CONNECT-Studie: Glukosesensor bringt fünf Stunden mehr im Zielbereich
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 16:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie kontinuierliche Glukosemessung (CGM) kann den Blutzuckerspiegel bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die kein Insulin spritzen, deutlicher senken als die bisherige Standardversorgung. Dies zeigen die im Oktober 2026 im New England Journal of Medicine (NEJM) veröffentlichten Ergebnisse der von Dexcom finanzierten CONNECT-Studie. Die Untersuchung liefert neue Daten für eine Patientengruppe, bei der diese Technologie bislang selten zum Einsatz kommt.
Signifikante Senkung des Langzeitblutzuckers
Die multizentrische, randomisierte kontrollierte Studie wurde an 22 Hausarztpraxen in den USA durchgeführt und umfasste 440 Teilnehmer. Dabei wurden 145 Probanden für die Nutzung des Glukosesensors Dexcom G7 und 138 Probanden für die reguläre Routineversorgung eingeteilt.
Über einen Zeitraum von 26 Wochen sank der HbA1c-Wert in der CGM-Gruppe von durchschnittlich 8,8 Prozent auf 7,2 Prozent. In der Kontrollgruppe ging der Wert im selben Zeitraum lediglich von 8,7 Prozent auf 8,0 Prozent zurück.
Aus den am 15. Oktober 2026 vorgestellten Ergebnissen geht hervor, dass sich nach 26 Wochen eine bereinigte HbA1c-Differenz von 0,9 Prozentpunkten zwischen beiden Gruppen ergab.
Während in der CGM-Gruppe 68 Prozent der Behandelten einen HbA1c-Wert von unter 7,5 Prozent und 46 Prozent einen Wert von unter 7 Prozent erreichten, verbrachten die Sensoranwender im Schnitt 62 Prozent der Zeit im Zielbereich von 70 bis 180 mg/dL.
In der Kontrollgruppe lag dieser Wert bei 41 Prozent. Im Alltag bedeutete dies für die Nutzer der kontinuierlichen Messung rund fünf Stunden mehr pro Tag innerhalb der angestrebten Blutzuckergrenzen.
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Konsistente Effekte über unterschiedliche Patientengruppen hinweg
Der therapeutische Nutzen erwies sich der Studie zufolge als robust: Die positiven Effekte zeigten sich unabhängig von Alter, Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit, Body-Mass-Index, Einkommen, Bildungsstand und Versicherungsstatus.
Ebenso blieb der Nutzen auch bei gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente wie Metformin, GLP-1-Rezeptor-Agonisten und SGLT-2-Hemmern bestehen. Die Therapietreue fiel hoch aus; 97 Prozent der Teilnehmer nutzten das CGM-System nach 26 Wochen weiterhin, meist auf täglicher Basis.
Studienleiter Dr. Roy Beck vom Jaeb Center in Tampa erklärte, die Ergebnisse stützten einen früheren Einsatz von Glukosesensoren, noch bevor ein Insulinbedarf entstehe. Erstautorin Tamara K. Oser von der CU Anschutz sowie die Koautoren Sean Oser und E. Seth Kramer hoben hervor, dass die beobachteten Effekte größer als erwartet ausgefallen seien. Sie seien vergleichbar mit oder sogar ausgeprägter als bei manchen Diabetesmedikamenten.
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Mögliche Folgen für Erstattung und Leitlinien
In den USA leben mehr als 30 Millionen Menschen mit Typ-2-Diabetes. Bislang herrscht vielfach die Annahme vor, dass CGM-Systeme vor allem für Patienten mit Typ-1-Diabetes oder unter Insulintherapie bestimmt seien. Da die Sensoren Glukosewerte in Echtzeit liefern und direkte Rückmeldungen zu den Auswirkungen von Ernährung sowie körperlicher Aktivität ermöglichen, können jedoch weitaus mehr Patienten profitieren.
Vor diesem Hintergrund hofft Erstautorin Oser auf künftige Anpassungen der Leitlinien der American Diabetes Association (ADA) und eine Ausweitung der Kostenübernahme.
Bei den Centers for Medicare & Medicaid Services (CMS) wird eine Entscheidung über die Erweiterung der Kostenübernahme noch vor Jahresende erwartet. Laut dem Analysten Kratky könnte eine Umsetzung bis Mitte 2027 erfolgen und den Kreis der anspruchsberechtigten Personen von 15 Millionen auf 30 Millionen verdoppeln.
