Claude überholt ChatGPT: Anthropic dominiert mit 34,4% bei US-Firmen
06.06.2026 - 00:08:10 | boerse-global.de
Der KI-Markt erlebt eine Zeitenwende: Anthropics Claude-Modell hat ChatGPT bei US-Firmen überholt. Das hat auch Folgen für deutsche Unternehmen.
Der neueste Ramp AI Index vom Mai 2026 zeigt einen klaren Trend: Unter mehr als 50.000 analysierten US-Unternehmen setzen 34,4 Prozent auf Claude von Anthropic, während OpenAI nur noch auf 32,3 Prozent kommt. Vor einem Jahr sah das Bild noch komplett anders aus. Anthropic hat seinen Marktanteil vervierfacht – OpenAI dagegen stagniert mit einem Mini-Wachstum von 0,3 Prozent.
Rund 16 Prozent der Firmen nutzen beide Modelle parallel. Doch bei neuen Projekten, besonders im Softwareentwicklungs- und Programmierbereich, fällt die Wahl immer häufiger auf Claude.
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Milliarden-Umsätze und Rekordbewertungen
Die Verschiebung spiegelt sich direkt in den Finanzkennzahlen wider. Anthropic erwirtschaftet annualisierte Umsätze von rund 47 Milliarden Euro – fast doppelt so viel wie OpenAI mit 25 Milliarden Euro. Beobachter staunen: Anthropics Einnahmen verdoppeln sich etwa alle sechs Wochen und übertreffen damit selbst die frühen Wachstumsraten großer Cloud-Anbieter.
Nach einer Series-H-Finanzierungsrunde über 65 Milliarden Euro wird Anthropic mit rund 965 Milliarden Euro bewertet. Das ist der höchste Wert, den je ein KI-Startup erreicht hat. OpenAI liegt mit 852 Milliarden Euro dahinter.
Ein entscheidender Meilenstein steht bevor: Anthropic soll bereits im zweiten Quartal 2026 seinen ersten profitablen Monat melden. OpenAI hingegen – so Schätzungen – könnte frühestens 2030 schwarze Zahlen schreiben.
Anfang der Woche reichte Anthropic zudem vertraulich die Börsenunterlagen (S-1) bei der US-Börsenaufsicht SEC ein. Auch OpenAI bereitet einen Börsengang vor.
Unternehmen bremsen KI-Kosten aus
Die erste Euphorie ist verflogen. Große Konzerne wie Walmart, Uber und Microsoft haben erkannt: Unbegrenzter KI-Zugang sprengt jedes Budget. Sie führen Token-basierte Kostenkontrollen und Nutzungslimits ein.
Walmart hat für seinen internen KI-Assistenten „Code Puppy" ein Token-System eingeführt. Bei Uber war die Nachfrage so hoch, dass das gesamte Jahresbudget für Claude Code innerhalb weniger Monate aufgebraucht war. Bei Microsoft mussten Tausende Entwickler angewiesen werden, bis Ende Juni von Claude Code auf interne Alternativen umzusteigen.
Der Trend zum sogenannten „Model Routing" gewinnt an Fahrt. Dabei werden Aufgaben automatisch dem günstigsten KI-Modell zugewiesen. Während Spitzenmodelle wie GPT-4 bis zu 55 Euro pro Million Tokens kosten, gibt es kleinere Modelle schon ab 0,37 Euro. Das setzt die Premium-Preise von Anthropic und OpenAI massiv unter Druck.
Ein unbestätigter Bericht eines KI-Beraters sorgt für Aufsehen: Ein Unternehmen soll angeblich eine monatliche Rechnung von 460 Millionen Euro erhalten haben – weil Mitarbeiter unbegrenzten und unkontrollierten Zugriff auf Claude hatten.
Rechenzentren im All: Anthropic setzt auf SpaceX
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Der immense Rechenbedarf zwingt die KI-Firmen zu ungewöhnlichen Schritten. Anthropic hat sich verpflichtet, in den nächsten fünf Jahren 185 Milliarden Euro für Google-Cloud-Dienste auszugeben.
Noch futuristischer: Eine strategische Partnerschaft mit SpaceX. Unter dem Namen „AI Orbitale" wollen die Unternehmen das Colossus-1-Rechenzentrum in Memphis nutzen und später Mini-Rechenzentren auf Satelliten installieren. Die ersten orbitalen Module sollen 2028 in Betrieb gehen – eine Lösung für die wachsenden Energie- und Kühlungsprobleme auf der Erde.
OpenAI wiederum wird 2026 voraussichtlich 46 Milliarden Euro für Rechenleistung ausgeben. Im Massenmarkt bleibt das Unternehmen aber unangefochten: Laut Sensor Tower erreichte ChatGPT im Mai 2026 eine Milliarde monatliche App-Nutzer – schneller als jede andere Anwendung zuvor.
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