Colitis bei Ratten: Kreatin erhöht den Hippocampus-Kreatinspiegel um bis zu 30 Prozent
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 23:36 Uhr | Redaktion boerse-global.deChronisch-entzündliche Darmerkrankungen wie Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn belasten nicht nur den Verdauungstrakt, sondern können über komplexe biologische Wechselwirkungen auch das zentrale Nervensystem in Mitleidenschaft ziehen. Eine Untersuchung der spanischen Universität Sevilla liefert neue Einblicke in diesen Zusammenhang.
Die Wissenschaftler Alejandro Ruiz-Calero und Maria Ortego-Domínguez analysierten in einer im Fachjournal „Brain, Behavior, and Immunity“ veröffentlichten Studie, wie sich eine gezielte Gabe von Kreatin auf das Gehirn auswirkt. Die Ergebnisse im Tiermodell legen nahe, dass die Substanz Entzündungsprozesse und Nervenschäden in bestimmten Hirnregionen abmildern kann.
Schutzmechanismen im Hippocampus
Im Zentrum der Untersuchung stand der Hippocampus, eine für Lernprozesse und Gedächtnisfunktionen entscheidende Hirnregion. Bei Ratten mit experimentell ausgelöster Kolitis führte eine tägliche Kreatin-Supplementierung dazu, dass der lokale Kreatingehalt wiederhergestellt werden konnte.
Die Werte stiegen bei den erkrankten und behandelten Tieren um rund 20 bis 30 Prozent an und erreichten damit ein Niveau, das dem gesunder Kontrolltiere entsprach. Bei gesunden Ratten hingegen bewirkte die Gabe keinen signifikanten Anstieg des Hippocampus-Kreatinspiegels.
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Darüber hinaus schützte die Verabreichung die neuronale Integrität und trug dazu bei, die Erregbarkeit der Zellen zu normalisieren. Auf zellulärer Ebene verhinderte die Substanz eine Aktivierung der Mikroglia im Hippocampus, was auf eine Unterdrückung neuroinflammatorischer Reaktionen hindeutet.
Das Forschungsteam stellte zudem fest, dass die protektiven Effekte bei männlichen Tieren ausgeprägter waren als bei weiblichen. Gleichzeitig zeigten sich Vorteile für verschiedene Hirnareale, die unabhängig von körperlicher Betätigung auftraten.
Versuchsaufbau und ernährungsphysiologische Einordnung
Das Design der Versuchsreihe sah vor, dass die behandelten Tiere täglich eine Dosis von 1 g Kreatin pro Kilogramm Körpergewicht erhielten. Diese Gabe begann zehn Tage vor der eigentlichen Krankheitsinduktion.
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Zum Vergleich führen die Forscher der Universität Sevilla an, dass eine typische omnivore Ernährungsweise beim Menschen schätzungsweise 1 bis 2 g Kreatin am Tag bereitstellt. In früheren Versuchen mit Nagetieren hatte die Arbeitsgruppe bereits nachweisen können, dass die Zufuhr von Kreatin auch zu einer direkten Verringerung der Entzündung im Darmgewebe beitragen kann.
Grenzen der Übertragbarkeit auf den Menschen
Trotz der vielversprechenden Befunde betonen die Wissenschaftler die Grenzen der vorliegenden Daten. Es handelt sich um eine rein präklinische Arbeit an Tiermodellen, die einen Nutzen für den Menschen bislang nicht belegt. Aus den Ergebnissen lassen sich weder Dosierungsempfehlungen noch konkrete Einnahmedauern für betroffene Patienten ableiten.
Ebenso bleibt offen, inwieweit sich die beobachteten zellulären Schutzwirkungen tatsächlich auf funktionelle Leistungen auswirken: Mögliche Verbesserungen von Gedächtnisleistungen oder Verhaltensänderungen wurden im Rahmen dieser Versuchsreihe nicht analysiert.
Die Forscher werten die Resultate dennoch als wichtigen Anhaltspunkt, um den Einfluss von Kreatin auf neurodegenerative Prozesse im Zusammenhang mit chronischen Darmentzündungen weiter zu erforschen.
