COP17, Artenvielfalt

COP17 in Eriwan: Staaten ziehen Bilanz zum Naturschutz

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 08:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Fast 200 Staaten ziehen in Eriwan eine Zwischenbilanz des Weltnaturabkommens von 2022. Der UN-Bericht sieht die Ziele bis 2030 gefährdet, wenn Schutz, Finanzierung und Umsetzung nicht deutlich schneller vorankommen.

Deutschlands Aufgaben beim Naturschutz

  • Die Konferenz findet ab Montag zwei Wochen lang in Eriwan statt.
  • Bundesumweltminister Carsten Schneider leitet in der zweiten Woche die deutsche Delegation.
  • In deutschen Meeresgebieten ist derzeit etwa ein Prozent der Fläche vollständig von Nutzung ausgenommen.
Auf der 17. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt (COP17) wollen zahlreiche Staaten zwei Wochen lang über die Umsetzung ihrer selbst gesteckten Ziele bis 2030 sprechen. (Illustration) - Bild: Patrick Pleul/dpa

Weltnaturkonferenz zieht Bilanz zum Schutz der Artenvielfalt

Fast 200 Länder beraten ab Montag in der armenischen Hauptstadt Eriwan zwei Wochen lang über den Schutz der biologischen Vielfalt. Auf der 17. UN-Konferenz zur biologischen Vielfalt wollen sie prüfen, wie die Ziele des Weltnaturabkommens bis 2030 trotz Verzögerungen noch erreicht werden können.

30 Prozent der Flächen sollen geschützt werden

Die Staatengemeinschaft hatte sich 2022 unter anderem darauf verständigt, mindestens 30 Prozent der weltweiten Land- und Meeresflächen unter Schutz zu stellen. In Eriwan steht nun die erste gemeinsame Zwischenbilanz an.

Ein UN-Zwischenbericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Ziele bis 2030 bei unverändertem Tempo verfehlt werden. Zwar haben demnach fast 90 Prozent der Vertragsstaaten eigene nationale Biodiversitätsziele eingeführt, doch klafft weiterhin eine Lücke zwischen politischen Zusagen und konkreten Maßnahmen.

Finanzierung belastet die Verhandlungen

UN-Generalsekretär António Guterres forderte mehr finanzielle und technische Unterstützung für Entwicklungsländer. Zudem müsse der Schutz der biologischen Vielfalt stärker in Politik und Haushaltsplanung einfließen.

Umweltschutzorganisationen verlangen, Umsetzungslücken zu schließen, die Finanzierung auszubauen und Klima- und Biodiversitätsschutz enger zu verbinden. Der Präsident des Naturschutzbundes Deutschland, Jörg-Andreas Krüger, fordert von Deutschland und Europa eine Vorreiterrolle bei der Wiederherstellung von Ökosystemen.

Deutschland sieht eigene Defizite

Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) räumte vor der Konferenz ein, dass auch Deutschland noch Aufgaben zu erledigen habe. Er reist in der zweiten Konferenzwoche nach Eriwan und leitet die deutsche Delegation.

Eine aktuelle wissenschaftliche Bestandsaufnahme bewertet den Zustand vieler deutscher FFH-Schutzgebiete als schlecht. Danach befinden sich nur sechs Prozent der Lebensräume und vier Prozent der Arten in einem günstigen Zustand.

Wälder und Meere besonders betroffen

Als Ursachen gelten unter anderem intensive Landwirtschaft, Entwässerung, forstliche Nutzung und menschliche Störungen. Hinzu kommen Pflanzenschutzmittel, Nährstoffeinträge, Bebauung und der Klimawandel.

Die Experten sehen besonderen Handlungsbedarf bei Wäldern und Meeresschutzgebieten. Zehn Prozent der Wälder im öffentlichen Eigentum und zehn Prozent der Meeresschutzgebiete sollten demnach streng geschützt werden; in deutschen Meeresgebieten ist derzeit etwa ein Prozent der Fläche vollständig von Nutzung ausgenommen.

