COPD: Neuer Antikörper reduziert Exazerbationen um 30 Prozent
Veröffentlicht am: 11.09.2026 um 20:52 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Behandlung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) deuten aktuelle klinische Daten auf neue therapeutische Möglichkeiten durch die gezielte Hemmung von Interleukin-33 (IL-33) hin. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Auswertung stehen die Ergebnisse der Phase-3-Studien OBERON und TITANIA, in denen der Antikörper Tozorakimab des Herstellers AstraZeneca untersucht wurde.
Die Daten wurden am 8. September 2026 im New England Journal of Medicine (NEJM) publiziert und am 9. September 2026 im Rahmen eines Kongresses in Barcelona vorgestellt.
Signifikante Reduktion moderater bis schwerer Exazerbationen
Die groß angelegten Studien OBERON (NCT05166889) und TITANIA (NCT05158387) untersuchten die Wirksamkeit von Tozorakimab bei Patienten mit moderater bis schwerer COPD, die trotz einer bestehenden Standardtherapie im vorangegangenen Jahr Exazerbationen erlitten hatten. Insgesamt wurden 2.306 Patienten randomisiert, wobei die Verabreichung von 300 mg des Wirkstoffs subkutan alle vier Wochen über einen Zeitraum von 52 Wochen erfolgte.
Die Auswertungen zeigen eine deutliche Senkung der jährlichen Rate an moderaten bis schweren Exazerbationen im Vergleich zu Placebo. In der Gesamtpopulation lag die Reduktion in der OBERON-Studie bei 30 Prozent (Ereignisrate 1,41 unter Wirkstoff gegenüber 2,00 unter Placebo). In der TITANIA-Studie wurde eine Senkung um 29 Prozent verzeichnet (1,44 gegenüber 2,03).
Besonders ausgeprägt zeigten sich die Effekte bei der Gruppe der ehemaligen Raucher. Hier sank die Exazerbationsrate in der OBERON-Studie um 29 Prozent (1,34 vs. 1,90; p=0,002) und in der TITANIA-Studie um 34 Prozent (1,37 vs. 2,07; p<0,001).
Wirkungsprofil und Biomarker-Analyse
Viele COPD-Patienten kennen das Gefühl: Trotz Standardtherapie kommt der nächste Schub — und mit ihm die Angst vor dem Krankenhaus. Die Phase-3-Studien OBERON und TITANIA deuten nun auf einen neuen Weg hin: Der Antikörper Tozorakimab senkte moderate bis schwere Exazerbationen um 29 bis 34 Prozent, bei ehemaligen Rauchern am deutlichsten. Was das konkret für Ihren Alltag bedeuten könnte, lesen Sie in unserem kostenlosen Leitfaden. Jetzt kostenlosen COPD-Leitfaden anfordern
Ein wesentliches Merkmal der Studienergebnisse ist die beobachtete Wirksamkeit, die weitgehend unabhängig vom Raucherstatus, dem Schweregrad der Lungenschädigung oder den Eosinophilenwerten der Patienten eintrat.
Dennoch deuten die Daten auf einen graduellen Zusammenhang mit der Anzahl der Eosinophilen im Blut hin: Während die Reduktion bei Werten unter 150 Zellen/µl bei 23 Prozent lag, stieg sie bei Werten von mindestens 150 auf 34 Prozent und bei Werten ab 300 auf 43 Prozent an.
Zusätzlich zur Verringerung der Exazerbationen wurde eine Verbesserung des sogenannten Mucus-Plug-Scores beobachtet, was auf eine positive Beeinflussung der Schleimbildung in den Atemwegen hindeutet. Im Gegensatz dazu erreichten die Ergebnisse im St. George’s Respiratory Questionnaire (SGRQ), einem Maßstab für die gesundheitsbezogene Lebensqualität, keine statistische Signifikanz.
Sicherheitsprofil und regulatorischer Status
Hinsichtlich der Sicherheit der Anwendung wurde festgestellt, dass kardiovaskuläre Ereignisse unter der Gabe von Tozorakimab numerisch häufiger auftraten als in der Kontrollgruppe. Dennoch befindet sich das Präparat bereits in fortgeschrittenen regulatorischen Prüfprozessen.
Zwischen all den Schlagzeilen zu neuen COPD-Therapien fällt es schwer, den Überblick zu behalten: Was ist bereits zugelassen, was steckt noch in der Prüfung? Tozorakimab ist derzeit weder von der EMA noch von der MHRA zugelassen — die FDA prüft im beschleunigten Verfahren, eine Entscheidung wird für das erste Quartal 2027 erwartet. Unser kostenloser Leitfaden hilft Ihnen, die Studiendaten richtig einzuordnen und die richtigen Fragen für Ihr nächstes Arztgespräch vorzubereiten. Leitfaden jetzt kostenlos anfordern
In den USA hat die Gesundheitsbehörde FDA eine vorrangige Prüfung (Priority Review) gewährt, wobei eine Entscheidung (PDUFA) für das erste Quartal 2027 erwartet wird. Auch in der Europäischen Union und in China laufen derzeit Prüfungsverfahren durch die jeweiligen Behörden.
Derzeit verfügt Tozorakimab noch über keine Zulassung durch die EMA oder die britische MHRA. AstraZeneca schätzt das Marktpotenzial allein in den USA auf rund 16 bis 26 Millionen betroffene COPD-Patienten, für die der Anti-IL-33-Antikörper künftig eine zusätzliche Behandlungsoption darstellen könnte.
