie die neuen KI-Befehle im Detail für sich nutzen können. Ein neuer Gratis-Report enthüllt jetzt die praktischsten Tipps für Einsteiger, um ohne Vorkenntnisse sofort loszulegen. Diese einfachen ChatGPT-Befehle kennen die wenigsten – dabei erleichtern sie den Alltag enorm
Energie für die Rechenzentren
Um seine wachsende Rechenzentrums-Infrastruktur zu versorgen, sichert sich Microsoft langfristige Energielieferungen. Erst im Frühsommer schloss der Konzern einen 20-Jahres-Vertrag mit Chevron über Gasstrom. Die Vereinbarung ist Teil des Projekts Kilby, das bis 2028 eine Kapazität von 2,67 Gigawatt bereitstellen soll.
Analysten bleiben optimistisch
Trotz des Kursrutsches – die Aktie fiel 21 Prozent von ihrem Hoch am 1. Juni – zeigen sich die Analysten an der Wall Street zuversichtlich. Die große Mehrheit bewertet die Aktie mit „Kaufen“ und sieht ein durchschnittliches Kursziel von rund 561 Euro. Das entspricht einem Potenzial von über 40 Prozent.
Aktuelle Marktbeobachtungen zeigen: Während Privatanleger verunsichert sind, kaufen institutionelle Investoren weiter – im Verhältnis drei zu eins. Für das zweite Halbjahr 2026 erwarten Experten eine Seitwärtsbewegung zwischen 350 und 460 Euro. Ein Ausbruch auf 550 Euro wäre möglich, wenn Azure weiter wächst und die Zinsen sinken. Sollte die Kommerzialisierung der KI-Tools jedoch weiter stocken, droht ein Abrutschen auf 200 Euro.