Artenverlust betrifft die Lebensgrundlagen

Der Living Planet Report 2026 verzeichnete bei mehr als 35.000 erfassten Wirbeltierpopulationen zwischen 1970 und 2022 im Durchschnitt einen Rückgang um 73 Prozent.

Der Schutz intakter Ökosysteme gilt damit nicht nur als Umweltaufgabe, sondern auch als Grundlage für Wirtschaft, Gesundheit und Versorgung. Waldbrände, Niedrigwasser und ausgetrocknete Landschaften zeigen nach Einschätzung von Naturschutzverbänden, welche Folgen der Verlust belastbarer natürlicher Systeme bereits im Alltag haben kann.

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Die COP17 in Eriwan markiert die erste gemeinsame Zwischenbilanz seit dem Weltnaturabkommen von 2022. Das zentrale Versprechen, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Land- und Meeresflächen zu schützen, ist damit nicht automatisch erfüllt: Entscheidend sind nationale Umsetzung, wirksames Management und überprüfbare Finanzierung.

Der Konflikt zwischen politischen Zusagen und praktischer Umsetzung prägt die Konferenz. Viele Staaten haben inzwischen eigene Ziele formuliert, doch Schutzgebiete allein stoppen den Verlust der Artenvielfalt nicht, wenn Landwirtschaft, Infrastruktur, Fischerei oder Rohstoffnutzung ihre Lebensräume weiter beeinträchtigen. Auch der Klimawandel verschärft den Druck auf Ökosysteme.

Finanzierung bleibt Schlüssel

Besonders groß ist die Bedeutung der Finanzfrage für Entwicklungs- und Schwellenländer. Sie verfügen häufig über besonders artenreiche Ökosysteme, tragen aber nicht allein die Kosten für Schutz, Wiederherstellung und Anpassung. Unterstützung aus Industriestaaten sowie eine stärkere Berücksichtigung der Biodiversität in Haushalten und Wirtschaftsentscheidungen gehören deshalb zu den entscheidenden Verhandlungsthemen.

Für Deutschland verbindet sich die internationale Bilanz mit konkreten Defiziten im eigenen Land. Die genannten Zustände vieler FFH-Lebensräume und Arten zeigen, dass ausgewiesene Schutzflächen ohne konsequente Pflege und Begrenzung schädlicher Nutzungen nur begrenzte Wirkung entfalten. Für Bürgerinnen und Bürger betrifft das unter anderem Wasserhaushalt, Landwirtschaft, Wälder, Küsten und die Widerstandsfähigkeit gegen Wetterextreme.

Entscheidend wird die Umsetzung

In Eriwan dürfte daher weniger die Formulierung neuer Ziele als deren Finanzierung, Kontrolle und praktische Umsetzung im Mittelpunkt stehen. Der Zeitraum bis 2030 ist begrenzt; jede Verzögerung vergrößert den Aufwand für Wiederherstellung und erhöht das Risiko dauerhafter Verluste.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

Frankfurter Rundschau: „‚Krieg gegen die Natur‘: COP17 zieht verheerende Bilanz“ (16.10.2026)

Der Beitrag hebt die ernüchternde Zwischenbilanz vor der Konferenz hervor und verweist auf den engen Zeitrahmen bis 2030. Damit bestätigt er den Schwerpunkt auf der Umsetzungslücke, während die dpa-Meldung zusätzlich die deutsche Position und die Lage in Schutzgebieten beleuchtet.

taz: „UN-Naturschutzchefin über Ziele: ‚Die Natur wartet nicht‘“ (17.10.2026)

Die taz stellt die Forderung der UN-Naturschutzchefin Astrid Schomaker nach schnellerer Umsetzung in den Mittelpunkt. Gemeinsam ist den Beiträgen der Hinweis auf den Handlungsdruck; offen bleibt, wie die Staaten Finanzierung und konkrete Maßnahmen verbindlich beschleunigen.

Medienübergreifend besteht Einigkeit über die große Umsetzungslücke und den Zeitdruck bis 2030. Unterschiede liegen vor allem in der Gewichtung: Während ein Beitrag die Gesamtbilanz zuspitzt, rückt der andere die Forderung nach schnellerem Handeln in den Vordergrund.

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