ClearFake-Malware: Angreifer nutzen Blockchain für unangreifbare Befehle
29.05.2026 - 05:04:40 | boerse-global.de
Die Angreifer verstecken ihre Steuerungsbefehle jetzt in Smart Contracts auf der Binance Smart Chain – und machen sich damit nahezu unangreifbar.
Angriff aus der Blockchain
Die Analyse des Sicherheitsunternehmens Trend Micro vom 28. Mai 2026 zeigt: Die Täter setzen auf eine Methode namens „EtherHiding“. Statt herkömmlicher Kommando-Server, die von Behörden leicht abgeschaltet werden können, nutzen sie das Testnetz der Binance Smart Chain (BSC). Die Schadensbefehle liegen direkt in Smart Contracts – verteilt auf tausende dezentrale Knoten. Löschen oder blockieren? Fehlanzeige.
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Die Forscher identifizierten vier verschiedene Smart Contracts (A bis D), die von einer einzigen Wallet gesteuert werden. Jeder übernimmt eine spezifische Aufgabe:
- Contract A (Dispatcher): Steuert die erste Infektionsphase
- Contract B (Windows ClickFix): Kümmert sich um die Social-Engineering-Attacke für Windows-Nutzer
- Contract C (macOS Payload): Liefert Schadcode für Apple-Rechner
- Contract D (Tracker): Verfolgt IP-Adressen der Opfer per Geodaten-API
Die Infrastruktur ist seit mindestens Mai 2025 aktiv. Ein Beleg für die erschreckende Langlebigkeit blockchain-basierter Angriffe.
Die Falle: Falsches reCAPTCHA
Der Infektionsweg beginnt auf kompromittierten Websites – häufig WordPress-Seiten. Auch Nutzer in der Schweiz waren zuletzt betroffen. Besucht ein Opfer die präparierte Seite, erscheint eine täuschend echte reCAPTCHA-Abfrage. Der sogenannte „ClickFix“-Trick.
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Bei Windows-Rechnern nutzt die Malware den WebClient-Dienst, um eine schädliche DLL zu laden. Dateien wie pythonw.exe und helper.py führen dann die eigentliche Schadsoftware aus. Auf dem Mac kommen curl-basierte Skripte zum Einsatz.
Die Angreifer setzen zwei Haupttypen von Datendieben ein:
- SectopRAT: Ein Trojaner für Fernzugriff, programmiert in .NET
- ACRStealer: Ein Hochleistungs-Datendieb in C++
Beide stehlen Zugangsdaten und Finanzinformationen vom infizierten Rechner.
So schützen Sie sich
Die Blockchain-Taktik macht klassische Netzwerkabwehr schwer. Doch es gibt einen Schwachpunkt: Die Malware nutzt öffentliche RPC-Knoten (Remote Procedure Call) zur Kommunikation. Konkret wurde der Knoten bsc-testnet-rpc.publicnode.com identifiziert.
Sicherheitsexperten empfehlen:
- JSON-RPC-Verkehr zu diesem Knoten blockieren
- WebClient-Dienst deaktivieren, wo nicht benötigt
- Zwischenablage-Zugriff einschränken
- Verhaltensanalyse-Tools einsetzen, die ungewöhnliche Ausführungsmuster erkennen
Die ClearFake-Kampagne fällt in eine phase erhöhter Risiken im digitalen Raum. Allein im April 2026 wurden über 650 Millionen Euro aus verschiedenen Protokollen abgezogen. Die Sicherheitsbranche warnt: Während Code-Lücken weiterhin ein Problem sind, bleiben Social Engineering und kompromittierte Schlüssel die Hauptwege für massive digitale Diebstähle.
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