Copenhagen-Programm: Leistenprobleme bei Fußballern sinken um 41 Prozent
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 11:05 Uhr | Redaktion boerse-global.deExperten und Ratgeber erläutern gezielte Bewegungs- und Pflegeprogramme, um bei Beschwerden im Hüftbereich oder am Sakroiliakalgelenk die Stabilität zu verbessern und die Bewegungsfähigkeit im Alltag zu erhalten. Dabei zeigt sich in der Praxis wie in wissenschaftlichen Untersuchungen, dass starre Schonung selten zum Ziel führt, während dosierte Aktivität und funktionelle Kräftigung im Mittelpunkt stehen.
Krafttraining als Schlüssel bei Hüftsteifheit
Hüftsteifheit wird von Sportmedizinern häufig nicht als reines Flexibilitätsproblem eingestuft, sondern auf muskuläre Kraftdefizite zurückgeführt. Mobilität beschreibt dabei die aktive Bewegungsreichweite, die in der Regel geringer ausfällt als der passive Bewegungsradius. Betroffen sind neben Büroangestellten und Läufern auch Sportler aus dem Fußball-, Basketball- und Eishockeybereich sowie hypermobile Personen aus Tanz, Turnen oder Yoga.
Fachleute empfehlen zwei- bis dreimal wöchentliches Training. Dehnpositionen sollten dabei zehn bis 15 Sekunden gehalten werden, ergänzt durch fünfsekündige Anspannungs- und Entspannungsphasen.
Zu den empfohlenen Übungen zählen unter anderem Rotationen im 90/90-Sitz, rumänisches Kreuzheben, seitliche Ausfallschritte und Split Squats. Das sogenannte Copenhagen-Programm konnte bei semiprofessionellen Fußballern Leistenprobleme um 41 Prozent senken.
Halten Beschwerden wie Leistenschmerzen, Gelenkklicken, Nachtschmerz oder Symptome über mehr als sechs Wochen an, sollte medizinischer Rat eingeholt werden.
Differenzierte Studienergebnisse zu Arthrose und Impingement
Wissenschaftliche Analysen differenzieren den Nutzen von Bewegungstherapien je nach Gelenk und Krankheitsbild. Eine Auswertung in der Fachzeitschrift RMD Open, die fünf systematische Übersichtsarbeiten und 28 randomisierte klinische Studien mit über 13.000 Betroffenen umfasst, untersuchte Bewegung bei Arthrose an Knie, Hüfte, Hand und Sprunggelenk.
Bei Kniearthrose verbesserte Bewegung den Schmerz kurzfristig um rund 10 Punkte auf einer Skala von 0 bis 100, was dem Mindestmaß klinischer Relevanz entspricht.
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Langfristig glichen sich die Schmerzwerte jedoch jenen ohne strukturierte Programme an. Bei Hüftarthrose fiel der Einfluss sehr gering aus und war teils kaum von einer Nicht-Intervention zu unterscheiden. Bei fortgeschrittenem Gelenkverschleiß bleiben operative Eingriffe wie ein Gelenkersatz langfristig überlegen.
Neue Einblicke liefert zudem die PhysioFIRST-Studie unter Leitung von Professorin Joanne Kemp von der La Trobe University. Die Untersuchung zu zwei physiotherapeutisch geleiteten Interventionen beim femoroazetabulären Impingement-Syndrom, einer häufigen Ursache von Hüftschmerzen bei jüngeren und mittelalten Erwachsenen, legt nahe, dass Bewegung generell zur Steigerung der Lebensqualität beiträgt, ohne dass eine einzelne Übungsform heraussticht.
Spezifische Mobilisation des Sakroiliakalgelenks
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Bei Beschwerden am Sakroiliakalgelenk gilt das Prinzip eines schrittweisen und angemessenen Vorgehens. In der ersten Woche nach Ausbruch einer akuten Symptomatik sollten Betroffene entsprechende Übungen zunächst nicht durchführen.
Nach dieser Phase kommen Mobilisationen im Stand infrage, bei denen die oberen vorderen Darmbeinstacheln mit den Händen fixiert und jeweils 20 Beuge-, Streck- und Rotationsbewegungen ausgeführt werden. Begleitend wird die Gesäßhälfte mit dem betroffenen Bein 20-mal angehoben.
Ergänzend kann in Seitenlage auf der gesunden Seite das betroffene, gestreckte Bein 20- bis 30-mal gebeugt, gestreckt und nach außen rotiert werden. Lokale Wärmeanwendungen sowie ein tägliches Kräftigungstraining für Bauch-, Rücken- und Beckenmuskulatur morgens und abends unterstützen den Rehabilitationsprozess.
Alltagsgewohnheiten und aktive Erholung
Bei alltäglicher Steifheit ist vollständige Bettruhe fast nie die langfristige Lösung, da sich Gelenkflüssigkeit erst bei Belastung und Positionswechsel im Gelenkknorpel verteilt. Bereits kurze Bewegungspausen von zwei Minuten pro Stunde, sanftes Gelenkkreisen oder fünf bis zehn Minuten zügiges Gehen fördern die Durchblutung.
Moderne Rehabilitationskonzepte setzen daher verstärkt auf aktive Erholung und optimale Belastung statt auf reine Immobilisation. Bei chronischen Schmerzen sollte zudem das Zusammenspiel von Gangbild, Sitzen und Heben ganzheitlich überprüft werden.
