Claude, Pentagon-Risiko

Claude bleibt Pentagon-Risiko: Berufungsgericht bestätigt Lieferketten-Einstufung

Veröffentlicht am: 29.09.2026 um 16:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Berufungsgericht bestätigte die Sicherheitsbewertung des Pentagon; Anthropic prüft weitere Rechtsmittel und bleibt für Privatkunden verfügbar.

Anthropic verliert Berufungsverfahren: Pentagon-Einstufung bleibt bestehen
Die Fassade eines massiven, brutalistischen Regierungsgebäudes unter einem grauen Himmel. Illustration mit AI erstellt.

Im juristischen Streit zwischen dem KI-Unternehmen Anthropic und dem US-Verteidigungsministerium hat das Berufungsgericht für den District of Columbia eine richtungsweisende Entscheidung getroffen.

Mit einer Mehrheit von zwei zu eins Stimmen bestätigten die Richter die Einstufung des KI-Modells Claude als Risiko für die nationale Lieferkette durch das Pentagon. Damit bleibt der Ausschluss der Technologie aus Systemen des Verteidigungsministeriums sowie aus entsprechenden Rüstungsaufträgen vorerst bestehen.

Juristische Niederlage für den KI-Entwickler

Das am 25. September 2026 veröffentlichte, 51-seitige Urteil in der Rechtssache Anthropic PBC gegen das US-Verteidigungsministerium beendet vorerst die Bemühungen des Unternehmens, die Entscheidung des Pentagons gerichtlich anzufechten.

Die Richter Katsas und Rao bildeten die Mehrheit und erklärten, dass das Verteidigungsministerium eine hinreichende Grundlage für die Feststellung eines nationalen Sicherheitsrisikos geliefert habe. Das Gericht stützte sich dabei auf den Federal Acquisition Supply Chain Security Act (FASCSA) von 2018.

In der Urteilsbegründung hieß es, dass das Gesetz nicht zwingend die Existenz eines feindlichen Akteurs voraussetze. Vielmehr könnten bereits die im Modell integrierten Sicherheitsmechanismen, sogenannte Guardrails, als Risiko für die Lieferkette gewertet werden. Die Klagen von Anthropic, die sich auf das Recht auf ein ordnungsgemäßes Verfahren sowie den ersten Verfassungszusatz beriefen, wurden abgewiesen.

Einen deutlichen Dissens formulierte hingegen Richterin Henderson. Sie vertrat die Auffassung, dass der FASCSA im vorliegenden Fall zu weit ausgelegt werde. Demnach habe Anthropic lediglich die Wahl gehabt, entweder den Forderungen des Verteidigungsministeriums zuzustimmen oder eine Einstufung als Bedrohung der nationalen Sicherheit zu riskieren.

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Streit um ethische Leitplanken und militärische Nutzung

Der Konflikt entzündete sich bereits Anfang des Jahres. Im Februar 2026 verweigerte Anthropic die Unterzeichnung einer Vertragsklausel, die eine Nutzung für alle rechtmäßigen Zwecke vorsah. Das Unternehmen begründete diesen Schritt mit internen Vorbehalten gegenüber dem Einsatz der KI in vollautonomen Waffensystemen sowie in der Massenüberwachung.

In der Folge stellte Verteidigungsminister Hegseth am 3. März 2026 formell das Sicherheitsrisiko fest und ordnete die Entfernung der Systeme innerhalb einer Frist von 180 Tagen an.

Das Gericht identifizierte drei Stufen der Restriktionen bei Anthropic: eingebaute Sicherheitsvorkehrungen, technische Kontrollen sowie vertragliche Beschränkungen, die unter anderem Desinformation und Gewaltanwendung untersagen. Diese Modellrestriktionen hätten jedoch Tätigkeiten verhindert, die vom Staat im Rahmen militärischer Auslandseinsätze gefordert wurden.

Das Urteil steht in Kontrast zu einer Entscheidung einer Bezirksrichterin in Kalifornien vom 27. August 2026. Dort war in einem Parallelverfahren eine dauerhafte Verfügung gegen eine ähnliche Einstufung des Unternehmens erlassen worden. Anthropic betonte nach dem aktuellen Urteil, dass man die Entscheidung respektvoll ablehne und weitere Rechtsmittel, etwa eine Überprüfung durch das gesamte Berufungsgericht oder den Supreme Court, prüfe.

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Wirtschaftliche Dynamik und politisches Tauwetter

Trotz der rechtlichen Rückschläge im Regierungsgeschäft bleibt die kommerzielle Basis des Unternehmens stabil. Die Einstufung betrifft ausschließlich Systeme des Verteidigungsministeriums; Privatnutzer und kommerzielle Kunden sind nicht betroffen.

Im Mai schloss Anthropic eine Finanzierungsrunde über 65 Milliarden US-Dollar ab, was die Bewertung des Unternehmens auf 965 Milliarden US-Dollar hob. Der annualisierte Umsatz liegt laut Branchenberichten bei über 47 Milliarden US-Dollar.

Die Entscheidung hat zudem unmittelbare Auswirkungen auf Großprojekte wie das „Maven Smart System“, für das das Pentagon für das Jahr 2027 Mittel in Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar bereitgestellt hat. In diesem System wurde Anthropic mittlerweile durch den Konkurrenten OpenAI ersetzt.

Parallel zur juristischen Auseinandersetzung gibt es Anzeichen für eine politische Annäherung auf höchster Ebene. Am 27. September 2026, nur zwei Tage nach dem Urteil, traf US-Präsident Trump den Anthropic-CEO Dario Amodei zu einem privaten Abendessen im Weißen Haus.

Während Trump Amodei zuvor in sozialen Medien kritisch kommentiert hatte, erklärte er jüngst in einem Interview, dass er bezüglich Sicherheitsvorfällen bei KI-Modellen unbesorgt sei. Weitere Gespräche zwischen der Regierung und führenden KI-Managern sind bereits für die kommenden Tage angesetzt.

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