COPD-Antikörper: Tozorakimab senkt Exazerbationen um 29–34 Prozent
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 17:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zwei große randomisierte Phase-3-Studien liefern neue Erkenntnisse zu Tozorakimab, einem Antikörper gegen das Zytokin IL-33, als Zusatztherapie bei chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD).
Die Ergebnisse der Studien OBERON und TITANIA wurden auf dem ERS-Kongress in Barcelona vorgestellt und im New England Journal of Medicine publiziert (DOI: 10.1056/NEJMoa2606998), wie aerzteblatt.de berichtete. Autor der Publikation ist Sciurba FC und Kollegen.
Studiendesign und Patientenkollektiv
Insgesamt wurden 2.306 Patienten randomisiert, die trotz stabiler inhalativer Standard-Erhaltungstherapie weiter Exazerbationen erlitten hatten – Einschlusskriterium war mindestens eine schwere oder mindestens zwei moderate Exazerbationen in den zwölf Monaten vor Studienbeginn.
In OBERON erhielten 446 von insgesamt 877 Teilnehmern Tozorakimab, 431 Placebo; das mittlere Alter lag bei 67,1 Jahren, 65,8 Prozent waren Männer, 91 Prozent standen unter Tripeltherapie.
In TITANIA wurden von 873 Teilnehmern 438 mit Tozorakimab und 435 mit Placebo behandelt, bei einem mittleren Alter von 68 Jahren, 68,1 Prozent Männeranteil und 90 Prozent unter Tripeltherapie. Die Verabreichung erfolgte subkutan mit 300 mg alle vier Wochen über 52 Wochen, so healio.com.
Reduktion der Exazerbationsrate
Bei aktuellen und früheren Rauchern mit COPD senkte Tozorakimab die annualisierte Rate moderater bis schwerer Exazerbationen in beiden Studien. Bei Ex-Rauchern – der Hauptpopulation – lag die Rate in OBERON bei 1,34 unter Tozorakimab gegenüber 1,9 unter Placebo (relatives Risiko 0,71; 95-Prozent-Konfidenzintervall 0,57–0,88), in TITANIA bei 1,37 gegenüber 2,07 (RR 0,66; 95-Prozent-KI 0,55–0,8). Das entspricht laut farmacosalud.com einer Reduktion um 29 Prozent in OBERON und 34 Prozent in TITANIA.
In der Gesamtpopulation aus aktuellen und ehemaligen Rauchern zeigte sich in OBERON eine Rate von 1,41 gegenüber 2,0 (RR 0,7; 95-Prozent-KI 0,58–0,85), in TITANIA von 1,44 gegenüber 2,03 (RR 0,71; 95-Prozent-KI 0,59–0,84) – eine Reduktion um 30 Prozent in OBERON und 29 Prozent in TITANIA.
Wer trotz stabiler Tripeltherapie weiter exazerbiert, fragt sich zu Recht, ob ein Biologikum für den eigenen COPD-Typ passt. Die neuen Phase-3-Daten zeigen: Der Blut-Eosinophilenwert ist der entscheidende Anhaltspunkt — bei Werten ab 300 Zellen/µL fiel die Exazerbationsrate in der kombinierten Analyse um 43 Prozent. Unser kostenloser Leitfaden führt Sie in drei Schritten durch Eignungs-Check, Arztgespräch und Zulassungsstand. COPD-Leitfaden jetzt kostenlos anfordern
Wirkung abhängig von Blut-Eosinophilen
Die Wirksamkeit variierte je nach Höhe der Blut-Eosinophilenzahl (BEC). Bei Werten ab 300 Zellen/µL lag das relative Risiko bei 0,57 (95-Prozent-KI 0,44–0,74), bei 150 bis unter 300 Zellen/µL bei 0,75 (95-Prozent-KI 0,6–0,92) und bei unter 150 Zellen/µL bei 0,77 (95-Prozent-KI 0,62–0,94).
In einer kombinierten Analyse ergab sich laut farmacosalud.com eine Reduktion von 23 Prozent bei Werten unter 150, von 34 Prozent bei Werten ab 150 und von 43 Prozent bei Werten ab 300 Zellen/µL – ein Hinweis darauf, dass Patienten mit höheren Eosinophilenwerten stärker profitieren könnten.
Verträglichkeit
Unerwünschte Ereignisse traten in OBERON bei 70,4 Prozent der Tozorakimab-Gruppe gegenüber 77,2 Prozent unter Placebo auf, in TITANIA bei 80,1 Prozent gegenüber 79,8 Prozent. Injektionsstellenreaktionen waren unter Tozorakimab häufiger: 6,5 Prozent gegenüber 3,3 Prozent in OBERON und 9,8 Prozent gegenüber 4,6 Prozent in TITANIA.
Laut farmacosalud.com war die Injektionsstellenreaktion die einzige berichtete Nebenwirkung von Bedeutung; der Antikörper habe sich insgesamt als gut verträglich erwiesen. Zudem wird Tozorakimab als erstes Biologikum beschrieben, das die Bildung von Mukuspfropfen in einer breiten COPD-Population reduziert.
Regulatorischer Stand
Für Tozorakimab wird laut healio.com ein PDUFA-Termin der US-Arzneimittelbehörde FDA im ersten Quartal 2027 erwartet. Parallel läuft die regulatorische Prüfung in der EU und in China.
Jede schwere Exazerbation bedeutet Angst vor der nächsten Klinikeinweisung. Ein neuer Antikörper gegen IL-33 senkte in zwei Phase-3-Studien die Rate moderater bis schwerer Exazerbationen um 29 bis 34 Prozent — bei guter Verträglichkeit, einzige berichtete Nebenwirkung waren Injektionsstellenreaktionen. Was das für Ihren Alltag bedeutet und welche Fragen Sie Ihrem Pneumologen stellen sollten, steht im kostenlosen Leitfaden. Fragenkatalog und Studienlage jetzt sichern
Weitere klinische Programme umfassen eine Phase-II-Studie bei schwerem Asthma sowie eine Phase-III-Studie bei viraler Atemwegserkrankung. Die FDA hatte dem Wirkstoff bereits im November 2023 für die virale Atemwegserkrankung und im Dezember 2024 für COPD den Fast-Track-Status verliehen.
