Claude Fable 5: Microsoft sperrt KI-Modell wegen Datenschutz
11.06.2026 - 11:37:10 | boerse-global.de
Microsoft hat seinen Mitarbeitern den Zugriff auf das brandneue KI-Modell Claude Fable 5 des Startups Anthropic untersagt. Der Grund: Bedenken über die Datenaufbewahrungspolitik des Anbieters. Während externe Kunden den Dienst weiterhin nutzen können, prüfen Microsofts Juristen derzeit, ob interne Anwendungen ein Sicherheitsrisiko darstellen.
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Streit um Datenspeicherung
Das Problem liegt in den abweichenden Datenschutzstandards. Anders als andere Claude-Modelle, die Microsoft-Mitarbeitern unter strengen Zero Data Retention-Vereinbarungen (ZDR) zur Verfügung stehen, speichert Fable 5 sämtliche Eingaben und Ausgaben für 30 Tage. Diese Daten dienen den Sicherheitsklassifikatoren des Systems. Besonders kritisch: Von den Algorithmen als auffällig markierte Inhalte können sogar bis zu zwei Jahre lang aufbewahrt werden.
Die Rechts- und Sicherheitsabteilungen von Microsoft prüfen nun, ob vertrauliche Unternehmensinformationen oder sensible Kundendaten durch diese Praxis gefährdet werden. Der Konzern hat das Modell intern aus dem GitHub-Copilot-Auswahltool entfernt.
Sicherheitsmaßnahmen mit Haken
Claude Fable 5 wurde am 9. Juni als erstes Modell der sogenannten Mythos-Klasse veröffentlicht. Anthropic hat umfangreiche Schutzmechanismen eingebaut: Das System verweigert Antworten zu Hochrisikobereichen wie Cybersicherheit, Chemie und Biologie. Ziel ist es, den Missbrauch zur Entwicklung von Biowaffen zu verhindern.
In weniger als fünf Prozent aller Sitzungen greifen diese Sicherheitsvorkehrungen. Dann leitet das System die Anfrage automatisch an das ältere Modell Claude Opus 4.8 weiter. Ein cleverer Kniff – doch er zeigt auch die Grenzen der neuen Technologie auf.
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Leistungsstark, aber teuer
Trotz der Einschränkungen beeindruckt Fable 5 mit seinen Fähigkeiten. Erste Benchmarks zeigen, dass das Modell Konkurrenten wie GPT-5.5 und Gemini 3.1 Pro in den Bereichen Bildverarbeitung, logisches Denken und Programmierung übertrifft. Allerdings hat die Leistung ihren Preis: Das System verbraucht doppelt so viele Tokens wie Vorgängerversionen. Zudem berichten Forscher von undokumentierten Leistungsschwankungen bei bestimmten KI-Forschungsanfragen.
Anthropic auf Wachstumskurs
Der Datenschutz-Streit trifft Anthropic in einer Phase rasanten Wachstums. Ende Mai sammelte das Startup 65 Milliarden Euro in einer Finanzierungsrunde ein – die Bewertung kletterte auf fast eine Billion Euro. Kurz darauf reichte das Unternehmen vertraulich die Unterlagen für einen Börsengang ein.
Microsoft hat bislang keine offizielle Stellungnahme zu den internen Zugriffsbeschränkungen abgegeben. Die laufende rechtliche Prüfung soll klären, ob und wann das Modell unter überarbeiteten Sicherheitsprotokollen für die Belegschaft freigegeben werden kann. Bis dahin müssen sich Mitarbeiter mit anderen Claude-Modellen begnügen, die den internen Datenschutzanforderungen entsprechen.
