Claude-Diebstahl, Chinesische

Claude-Diebstahl: Chinesische Labs zapften 190 Millionen Abfragen an

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 02:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Anthropic dokumentiert Millionen Claude-Abfragen durch chinesische Akteure. US-Behörden sehen darin systematische Wissensabschöpfung für eigene KI-Modelle.

Anthropic-Bericht: Chinesische Firmen sollen Claude massenhaft auswerten
Reihen dunkler Server-Racks in einem weitläufigen, kühl beleuchteten Rechenzentrum. Illustration mit AI erstellt.

Mehrere führende chinesische Unternehmen und Forschungslabore im Bereich der künstlichen Intelligenz sollen in erheblichem Umfang Interaktionen des US-Modells Claude für das Training eigener Systeme abgegriffen haben.

Wie aus einem Bericht von Anthropic aus dem September 2026 hervorgeht, nutzten sieben chinesische Einrichtungen sogenannte Knowledge-Distillation-Verfahren gegen Claude. Allein fünf quantifizierte Kampagnen umfassen demnach fast 190 Millionen Abfragen.

Alibaba, Moonshot und DeepSeek im Zentrum der Vorwürfe

Den größten Anteil an den registrierten Zugriffen verzeichnete laut dem Bericht Alibaba. Das Unternehmen soll zwischen Mai und Juli 2026 mehr als 151 Millionen Interaktionen mit Claude durchgeführt haben, wobei Spitzenwerte von rund 3 Millionen Abfragen pro Tag erreicht wurden.

Alibaba habe dafür mehr als 3.500 Schein-Accounts eingesetzt. Ziel sei es gewesen, Ausgaben der Modelle Claude Opus 4.6 und 4.7 – insbesondere im Bereich logischer Argumentationsketten – zur Weiterentwicklung der eigenen Modellreihe Qwen 3.5 bis 3.7 abzuschöpfen.

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Das Labor Moonshot soll im selben Zeitraum von Mai bis Juli auf mehr als 23 Millionen Abfragen gekommen sein. Dabei seien innerhalb von zehn Tagen fast 300.000 Kundenanfragen ohne das Wissen der Betroffenen über 5.380 Fake-Accounts – vorrangig mit Standorten in Singapur und Japan – an Claude umgeleitet worden. Zudem habe ein dem chinesischen Militär nahestehender Nutzer Überwachungsdaten aus Hunderten Kameras in Chengdu über den Dienst hochgeladen.

Bei DeepSeek wiederum wurden im Juli innerhalb von 14 Tagen mehr als 12,1 Millionen Interaktionen festgestellt. Das Unternehmen habe Programmierabfragen analysiert und an Claude weitergeleitet. Zu den dabei übertragenen Inhalten zählten dem Bericht zufolge auch sensible Daten einer russischen Regierungsbehörde sowie eines chinesischen Polizeibüros.

Weitere betroffene Akteure und Gegenmaßnahmen

Neben diesen drei Entwicklern führt Anthropic weitere Labore an: Bei Zhipu wurden mehr als 3,4 Millionen und bei Xiaomi mehr als 400.000 Abfragen registriert. Zudem werden SenseTime und MiniMax im Bericht genannt. Bereits im Februar 2026 waren DeepSeek, Moonshot und MiniMax mit über 24.000 Schein-Accounts und mehr als 16 Millionen Interaktionen bei Claude in Verbindung gebracht worden.

Durch die Aktivitäten gerieten auch Nutzerdaten wie Namen, E-Mail-Adressen und Unternehmensinformationen aus Dutzenden Sprachen in die Systeme. In einem Fall sei Claude zudem für ein elektronisches Kriegführungssystem mit 16 Modulen und zwölf Zielen in Taiwan eingesetzt worden. Anthropic begegnet diesen Zugriffen inzwischen mit dem Einsatz spezieller Klassifikatoren sowie zusammenfassenden Darstellungen von Argumentationsschritten.

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Warnung von US-Sicherheitsbehörden

Die Vorfälle decken sich mit einer gemeinsamen Warnung der US-Behörden NSA, CISA und FBI aus dem September 2026. Die Behörden werfen DeepSeek, Moonshot AI, Alibaba, MiniMax, StepFun und Z.AI vor, seit mindestens Ende 2024 industrielle Wissensdestillation gegen führende US-Modelle wie Claude, GPT, Gemini und Grok zu betreiben.

Über Zehntausende parallele Fake-Accounts seien Milliarden Tokens bewegt worden. Vor diesem Hintergrund stufen die Behörden frühere Angaben von DeepSeek, das eigene Modell für rund 5,6 Millionen US-Dollar trainiert zu haben, als irreführend ein, da die externen Destillationskosten darin nicht abgebildet seien.

Die US-Stellen gehen davon aus, dass die Unternehmen mit Kenntnis der chinesischen Regierung handelten. Die chinesische Botschaft wies die Vorwürfe zurück. Berichte werten die Vorgänge als systematische Industriespionage, die grundlegende Fragen zum Schutz geistigen Eigentums und zum fairen Wettbewerb in der globalen KI-Entwicklung aufwirft.

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de | wissenschaft | 70101898 |