Cloud-Angriffe eskalieren: 72 Phishing-Seiten in fünf Wochen
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 12:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Deutsche Sicherheitsbehörden melden Erfolge gegen internationale Betrugsnetzwerke. Doch parallel warnen IT-Experten vor immer professionelleren Angriffsmethoden.
Festnahmen nach Schockanruf-Serie
Zwei 39-jährige Männer aus Offenbach sind nach ihrer Festnahme in Bukarest nach Deutschland ausgeliefert worden. Am heutigen Samstag führte sie ein Ermittlungsrichter in Hanau dem Haftrichter vor. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen banden- und gewerbsmäßigen Betrug vor.
Die Ermittlungen drehen sich um eine Serie von Schockanrufen, die Mitte Februar von Spanien aus gestartet war. Die Täter riefen gezielt Opfer in Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz an. Ein weiterer Komplize aus Hanau sitzt bereits seit Mai in Untersuchungshaft.
Vishing: Angriffe auf die Cloud-Infrastruktur
Während die Polizei klassischen Telefonbetrug bekämpft, eskalieren parallel die Angriffe auf Unternehmen. Die Gruppe UNC6671 hat sich auf Vishing spezialisiert – also Phishing per Sprachanruf. Die Täter kontaktieren Mitarbeiter auf deren Privathandys und geben sich als IT-Helpdesk aus. Ihr Ziel: Zugriff auf sensible Cloud-Daten.
Die Angreifer setzen laut Google Threat Intelligence auf gefälschte Anmeldeseiten für Microsoft Entra und Okta. Damit stehlen sie Sitzungsdaten und knacken sogar die Mehrfaktor-Authentifizierung. Die Zahlen sind beeindruckend: In nur fünf Wochen tauchten 72 bösartige Websites auf, im Schnitt alle 1,6 Tage eine neue Root-Domain. Seit Januar verzeichneten Ermittler auf 18 Bitcoin-Wallets der Gruppe Transaktionen über 141,65 BTC – umgerechnet rund 11 Millionen US-Dollar.
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Internationaler Schlag gegen Phishing-Infrastruktur
Ende Juli gelang der Staatsanwaltschaft Frankfurt und dem BKA ein wichtiger Erfolg. Sie nahmen über 200 Server des Phishing-Kits „Kratos“ vom Netz. Das auch als SneakyLog bekannte Werkzeug wurde monatlich für schätzungsweise 15.000 Kampagnen gegen Microsoft-365-Nutzer eingesetzt.
Doch der Takedown hat einen Haken: Rund 1.800 Abonnenten verfügen weiterhin über Kopien des Codes. Die Gefahr bleibt also bestehen.
Indien meldet derweil Erfolge gegen den sogenannten Boss-Betrug. Dabei verschicken Täter manipulierte ZIP-Dateien über WhatsApp, um Sitzungen zu kapern. Eine Präventionskampagne mit 58.000 Warn-SMS rettete laut offiziellen Angaben rund 10.000 Bürger vor finanziellem Schaden. In Malaysia schlug die Masche trotzdem zu: Eine Angestellte verlor umgerechnet rund 970.000 Ringgit.
Öffentliche WLANs als Sicherheitsrisiko
Microsoft warnt zudem vor einer neuen Gefahr in öffentlichen Netzwerken. Die als Storm-2945 bekannte Gruppe nutzt manipulierte DNS-Anfragen an Flughäfen und Hotels. Nutzer landen dabei unbemerkt auf Phishing-Seiten, die OAuth-Codes und Zugangsdaten abgreifen. Die Aktivitäten nehmen seit Mai spürbar zu.
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Experten raten zu Phishing-resistenten Authentifizierungsmethoden wie FIDO2 oder WebAuthn. In öffentlichen Netzwerken sollte zudem konsequent ein VPN zum Einsatz kommen. Die Zahlen zeigen, wie dringend der Bedarf ist: Allein im Januar wurden Kryptowerte im Wert von über 400 Millionen US-Dollar gestohlen – rund 70 Prozent der Taten liefen über Phishing.
