Computex-Highlights: 800-Volt-Technik löst KI-Stromkrise
05.06.2026 - 08:12:10 | boerse-global.de
Auf der Computex in Taipei präsentieren Branchenführer diese Woche eine neue Generation von Stromversorgungssystemen, die den explodierenden Bedarf künstlicher Intelligenz decken sollen. Während einzelne Server-Racks inzwischen Megawatt-Leistungen erreichen, setzt die Industrie zunehmend auf 800-Volt-Gleichstromtechnik und eigene Kraftwerke vor Ort.
Hochspannungslösungen für Gigawatt-Fabriken
Der Umstieg auf höhere Spannungen war das beherrschende Thema der Messe. Advanced Energy Industries stellte am 3. Juni seine ADH-Serie von Gleichspannungswandlern vor, die speziell für 800-Volt-Architekturen entwickelt wurden. Die Komponenten erreichen einen Spitzenwirkungsgrad von 98,2 Prozent und eine Leistungsdichte von über 2.700 Watt pro Kubikzoll – bei bis zu 8 Kilowatt Spitzenleistung im kompakten Half-Brick-Format.
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Auch andere große Zulieferer präsentierten integrierte Systeme. Flex zeigte ein 110-Kilowatt-Stromregal für die NVIDIA Vera Rubin NVL72-Plattform sowie ein 30-Kilowatt-Kondensator-Energiespeichersystem. Delta Electronics stellte eine modulare KI-Rechenzentrumslösung vor, die pro Rack bis zu 1,1 Megawatt mit 98 Prozent Effizienz liefert. Deltas Vertreter betonten: Der Engpass für KI-Installationen habe sich von der GPU-Verfügbarkeit hin zur Strom- und Kühlungsinfrastruktur verlagert.
Supermicro ging am 4. Juni noch einen Schritt weiter und enthüllte Pläne für sogenannte „KI-Fabriken" mit einer Leistung von bis zu einem Gigawatt. Die Entwürfe basieren auf der NVIDIA Vera Rubin-Plattform und Rack-Infrastruktur mit Arm-basierten Prozessoren – nach Unternehmensangaben ein erheblicher Hebel für Kosteneinsparungen.
Dichte und Kühlung: Die nächste Herausforderung
Um die Hitze- und Platzprobleme der Hochleistungsrechner in den Griff zu bekommen, setzen die Hersteller auf Flüssigkeits- und Tauchkühlung. XING Mobility und Arete Intelligent Power präsentierten am 3. Juni einen 1,35-Megawatt-Hochspannungs-Gleichstrom-Rack – nach eigenen Angaben der erste seiner Art. Das System verfügt über eine tauchgekühlte Batterie-Backup-Einheit und bietet die 2,5-fache Leistungsdichte herkömmlicher Lösungen.
MiTAC Computing Technology zeigte ein 52U-Hochdichte-Rack mit Flüssigkeitskühlung für 96 AMD Instinct MI355X-GPUs – eine Steigerung der GPU-Dichte um 50 Prozent. MSI steuerte flüssigkeitsgekühlte Racks für 100 Kilowatt bei.
Auch auf Komponentenebene tut sich einiges. ROHM Semiconductor gab bekannt, dass seine 750-Volt-Siliziumkarbid-MOSFETs in Batterie-Backup-Einheiten für KI-Server zum Einsatz kommen – sowohl für ±400-Volt- als auch für 800-Volt-Gleichstrom-Architekturen. Samsung gewährte einen ersten Blick auf seine HBM5-Speicherarchitektur, die einen „Heat Path Block" zur besseren Wärmeableitung integriert.
Stromnetze am Limit: Rechenzentren werden zu Kraftwerksbetreibern
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Der KI-Boom setzt die nationalen Stromnetze massiv unter Druck. Einem aktuellen Bericht zufolge liegt der Stromverbrauch von Rechenzentren in den USA derzeit bei etwa 4,4 Prozent – bis 2029 könnte er auf bis zu 12 Prozent steigen.
Weil der Netzausbau nicht Schritt hält, investieren Betreiber zunehmend in eigene Kraftwerke. Allein in den letzten 18 Monaten wurden zwei Gigawatt Eigenstrom-Kapazität durch vier Großprojekte realisiert. Bis Ende 2026 könnte die installierte Leistung vor Ort auf drei Gigawatt steigen – ein Mix aus Solarenergie, Batteriespeichern und Generatoren soll die Betriebssicherheit gewährleisten.
Ein NVIDIA-Produktmanager für KI und Rechenzentren brachte es auf den Punkt: Die Nachfrage nach KI-Rechenleistung übersteige das Angebot bei weitem. Die Branche bleibe daher in hohem Maße auf das Ökosystem Taiwans angewiesen, um Produktion und Infrastruktur schnell genug hochzufahren.
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