Cloud-Regulierung: EU stellt AWS und Azure als Gatekeeper unter DMA
21.06.2026 - 22:54:56 | boerse-global.de
Die EU-Kommission will Amazon Web Services und Microsoft Azure ab Juni 2026 als sogenannte Gatekeeper unter das Gesetz über digitale Märkte (DMA) stellen. Das kündigte die Brüsseler Behörde für die kommende Woche an. Es wäre der erste Vorstoß der EU, den milliardenschweren Cloud-Markt strenger zu regulieren.
Marktmacht der US-Hyperscaler wächst
Die Entscheidung kommt nicht überraschend. Bereits im ersten Quartal 2026 kontrollierten AWS und Azure gemeinsam über 65 Prozent des europäischen Cloud-Marktes. Genau diese Dominanz will die EU nun aufbrechen. Im Fokus stehen vor allem hohe Egress-Gebühren – die Kosten, die Kunden zahlen müssen, wenn sie ihre Daten aus der Cloud eines Anbieters abziehen wollen. Bei AWS liegen diese Gebühren bei umgerechnet rund acht Cent pro Gigabyte, bei Azure bei knapp acht Cent.
Der wachsende regulatorische Druck zeigt, wie wichtig die Einhaltung neuer Standards für Unternehmen ist. Dieser kostenlose Download verschafft Ihnen den Überblick über Fristen und Pflichten, den Ihre Rechts- und IT-Abteilung jetzt dringend braucht. EU AI Act in 5 Schritten verstehen
Unter dem DMA wären die Konzerne gezwungen, ihre Preisstrukturen grundlegend zu überarbeiten. Branchenexperten rechnen damit, dass die Datenportabilität künftig kostenlos sein könnte. Hinzu kommen Auflagen zur Interoperabilität zwischen verschiedenen Cloud-Diensten. Auch Selbstbegünstigung – etwa durch Vorzugsbehandlung eigener Dienste – wäre dann verboten.
Eine endgültige Entscheidung über die Einstufung wird für Ende 2026 erwartet. Die praktische Durchsetzung der neuen Regeln könnte allerdings erst Mitte 2027 oder 2028 beginnen.
Ausfälle als Weckruf für Europa
Der regulatorische Druck auf die US-Cloudriesen hat sich nach massiven Serviceausfällen verschärft. Im Oktober 2025 fiel AWS für 15 Stunden aus, Azure für neun Stunden. Für viele europäische Unternehmen und Behörden war das ein Weckruf. Die Abhängigkeit von US-Anbietern wurde schlagartig als Risiko sichtbar.
Die neue Cloud-Regulierung ist Teil eines größeren Pakets zur europäischen Technologiesouveränität, das die EU-Kommission Anfang Juni 2024 vorgestellt hat. Kernstück ist der „Cloud and AI Development Act“. Das Gesetz sieht vor, die Kapazität europäischer Rechenzentren in den nächsten fünf bis sieben Jahren zu verdreifachen. Ziel: weniger Abhängigkeit von den USA und China.
Öffentliche Aufträge gehen zunehmend an Europäer
Der Wandel ist bereits im öffentlichen Beschaffungswesen sichtbar. EU-Mitgliedstaaten vergeben Cloud-Aufträge immer häufiger an europäische Anbieter. Ein aktuelles Beispiel: ein 180 Millionen Euro schwerer Cloud-Vertrag, der vollständig an europäische Firmen ging.
Während Behörden zunehmend auf Linux-basierte Systeme setzen, können auch Privatanwender und Unternehmen diesen stabilen Weg ohne Lizenzkosten testen. Das kostenlose Startpaket zeigt Ihnen Schritt für Schritt, wie Sie Ubuntu parallel zu Windows installieren – ganz ohne Risiko. Kostenloses Linux-Startpaket jetzt anfordern
Frankreich geht noch einen Schritt weiter. Die Regierung hat begonnen, 2,5 Millionen Verwaltungsarbeitsplätze von Windows auf Linux-basierte Systeme umzustellen. Auch die deutschen und französischen Geheimdienste haben reagiert: Sie ersetzen Software des US-Anbieters Palantir durch Lösungen des europäischen Konkurrenten ChapsVision.
KI-Infrastruktur: EU plant eigene Gigafabriken
Parallel zur Cloud-Regulierung treibt die EU den Aufbau eigener KI-Infrastruktur voran. Die ursprüngliche Planung von fünf großen KI-„Gigafabriken“ wurde überarbeitet. Künftig soll es ein zweistufiges Modell geben: vier kleinere und drei größere Einrichtungen. Der Bau der ersten Anlage ist für 2027 geplant.
Die Botschaft aus Brüssel ist klar: Europa will bei Cloud und Künstlicher Intelligenz nicht länger nur Zuschauer sein. Die neuen Regeln könnten den Milliardenmarkt grundlegend verändern – und europäischen Anbietern endlich eine echte Chance geben.
