Claude-Verifikation: Anthropic verlangt ab Juli Ausweisfotos
23.06.2026 - 11:36:23 | boerse-global.de
Der KI-Konzern Anthropic verlangt von bestimmten Nutzern künftig einen Identitätsnachweis – inklusive biometrischer Daten. Die Maßnahme betrifft jedoch nur einen kleinen Kreis von Konten.
Die aktualisierte Datenschutzrichtlinie, veröffentlicht am 17. Juni 2026, tritt am 8. Juli in Kraft. Betroffene Nutzer müssen dann einen gültigen Reisepass oder Führerschein sowie ein Selfie oder Video einreichen. Aus diesen Aufnahmen wird eine Gesichtsgeometrie-Vorlage erstellt – ein biometrischer Datensatz, der in Ländern wie Deutschland besonderen rechtlichen Schutz genießt.
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Wen die neue Regel trifft
Die Verifikationspflicht richtet sich ausschließlich gegen Nutzer, deren Konten wegen mutmaßlich betrügerischer Aktivitäten markiert wurden. Es handelt sich also um eine Art Berufungsverfahren für verdächtige Accounts, nicht um eine allgemeine Hürde für alle Claude-Anwender. Das bestätigten die Anthropic-Sprecher Michael Aciman und Thariq Shihipar.
Betroffen sind Nutzer der Tarife Free, Pro und Max. Wer Claude über Team- oder Enterprise-Pläne oder die API nutzt, bleibt vorerst von der Ausweispflicht verschont.
Drittanbieter verarbeiten sensible Daten
Für die Überprüfung setzt Anthropic auf zwei Partner: Persona aus San Francisco, unterstützt vom Risikokapitalgeber Founders Fund, übernimmt die Dokumenten- und Biometrieprüfung. Für reine Altersverifikationen kommt Yoti zum Einsatz. Anthropic bleibt zwar der Datenverantwortliche, die eigentliche Verarbeitung der sensiblen Informationen liegt jedoch bei diesen Dienstleistern.
Das wirft Fragen auf. Persona geriet bereits im Februar 2026 in die Schlagzeilen, als rund 2.500 Dateien auf einem staatlichen Endpunkt zugänglich waren. Branchenbeobachter weisen zudem darauf hin, dass biometrische Daten bis zu drei Jahre gespeichert werden können. Und: Regierungsbehörden könnten diese Daten bei den Drittanbietern anfordern.
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Hohe Strafen bei Verstößen
In US-Bundesstaaten wie Illinois drohen bei Verstößen gegen Biometrie-Gesetze Strafen von bis zu 5.000 US-Dollar pro Vorfall. Zum Vergleich: In Deutschland regelt die DSGVO den Umgang mit biometrischen Daten besonders streng – Unternehmen müssen hier mit empfindlichen Bußgeldern rechnen.
Politischer Druck als Auslöser
Die neuen Sicherheitsmaßnahmen kommen nicht von ungefähr. Das Verhältnis zwischen Anthropic und der US-Regierung ist angespannt. Bereits Anfang des Jahres stufte das Pentagon den KI-Konzern als Lieferkettenrisiko ein. Die Folge: Anthropic musste spezielle Cybersicherheitsmodelle wie Fable 5 und Mythos 5 vom Markt nehmen.
Erste Tests der Identitätsprüfung liefen bereits im April 2026. Die nun formalisierte Richtlinie reiht sich ein in einen globalen Trend zu strengeren Alters- und Identitätsnachweisen bei Online-Diensten.
Was Nutzer jetzt wissen müssen
Wer eine Verifikationsaufforderung erhält und nicht reagiert, riskiert den dauerhaften Verlust des Zugangs zu seinem Claude-Konto. Für die allermeisten Nutzer ändert sich vorerst nichts – die Ausweispflicht bleibt die Ausnahme, nicht die Regel.
