Cloud-Kluft: 91% wollen europäische Anbieter, nur 53% nutzen sie
17.06.2026 - 18:12:14 | boerse-global.de
Das zeigt der Bitkom Cloud Report 2026, der heute veröffentlicht wurde. Im Vorjahr lag der Wert noch bei 78 Prozent.
Zwischen Wunsch und Wirklichkeit
Die Kluft zwischen Präferenz und Realität wird immer größer. Zwar geben 91 Prozent der befragten Firmen an, lieber heimische Cloud-Anbieter nutzen zu wollen – doch nur 53 Prozent tun dies tatsächlich. Umgekehrt setzen 71 Prozent der Unternehmen US-Clouddienste ein, obwohl lediglich 8 Prozent diese bevorzugen.
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Für die Studie befragte der Digitalverband Bitkom zwischen April und Mai 2026 insgesamt 603 Unternehmen mit mindestens 20 Mitarbeitern. Die Ergebnisse zeigen einen deutlichen Trend: Geopolitische Sorgen treiben die Unternehmen um, nicht technische Leistungsunterschiede.
64 Prozent der Firmen fühlen sich durch politische Entwicklungen in den USA unter Druck gesetzt, ihre Infrastruktur zu überdenken. Vor einem Jahr waren es noch 50 Prozent. Besonders bemerkenswert: 37 Prozent der Befragten würden technische Nachteile in Kauf nehmen, um mehr digitale Souveränität zu gewinnen – ein deutlicher Anstieg gegenüber 27 Prozent im Vorjahr. Konkret würden 25 Prozent längere Wartezeiten bei der Service-Implementierung akzeptieren, zwölf Prozent sogar Preissteigerungen von zehn bis 20 Prozent für europäische Alternativen.
US-Exportkontrollen verschärfen Risikobewusstsein
Die Debatte um digitale Autonomie erhielt neue Nahrung durch jüngste Beschränkungen bei Hochtechnologie. Erst am 15. Juni 2026 wurde bekannt, dass der Zugang zu bestimmten KI-Modellen wie Mythos 5 und Fable 5 für ausländische Nutzer auf großen US-Cloud-Plattformen eingeschränkt wurde.
Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst warnte am Dienstag: Solche Maßnahmen zeigten, wie verwundbar europäische Industrie, Verwaltung und Wissenschaft gegenüber Entscheidungen der US-Regierung blieben. Die Abhängigkeit von ausländischen Anbietern bei kritischen Daten- und KI-Infrastrukturen stelle ein erhebliches Risiko für die digitale Wirtschaft des Kontinents dar.
Eine separate Analyse des Anbieters Proton vom 16. Juni 2026 untermauert diese Erkenntnisse: Über 74 Prozent der börsennotierten europäischen Unternehmen sind auf US-Cloudriesen wie Google und Microsoft angewiesen. US-Anbieter kontrollieren mehr als 70 Prozent des europäischen Cloud-Marktes, während europäische Anbieter weniger als 15 Prozent halten.
Politische Gegenbewegung in Europa
Anzeige: 37 Prozent der Unternehmen würden technische Nachteile in Kauf nehmen, um digitale Souveränität zu gewinnen. Doch der Weg zu europäischen Clouds ist steinig: 43 Prozent sehen keine gleichwertigen Alternativen. Dieser Leitfaden zeigt, welche europäischen Anbieter technisch mithalten und wie Sie den Wechsel ohne Produktivitätseinbußen schaffen. Europäische Cloud-Alternativen jetzt prüfen
Deutschland und Frankreich nutzten die heutige VivaTech-Konferenz, um eine gemeinsame Definition digitaler Souveränität vorzustellen. Das Rahmenwerk umfasst sechs Dimensionen, darunter Rechtsdurchsetzung, Datenschutz und Infrastruktur-Resilienz. Ziel ist es, europäische Lösungen durch Open-Source-Technologie, modulare Architekturen und den Aufbau eigener KI- und Cloud-Kapazitäten zu stärken.
Doch der Weg zu mehr Unabhängigkeit ist steinig: 43 Prozent der deutschen Unternehmen sehen nach wie vor keine gleichwertigen europäischen Alternativen zu den großen US-„Hyperscalern“. Branchenanalysten von Capgemini beziffern die Mehrkosten bei einem Wechsel zu europäischen Cloud-Alternativen auf bis zu 40 Prozent.
Trotz aller Souveränitätsbedenken schreitet die Cloud-Nutzung weiter voran. 86 Prozent der deutschen Firmen setzen bereits Cloud-Dienste ein, 47 Prozent aller IT-Anwendungen laufen cloudbasiert – ein Wert, der laut Bitkom-Prognose in den nächsten fünf Jahren auf 58 Prozent steigen soll. 80 Prozent der befragten Unternehmen fordern daher den Aufbau deutscher oder europäischer Hyperscaler, die mit den US-Wettbewerbern in Größe und Leistungsumfang mithalten können.
