Cloud-Unabhängigkeit: EU stellt Gesetzespaket gegen 70% US-Marktanteil vor
01.06.2026 - 22:31:32 | boerse-global.de
Am 3. Juni 2026 stellt die Kommission ein umfassendes Gesetzespaket vor, das europäische Technologien in kritischen Bereichen wie Banken, Energie und Gesundheitswesen priorisieren soll.
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Neues Gesetz schränkt US-Konzerne bei öffentlichen Aufträgen ein
Im Zentrum der Initiative steht der Cloud and AI Development Act. Das Gesetz soll strenge Kriterien für Cloud-Dienste in sensiblen öffentlichen Sektoren festlegen. Konkret könnten US-Anbieter wie Amazon, Microsoft oder Google von staatlichen Ausschreibungen ausgeschlossen werden, wenn sie bestimmte Souveränitätskriterien nicht erfüllen.
Hintergrund ist der US-amerikanische CLOUD Act. Dieses Gesetz erlaubt US-Behörden den Zugriff auf Daten, die von amerikanischen Unternehmen gespeichert werden – unabhängig vom Standort der Server. Für europäische Regierungen ein wachsendes Risiko, wenn es um sensible Bürgerdaten geht.
Die Marktdominanz der US-Konzerne ist enorm: Zwischen 65 und 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes entfallen auf amerikanische Anbieter. Die EU-Kommission schlägt daher vor, dass Regierungen künftig Souveränitätsrisikobewertungen durchführen müssen, bevor sie ausländische Technologie einsetzen.
Das Gesetz muss noch von allen 27 EU-Mitgliedstaaten und dem Europaparlament verabschiedet werden.
Euro-Office: Open-Source-Alternative zu Microsoft und Google
Parallel zum Gesetzespaket kommt eine konkrete Produktoffensive. Am 9. Juni 2026 startet Euro-Office – eine Open-Source-Bürosoftware, die als direkte Konkurrenz zu Microsoft 365 und Google Workspace antritt.
Entwickelt wurde die Suite von einem europäischen Konsortium aus IONOS, Nextcloud und XWiki. Euro-Office basiert auf OnlyOffice und unterstützt die gängigen Formate DOCX, PPTX und XLSX. Die erste Version läuft webbasiert und konzentriert sich auf Echtzeit-Zusammenarbeit bei Textdokumenten, Tabellenkalkulationen und Präsentationen.
Für den Sommer 2026 sind dedizierte Desktop- und Mobile-Apps angekündigt. Ein früherer Lizenzstreit mit OnlyOffice sei inzwischen beigelegt, teilte Nextcloud mit.
Proton Mail öffnet Brücke zu Gmail
Ebenfalls am 1. Juni 2026 startete Proton Mail Connect. Der Schweizer Anbieter ermöglicht Nutzern erstmals, ihre bestehenden Gmail-Konten mit der verschlüsselten Proton-Plattform zu synchronisieren. Ziel ist ein schrittweiser Umstieg: Nutzer sollen ihre Kommunikation sichern können, ohne dass Daten für Werbung oder KI-Training freigegeben werden.
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Wirtschaft fordert „Bauen und kaufen in Europa“
Die Initiative kommt nicht von ungefähr. Mehr als 100 Startup-Gründer – darunter Vertreter von Revolut, Wayve, ElevenLabs und Mistral AI – haben sich der Kampagne „Built in Europe“ angeschlossen, die von der Risikokapitalgesellschaft Balderton Capital initiiert wurde.
Die Zahlen untermauern den Vorstoß: Der europäische Technologiesektor wird auf rund 6,7 Billionen Euro geschätzt – das entspricht 15 Prozent der regionalen Wirtschaftsleistung. Ein Wert, der zeigt, dass Europa durchaus eigene Schwergewichte hervorbringt.
13 europäische Cloud-Anbieter, darunter OVHcloud und Nextcloud, haben zudem einen offenen Brief unterzeichnet. Sie fordern einen klaren „Build European, Buy European“-Ansatz bei öffentlichen Ausschreibungen, insbesondere in den Bereichen Verteidigung und Verwaltung.
Kritik an deutschen Sicherheitsstandards
Doch nicht alle Rahmenbedingungen stoßen auf Zustimmung. Der Cloud-Industrieverband CISPE übt scharfe Kritik am C3A-Framework des deutschen Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Die aktuellen Kriterien seien zu lasch: US-Hyperscaler könnten weiterhin als Subunternehmer auftreten, ohne ausreichende europäische Kontrolle oder Interoperabilitätsanforderungen.
Das BSI konterte: Souveränität dürfe nicht mit kompletter Isolation gleichgesetzt werden. Ein Spagat, der die Debatte in den kommenden Monaten prägen dürfte.
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