Copilot Cowork: Microsoft führt Pay-per-Use für Office ein
17.06.2026 - 21:18:16 | boerse-global.de
Der weltgrößte Softwarekonzern führt erstmals seit zwei Jahrzehnten ein neues Abrechnungsmodell für seine Büroanwendungen ein.
Microsoft hat am Dienstag die allgemeine Verfügbarkeit von Copilot Cowork bekannt gegeben. Der KI-Assistent kann komplexe Aufgaben über mehrere Office-Anwendungen hinweg ausführen – etwa den Vergleich von tausenden Dateien oder die Analyse ganzer Projektpipelines. Statt einer Flatrate zahlen Unternehmen künftig pro Nutzung: 0,009 Euro pro „Copilot Credit".
Ein neues Zeitalter für Office-Software
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Die Umstellung auf ein verbrauchsbasiertes Modell ist die bedeutendste Veränderung der Microsoft-Abrechnung seit der Einführung von Office 365. Die Kosten für Copilot Cowork richten sich nach Modellnutzung, Kontextabrufen und Ausführungszeit. Standardmäßig ist die Funktion deaktiviert – Administratoren können Ausgabenlimits und Nutzungswarnungen festlegen.
Bereits in der Testphase nutzte mehr als die Hälfte der Fortune-500-Unternehmen den Dienst, darunter der Versicherungskonzern Zurich Insurance und der Dienstleister Accenture. Aktuell setzt Microsoft auf KI-Modelle von Anthropic (Opus 4.8 und Sonnet 4.6), plant aber den Einsatz des eigenen „Cowork 1"-Modells sowie möglicherweise von DeepSeek V4.
Die Abrechnung für die meisten Kunden begann am 16. Juni 2026. Teilnehmer des Frontier-Programms erhalten eine Schonfrist bis zum 1. Juli.
Orchestrierung und Governance im KI-Zeitalter
Parallel zu Microsofts Launch drängen neue Plattformen auf den Markt, die den Einsatz autonomer KI-Agenten steuern und überwachen sollen.
Konecta präsentierte am Dienstag Kolibri, eine ISO-42001-zertifizierte Plattform für Unternehmen, die von KI-Experimenten zur Produktion wechseln wollen. Die Lösung bietet vorgefertigte Anwendungsfälle für Google Cloud und Salesforce.
Ebenfalls am Dienstag startete Thoughtworks mit Agent/works eine Plattform zur Governance von KI-Agenten über mehrere Cloud-Umgebungen hinweg. Das System wird auf dem Databricks Data + AI Summit vorgestellt, der noch bis Donnerstag läuft.
Tigera wiederum brachte am Mittwoch Lynx auf den Markt – eine Sicherheitsplattform für Kubernetes-basierte KI-Agenten. Die Lösung nutzt eBPF-Technologie zur Identitätsprüfung und Anomalieerkennung, ohne dass Code-Änderungen nötig sind. Mehrere globale Großbanken setzen das System bereits ein.
Spezialisierte Agenten für Nischenaufgaben
Auch im Bereich spezialisierter KI-Agenten gab es Neuigkeiten. Sakana AI veröffentlichte am Montag Sakana Marlin, einen Forschungsagenten für Geschäftskunden. Das Tool erstellt Strategieberichte von über 100 Seiten in etwa acht Stunden – und das zu einem Preis von umgerechnet etwa 0,60 Euro pro Credit.
Weitere bemerkenswerte Markteinführungen:
- Databricks CustomerLake: Eine KI-gesteuerte Kundendatenplattform für personalisierte Marketingkampagnen, derzeit im privaten Test mit HP und AB InBev
- SalesCloser: Ein multimodaler Website-Agent, der Text-, Audio- und Video-Interaktionen für höhere Verkaufsabschlüsse ermöglicht
- MoClaw: Eine Cloud-Plattform, die täglich tausende autonome Aufgaben ausführt und persistenten Browserzugriff ab etwa 18 Euro monatlich bietet
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Verifizierte Daten für KI im Finanzsektor
Um die Zuverlässigkeit von KI-Agenten im Finanzbereich zu erhöhen, haben Inveniam und Docugami am Mittwoch eine Partnerschaft bekannt gegeben. Ziel ist es, Dokumente aus Privatmärkten in überprüfbare Blockchain-Daten für sogenannte Real World Assets (RWA) zu verwandeln.
Docugami öffnet seine Document Graph Markup Language (DGML), während Inveniam die extrahierten Daten auf seiner NVNM Chain verankert – einer Layer-2-Lösung, die bereits am 7. Mai 2026 gestartet ist. Das System erlaubt KI-Agenten, einzelne Datenpunkte mit Herkunfts- und Prozessnachweis zu verifizieren. Inveniam hat bislang Vermögenswerte von über 180 Milliarden Euro in Privatmärkten zertifiziert.
