Cohere erhält bis zu 7 Milliarden kanadische Dollar von Schwarz
Veröffentlicht am: 29.10.2026 um 17:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWSCohere stärkt Standorte und Cloudstrategie
- Die Series-E-Runde soll bis zu 7 Milliarden kanadische Dollar umfassen.
- Cohere wird mit rund 35,7 Milliarden kanadischen Dollar bewertet.
- Der Aleph-Alpha-Standort Heidelberg bleibt als Forschungs- und Entwicklungszentrum bestehen.
Cohere erhält Milliardenkapital für globale Expansion
Das kanadisch-deutsche KI-Unternehmen Cohere hat eine Finanzierungsrunde abgeschlossen, die als größte private Kapitalaufnahme in der Geschichte der kanadischen Technologiebranche gilt. In der Series-E-Runde strebt Cohere ein Volumen von bis zu 7 Milliarden kanadischen Dollar an, umgerechnet rund 4,7 Milliarden Euro.
Schwarz-Gruppe führt Investoren an
Die Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland führt die Finanzierungsrunde an und baut damit ihre Position als bedeutender Investor in europäische KI- und Cloud-Infrastruktur aus. Zu den weiteren Kapitalgebern zählen die kanadische Regierung und bestehende Investoren wie Nvidia.
Die Bewertung von Cohere liegt nach Unternehmensangaben bei rund 35,7 Milliarden kanadischen Dollar, etwa 23,9 Milliarden Euro. Das Unternehmen will mit dem frischen Kapital seine Modellentwicklung, die Infrastruktur und die globale Expansion ausbauen.
Aleph Alpha stärkt europäische Präsenz
Bereits vor der Finanzierungsrunde hatte Cohere seine Position durch strategische Zukäufe erweitert. Dazu zählt der Zusammenschluss mit dem Heidelberger KI-Spezialisten Aleph Alpha, der europäische Forschung und Erklärbarkeit mit der internationalen Skalierung von Cohere verbinden soll.
De facto handelt es sich bei der transatlantischen Fusion um eine Übernahme von Aleph Alpha durch Cohere. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger (CDU) hatte dazu gesagt: „Es wird ein globaler KI-Champion entstehen“.
Cohere unterhält neben Toronto auch einen Hauptsitz in Berlin. Der bisherige Aleph-Alpha-Sitz in Heidelberg wird als zentraler Forschungs- und Entwicklungsstandort weitergeführt.
Souveräne KI für Unternehmen und Regierungen
Cohere ist auf sogenannte Sovereign AI spezialisiert. Anders als Anbieter wie OpenAI oder Anthropic, die stark auf Privatkunden setzen, konzentriert sich das Unternehmen auf Unternehmenskunden und Regierungen.
Die Technologie kann in privaten Clouds, auf eigener Infrastruktur oder in vollständig isolierten Umgebungen betrieben werden. Das soll Kunden in hochregulierten Branchen ermöglichen, ihre Daten stärker zu kontrollieren und Datenschutzvorgaben einzuhalten.
STACKIT soll Cohere-Modelle integrieren
Für die Schwarz-Gruppe ist die Beteiligung Teil ihrer Digitalstrategie. Christian Müller, CEO der IT-Sparte Schwarz Digits, sagte, bei digitaler Souveränität gehe es um strategische Wahlfreiheit, Interoperabilität und die Kontrolle über die eigenen Daten.
Die KI-Modelle von Cohere sollen direkt in der STACKIT-Cloud-Infrastruktur der Schwarz-Gruppe verankert werden. Cohere-Chef und Mitgründer Aidan Gomez sagte, das Kapital sei ein Signal an Talente und unterstreiche den Anspruch, weltweit auf höchstem Niveau zu konkurrieren.
Hohe Bewertung erhöht Wachstumsdruck
Die Finanzierungsrunde folgt auf eine Phase strategischer Expansion. Branchenbeobachter sehen in dem Schritt zudem eine mögliche Vorbereitung auf einen Börsengang, der Cohere zusätzliche Mittel für die Festigung seiner Marktposition verschaffen könnte.
Die Finanzierungsrunde ordnet Cohere in den internationalen Wettbewerb um leistungsfähige KI-Systeme ein. Das Unternehmen verfolgt dabei ein anderes Geschäftsmodell als Anbieter, die stark auf frei zugängliche Anwendungen für Privatnutzer setzen: Cohere konzentriert sich auf Unternehmen und Regierungen, bei denen Datenschutz, Kontrollierbarkeit und der Betrieb in eigenen oder abgeschotteten Umgebungen eine zentrale Rolle spielen.
Für Europa ist die Verbindung mit Aleph Alpha strategisch bedeutsam, weil sie Forschung und Geschäftsmodelle aus Kanada und Deutschland enger zusammenführt. Der Standort Heidelberg bleibt als Forschungs- und Entwicklungszentrum erhalten, während Berlin neben Toronto als wichtiger Unternehmensstandort fungiert. Damit verbindet Cohere globale Skalierungsambitionen mit einem europäischen Schwerpunkt bei souveräner KI.
Kapital für Infrastruktur und Wachstum
Die Beteiligung der Schwarz-Gruppe passt zu deren Aufbau eigener digitaler Infrastruktur. Die geplante Einbindung der Cohere-Modelle in STACKIT kann dem Handelskonzern zusätzliche Kontrolle über Datenverarbeitung und Cloudbetrieb verschaffen und zugleich die Nachfrage nach der eigenen Cloud stärken.
Das Kapital soll in Modellentwicklung, Recheninfrastruktur und internationale Expansion fließen. Für Unternehmenskunden dürfte entscheidend sein, ob Cohere seine Modelle zuverlässig in unterschiedlichen technischen Umgebungen betreiben kann und ob die Systeme im Wettbewerb mit größeren Anbietern technologisch mithalten. Die hohe Bewertung erhöht dabei den Druck, Wachstum und belastbare Geschäftserträge nachzuweisen.
