Claude, Opus

Claude Opus 4.8: Anthropics KI gab sich als Alibaba-Modell aus

Veröffentlicht am: 22.07.2026 um 00:43 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Anthropics Claude gibt sich als chinesische KI aus, während ein Milliardenvergleich den Weg für den Börsengang ebnet.

Anthropic vor Börsengang: Peinliche Identitätskrise bei KI-Modell Claude
Nahaufnahme von leuchtenden Glasfaserkabeln eines Servers, die künstliche Intelligenz und Datenaustausch darstellen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der KI-Konzern Anthropic steckt in einer peinlichen Identitätskrise – und das ausgerechnet vor dem Börsengang.

Am Dienstag entdeckten Entwickler und Forscher auf Plattformen wie X, Reddit und V2EX ein merkwürdiges Phänomen: Das Spitzenmodell Claude Opus 4.8 gab sich bei chinesischsprachigen Interaktionen als Qwen AI von Alibaba aus. Screenshots der Begegnungen machten schnell die Runde.

Ein Fall von geistigem Diebstahl?

Der Vorfall wiegt umso schwerer, als Anthropic selbst im Juni dieses Jahres in einem Brief an das US-Senatsbankenkomitee schwere Vorwürfe gegen Alibaba erhoben hatte. Damals sprach das Unternehmen von einem groß angelegten Destillationsangriff: Rund 25.000 betrügerische Konten hätten zwischen April und Juni 2025 insgesamt 28,8 Millionen Anfragen an Claude generiert – angeblich um chinesische Modelle mit Anthropics Output zu trainieren.

Nun das Gegenteil: Claude selbst outet sich als Qwen. Die Ironie ist kaum zu übersehen. Weder Anthropic noch Alibaba haben sich bislang offiziell zu den jüngsten Identitätsproblemen geäußert.

Systematisches Muster?

Doch der Fall könnte größere Dimensionen haben. Eine statistische Analyse des Forschungsinstituts Redwood Research vom 19. Juli legt nahe, dass auch Moonshot AIs Modell Kimi K3 mit hoher Wahrscheinlichkeit von Anthropics Fable-Modell abstammt. Die sogenannte Cross-Entropy-Analyse deutet auf eine Destillation hin – also das Training eines Modells auf den Ergebnissen eines anderen.

Moonshot AI stand bereits zuvor im Verdacht, 3,4 Millionen Austausche mit Claude generiert zu haben. Dennoch bringen chinesische Firmen weiterhin leistungsstarke Modelle auf den Markt. DeepSeek V4 und GLM 5.2 sollen inzwischen mit US-Systemen gleichziehen. Moonshot AI hat die Open-Source-Veröffentlichung von Kimi K3 für den 27. Juli angekündigt.

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Milliarden-Deal ebnet Weg an die Börse

Während die technischen Pannen für Unruhe sorgen, hat Anthropic eine entscheidende rechtliche Hürde aus dem Weg geräumt. Ein US-Bundesrichter genehmigte am Dienstag einen Vergleich über 1,5 Milliarden Euro zwischen Anthropic und einer Gruppe von Autoren. Diese hatten geklagt, weil das Unternehmen urheberrechtlich geschützte Bücher – darunter auch Raubkopien – zum Training seiner KI-Modelle verwendet hatte.

Anthropic muss die illegalen Datensätze innerhalb von 30 Tagen vernichten. Berechtigte Rechteinhaber sollen rund 2.800 Euro pro Werk erhalten. Der Richter stellte klar: Training auf legal erworbenem Material könne als „Fair Use" durchgehen, die Nutzung von Raubkopien sei jedoch eine Urheberrechtsverletzung. Der Vergleich deckt nur vergangene Aktivitäten ab – künftige Klagen wegen KI-generierter Inhalte sind nicht ausgeschlossen.

Börsengang rückt näher

Branchenbeobachter sehen in der Einigung einen entscheidenden Schritt für Anthropics Gang an die Börse. Das Unternehmen hatte im Juni vertraulich einen Börsengang angemeldet – die angestrebte Bewertung liegt bei umgerechnet rund 900 Milliarden Euro.

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Die Vergleichssumme entspricht etwa 3,4 Prozent des annualisierten Umsatzes von geschätzt 41 Milliarden Euro. Zwar ist das größte rechtliche Risiko damit ausgeräumt, doch die regulatorische Unsicherheit bleibt: Daten-Transparenz und die Einhaltung von Sicherheitsverordnungen der US-Regierung stehen weiter im Fokus der Behörden.

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