Cloud-Markt, US-Kontrolle

Cloud-Markt: 70 Prozent unter US-Kontrolle – EU plant Gegenwehr

Veröffentlicht: 12.07.2026 um 10:41 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Ein deutsch-französisches Papier fordert EU-Sitze für kritische Infrastruktur und weniger Abhängigkeit von US-Tech-Konzernen.

EU-Cloud-Strategie: Frankreich und Deutschland fordern digitale Unabhängigkeit
Digitale Illustration von Eiffelturm und Brandenburger Tor, verbunden durch Datenlinien über EU-Karte, symbolisiert den deutsch-französischen Digitalpakt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die beiden größten EU-Volkswirtschaften legen ein gemeinsames Papier vor, das die digitale Abhängigkeit von US-Konzernen beenden soll. Kernforderung: Holdinggesellschaften für kritische Infrastruktur müssen ihren Sitz in der EU haben.

Die wirtschaftliche Schieflage

Die Zahlen sind alarmierend: Rund 70 Prozent des EU-Cloud-Marktes entfallen auf US-Anbieter wie Amazon Web Services, Microsoft und Google. Die Folge: Jährlich fließen schätzungsweise 264 Milliarden Euro in die USA – das entspricht 1,5 Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung der Europäischen Union.

Fast 80 Prozent der digitalen Technologien, die in der EU zum Einsatz kommen, werden importiert. Das deutsch-französische Positionspapier zeigt einen Ausweg: Würde die EU nur 15 Prozent dieses Marktes zurückgewinnen, könnten bis 2035 rund 500.000 neue Arbeitsplätze entstehen.

Regulatorischer Rückenwind

Das Papier ist Teil des EU Tech Sovereignty Package, das die Kommission bereits am 3. Juni 2026 vorgelegt hat. Es umfasst vier Kernbereiche: Halbleiter, Cloud-Computing, Künstliche Intelligenz und Open-Source-Software.

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Erst am 10. Juli startete die EU-Kommission eine Konsultation zur Datensouveränität – Unternehmen und Mitgliedstaaten können bis zum 8. September Rückmeldung geben. Parallel dazu wurde am 8. Juli der AI Digital Omnibus unterzeichnet. Das Gesetz setzt neue Fristen: Hochrisiko-KI-Systeme müssen bis Dezember 2027 konform sein, eingebettete Systeme bis August 2028.

Europäische Unternehmen ziehen mit

Die Industrie reagiert bereits. Der Sicherheitsspezialist Bitdefender startete am 10. Juli ein Programm, das Kundendaten garantiert in der EU belässt und Vertragsausstiege für Unternehmen finanziert, die von Nicht-EU-Anbietern wechseln wollen. Am selben Tag präsentierten Scality und OVHcloud eine gemeinsame souveräne Cloud-Speicherplattform für KI-Workloads – konform mit der DSGVO und der Digital Operational Resilience Act (DORA).

Auch die Schwarz-Gruppe, Mutterkonzern von Lidl, baut ihre digitale Präsenz massiv aus. Am 21. Juli eröffnet der Schwarz Digits Campus in Bad Friedrichshall. Die Tochter, die 2,2 Milliarden Euro Umsatz erzielt, investiert zudem elf Milliarden Euro in ein Rechenzentrum im Spreewald. Zu den Kunden zählen bereits deutsche Bundesministerien und die niederländische Regierung.

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Sicherheit aus dem All

Die digitale Souveränität erstreckt sich längst ins Weltall. Acht Nato-Mitglieder – ohne Großbritannien – haben die Satelliten-Konstellation HALO gestartet, eine europäische Alternative zu SpaceX' Starshield. Deutschland führt zudem eine regionale Raumfahrtkommando-Initiative mit Österreich, der Schweiz und Luxemburg an.

Finanzielle Flankierung

Die Europäische Investitionsbank hat die zweite Phase der European Tech Champions Initiative (ETCI 2.0) eingeleitet. Alle 27 EU-Mitgliedstaaten beteiligen sich an dem Programm, das die Finanzierungslücke für europäische Scale-ups schließen soll. Ziel ist ein eigenes Ökosystem, das mit den globalen Tech-Giganten mithalten kann.

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