Coldcard-Lücke, Hacker

Coldcard-Lücke: Hacker stehlen 1.367 Bitcoin in 41 Minuten

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 08:32 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Sicherheitslücke in Coldcard-Firmware ermöglichte Diebstahl von Krypto im Wert von 89 Millionen Euro. Hersteller veröffentlicht Notfall-Updates.

Coldcard-Wallets kompromittiert: 1.367 Bitcoin gestohlen – Update-Pflicht
Eine Hardware-Krypto-Wallet auf einem Schreibtisch neben einem Laptop mit Cybersicherheitscode, der digitalen Asset-Diebstahl darstellt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine kritische Sicherheitslücke in Coldcard-Hardware-Wallets hat zum Diebstahl von rund 1.367 Bitcoin geführt – ein Schaden von fast 89 Millionen Euro. Betroffen sind tausende Nutzer weltweit, auch in Deutschland. Die Angriffswelle zeigt: Selbst vermeintlich sichere Offline-Wallets sind nicht mehr vor raffinierten Hackern gefeit.

Coldcard-Schwachstelle: Schwache Entropie seit 2021

Die Sicherheitsfirma Galaxy Research hat den Angriff analysiert. Demnach liegt die Ursache in einem Firmware-Fehler aus dem März 2021. Die betroffenen Geräte erzeugten ihre Seed-Phrasen mit unzureichender kryptografischer Zufälligkeit. Statt robuster Sicherheit griff die Zufallszahlengenerierung auf einen vorhersehbaren Software-Algorithmus zurück.

Der größte Einzelabfluss ereignete sich am 30. Juli 2026. Innerhalb von nur 41 Minuten bewegten die Angreifer 1.082,65 BTC – damals rund 70 Millionen Dollar – von 1.196 verschiedenen Adressen. Die Täter generierten auf eigener Hardware potenzielle Seeds und verglichen sie mit der Blockchain, um verwundbare Wallets zu identifizieren.

Der Hersteller Coinkite hat inzwischen Notfall-Updates für die betroffenen Modelle veröffentlicht: MK2, MK3, MK4, MK5 und die Q-Serie. Der CEO entschuldigte sich öffentlich für den Fehler. Sicherheitsexperten raten betroffenen Nutzern dringend, ihre Gelder auf frisch generierte Seed-Phrasen zu übertragen.

Angriffe auf Lieferketten: Adform und Arch Linux betroffen

Ende Juli traf ein Supply-Chain-Angriff den Werbetechnologie-Anbieter Adform. Am 27. Juli 2026 wurde Schadcode in die JavaScript-Datei „trackpoint-async.js" injiziert. Dadurch konnten Angreifer Bitcoin-, Ethereum- und Tron-Adressen in den Browsern von Website-Besuchern austauschen. Sicherheitsforscher bemerkten die Aktivität bereits eine Woche vor der offiziellen Entdeckung durch das Unternehmen. Adform empfiehlt Nutzern, Browser-Caches zu leeren und Transaktionsadressen manuell zu überprüfen.

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Auch das Arch Linux User Repository (AUR) musste reagieren: Am 1. August 2026 wurden Paket-Einreichungen ausgesetzt, nachdem im Paket „openconnect-sso" Schadcode entdeckt worden war. Zwischen dem 29. Juli und dem 1. August enthielt das kompromittierte Paket einen Infostealer und einen Linux-Loader. Nutzer, die das Paket in diesem Zeitraum installiert haben, sollten ihre Systeme isolieren und alle Zugangsdaten rotieren lassen.

Clipper-Malware und Social Engineering: Die neue Bedrohung

Microsoft Threat Intelligence warnt vor „CryptoBandits.A" – einer USB-basierten Clipper-Malware, die seit Anfang 2026 aktiv ist. Die Schadsoftware überwacht die Zwischenablage und ersetzt legitime Kryptoadressen durch solche der Angreifer. Zusätzlich macht sie alle zehn Sekunden Screenshots und installiert Tor für die Hintergrundkommunikation.

Die Angriffsmethoden werden immer vielfältiger:

  • Gaming-Malware: In Florida wurde ein 21-Jähriger festgenommen, der über 220.000 Dollar in Kryptowährung gestohlen haben soll. Er infizierte Steam-Spiele mit Malware, die private Schlüssel von rund 8.000 Geräten extrahierte.
  • macOS-Exploits: Der Atomic macOS Stealer (AMOS) tauchte im Juli 2026 in einer „ClickFix"-Kampagne wieder auf. Diese Masche bringt Nutzer dazu, schädliche Terminal-Befehle einzugeben, um angebliche Browserfehler zu beheben – mit fatalen Folgen für Schlüsselbunde und Krypto-Wallets.
  • Messaging-Scams: Eine VBScript-basierte Kampagne auf WhatsApp verbreitet schädliche Dokumente, die als Finanzdateien getarnt sind. Sie installieren Remote-Access-Tools – betroffen sind Länder wie Indien, Brasilien und Malaysia.
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Kritische Infrastruktur: Angreifer nutzen Schwachstellen aktiv aus

Im weiteren Sicherheitsumfeld veröffentlichte N-able am 2. August 2026 einen Notfall-Hotfix für kritische Schwachstellen in der N-central-Plattform. Die Fehler, bekannt als CVE-2026-18556 und CVE-2026-18577, erlauben nicht authentifizierten Angreifern den Zugriff mit Administratorrechten. Die Sicherheitsfirma Huntress meldete, dass über 55 Prozent der überwachten Server bis zum 3. August ungepatcht blieben – während Angreifer die Lücke bereits nutzten, um Cloudflare-Tunnel zu deployen und durch Unternehmensnetzwerke zu navigieren.

Die aktuellen Vorfälle sind Teil eines größeren Trends. Phishing- und Wallet-Draining-Exploits erbeuteten in der ersten Jahreshälfte 2026 mehr als 1,1 Milliarden Dollar von Nutzern. Sicherheitsfirmen wie Scam Sniffer weisen zudem auf die Gefahr von Address-Poisoning-Angriffen hin: Dabei senden Betrüger kleine Kryptobeträge von einer Vanity-Adresse, die einer legitimen Adresse zum Verwechseln ähnlich sieht. Ein solcher Einzelfall führte kürzlich zum Verlust von 12,25 Millionen Dollar in Ethereum.

Die jüngsten Vorfälle dürften die Diskussion über die Sicherheit von Krypto-Verwahrung weiter anheizen. Für deutsche Anleger gilt: Wer Hardware-Wallets nutzt, sollte Firmware-Updates zeitnah einspielen und bei Verdacht sofort handeln.

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