Copilot-Ausfälle: Microsoft-KI lahmt – 12.000 Störungen am 11. Juni
13.06.2026 - 05:44:14 | boerse-global.de
Schwere Störungen und neue Sicherheitslücken erschüttern Microsofts KI-Plattform Copilot. Immer mehr Unternehmen zögern mit der Einführung.
Ein schwerwiegender Ausfall am 11. Juni 2026 legte den Zugang zu Copilot für tausende Nutzer lahm. Ursache war ein fehlerhaftes Software-Update, das die Authentifizierungsebene lahmlegte. Bei Downdetector gingen um 14:15 Uhr pazifischer Zeit mehr als 12.000 Störungsmeldungen ein. Auch das Microsoft-365-Portal war betroffen. Eine detaillierte Ursachenanalyse soll am 14. Juni vorliegen.
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Drei Großstörungen binnen weniger Wochen
Der Vorfall reiht sich in eine Serie von Pannen ein. Bereits am 29. Mai sorgte ein falsch konfigurierter Algorithmus für eine sechsstündige Verlangsamung. Nur zwei Tage später, am 1. Juni, fiel die Azure-Cloud aus – 14.000 Nutzer konnten die KI-Oberfläche nicht laden.
Die Folgen sind messbar: Microsoft 365 erreichte im ersten Quartal 2026 eine Verfügbarkeit von nur 99,526 Prozent – der schlechteste Wert seit 2013. Besonders problematisch: Für Copilot gibt es keine finanziell abgesicherte Service-Level-Vereinbarung (SLA). Ein CIO eines Fortune-500-Unternehmens nannte genau diesen Punkt als Hauptgrund, den Rollout zu stoppen.
Hartnäckige Fehler im Alltag
Doch nicht nur Großstörungen bereiten Sorgen. Am 13. Juni entdeckten Nutzer einen Datenkorruptionsfehler: Beim Erstellen oder Löschen von KI-Agenten streamt Copilot eine vollständige Antwort – die dann plötzlich verschwindet. Konsolenmeldungen zeigen Rendering-Fehler an.
Weitere dokumentierte Probleme:
- Sechs Tage lang keine Bildgenerierung möglich
- Copilot kann weder in Excel lesen noch schreiben
- Datei-Uploads für Copilot-Projekte scheitern
- Die KI ersetzt fertige Antworten durch die Meldung, kein Ergebnis liefern zu können
Ein Anbieter von Rechtssoftware berichtete zudem, dass sein Tool während der Störungen stillschweigend die Vertragsverarbeitung einstellte – ohne Warnung für die Nutzer.
Sicherheitsrisiko: Berechtigungen im Fokus
Sicherheitsforscher warnen vor einem grundlegenden Problem in Copilot Studio. Die Plattform nutzt standardmäßig die Anmeldedaten des Erstellers eines KI-Agenten – nicht die des aktuellen Nutzers. Das könnte sogenannte Lateral Movement ermöglichen: Ein Nutzer mit niedrigen Berechtigungen könnte über einen höher privilegierten Agenten auf fremde Daten zugreifen.
Microsoft verweist auf Purview als Schutzmaßnahme – eine Lösung für Datenklassifizierung und -verlustprävention. Peter Rising von Microsoft räumt ein: „Übermäßiges Teilen bleibt eine große Herausforderung. Copilot greift aber nur auf Daten zu, für die der Nutzer bereits explizit berechtigt ist."
Die Sicherheitsdebatte gewinnt an Brisanz: Im August 2026 tritt der EU AI Act in Kraft.
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Trotz allem: Großprojekte laufen an
Die technischen Probleme halten Unternehmen nicht von ambitionierten Plänen ab. Der britische Gesundheitsdienst NHS England will bis Ende Oktober 2026 insgesamt 505.000 Mitarbeiter mit Copilot ausstatten. Ein Test mit 30.000 Beschäftigten ergab: Die KI spart im Schnitt 43 Minuten pro Tag und Mitarbeiter – vor allem bei Verwaltungsaufgaben wie Entlassungsbriefen und Bettenmanagement.
Auch KPMG zieht nach: Am 12. Juni kündigte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft den Ausbau der KI-Kooperation mit Microsoft an. Die Agent-365-Plattform soll globale Arbeitsabläufe automatisieren.
Um die Speicher- und Abrufqualität zu verbessern, hat Microsoft zudem 365 Archive in die öffentliche Vorschauphase verschoben. Einzelne Dateien lassen sich damit in einen Kalt-Speicher verschieben – bis zu 75 Prozent günstiger als Standard-SharePoint. Wichtig: Diese Dateien werden aus dem Copilot-Index entfernt. Branchenexperten sehen darin eine Chance: Veraltete Daten verschwinden, die Qualität der KI-Abfragen steigt.
