COPD und Lachtherapie: 63 Patienten berichten über weniger Atemnot
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 14:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deEine klinische Untersuchung eröffnet neue Perspektiven für die unterstützende Behandlung von Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD).
Ein türkisches Forscherteam um Goncagul Aldan vom Ankara Bilkent Hospital hat untersucht, inwieweit strukturierte Lacheinheiten die Beschwerden Betroffener lindern können. Die Resultate deuten darauf hin, dass gezielte Übungen die Atemnot verringern und die Lebensqualität spürbar steigern können.
Gezieltes Atemtraining durch Lachen
An der Untersuchung des Teams um Goncagul Aldan nahmen 63 COPD-Patienten teil, die nach dem Zufallsprinzip in drei gleichgroße Gruppen aufgeteilt wurden. Eine Gruppe absolvierte Übungen mit der sogenannten Lippenbremse, eine zweite erhielt die Standardbehandlung ohne zusätzliche Einheiten, und die dritte Gruppe durchlief ein strukturiertes Lachprogramm.
Dieses Lachprogramm erstreckte sich über acht Wochen mit jeweils drei Sitzungen pro Woche à 30 Minuten. Die Einheiten kombinierten Lachübungen, rhythmische Bewegungen, bewusste Atmung sowie Entspannungselemente. Nach Ablauf der acht Wochen berichteten die Teilnehmer der Lachtherapie über weniger Atemnot und eine verbesserte gesundheitsbezogene Lebensqualität. Diese positiven Effekte hielten über das offizielle Studienende hinaus an.
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Im direkten Vergleich erwies sich die Lachtherapie bei der Reduktion von Atemnot als ebenso wirksam wie das etablierte Training mit der Lippenbremse. Beide Ansätze trugen zu einer Verbesserung der allgemeinen Gesundheit bei.
Physiologische Mechanismen und Praxistauglichkeit
Als Wirkmechanismus vermuten die Fachleute ein gezieltes Training der Atemmuskulatur und des Zwerchfells sowie eine vertiefte Ausatmung und die Ausschüttung von Endorphinen. Da Lachen ein kräftigeres Ausatmen trainiert, kommt dies der durch die Erkrankung verengten Bronchialstruktur zugute. Zudem kann der Prozess dazu beitragen, den belastenden Kreislauf aus Angst und Atemnot zu durchbrechen.
Ein wesentlicher Vorteil des Verfahrens liegt in der einfachen Umsetzung: Die Lachtherapie ist kostenlos, erfordert keine Spezialgeräte und lässt sich direkt im häuslichen Umfeld anwenden. Die Daten wurden auf dem European Respiratory Society Congress vorgestellt.
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Da es sich um eine kleine Untersuchung handelt, sind bereits größere Studien sowie internationale Kooperationen geplant. Das Verfahren gilt in der Fachwelt nicht als eigenständiges Heilmittel, sondern als rein komplementäre Maßnahme. Ob Lachen künftig fester Bestandteil regulärer COPD-Therapien wird, bleibt vorerst offen.
Physiologische Effekte und psychologische Grenzen
Die physiologischen Wirkungen von Humor und Lachen werden seit Längerem erforscht. Eine Meta-Analyse aus dem Jahr 2023, die acht Studien mit insgesamt 315 Teilnehmern auswertete, ermittelte nach Lachinterventionen durchschnittlich 31,9 Prozent niedrigere Cortisolwerte im Vergleich zu den jeweiligen Kontrollgruppen. Zudem zeigt eine Veröffentlichung im Journal of Psychiatric Research, dass Humor grundsätzlich das psychische Wohlbefinden steigern kann.
Gleichzeitig weisen wissenschaftliche Analysen auf klare Grenzen hin. Anna Braniecka von der SWPS University in Warschau legte im Fachjournal Clinical Psychology Review dar, dass Humor zwar Teil einer Behandlung bei Depressionen sein kann – eine Erkrankung, die weltweit über 280 Millionen Menschen betrifft –, jedoch präzise an die jeweilige Behandlungsphase und die individuellen kognitiven Fähigkeiten angepasst werden muss.
In akuten Krankheitsphasen erweisen sich Humorinterventionen laut der Untersuchung als unwirksam. Die besten Resultate zeigten sich bei leichter Symptomatik oder in der Remissionsphase. Als sicherste Strategie gilt ablenkender Humor wie das Erzählen von Witzen, während das Lachen über eigene Sorgen negative Gedanken verstärken kann.
Zudem weisen depressive Personen häufig eine erhöhte Angst davor auf, ausgelacht zu werden. Auch in der Psychotherapie ersetzt Humor daher keinesfalls eine umfassende Behandlung, sondern bleibt ein potenziell stützendes Instrument.
