Chronische Wunden: LED-Licht soll Chlorhexidin gezielt freisetzen
Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 10:39 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung chronischer Wunden stellt das Gesundheitswesen vor erhebliche therapeutische und logistische Aufgaben. Wie aus einem Fachbericht vom 16. Oktober 2026 hervorgeht, erfordern schwer heilende Läsionen wie das diabetische Fusssyndrom nach Angaben der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) häufig eine Behandlungsdauer von bis zu einem Jahr. Dabei sind Verbandswechsel mindestens alle drei Tage notwendig, was für Betroffene mit wiederkehrenden Schmerzen und für das medizinische Personal mit hohem Aufwand verbunden ist.
Um diesen Prozess zu verbessern, erforscht die Empa in St. Gallen neue technologische Ansätze zur gezielten Verabreichung von Arzneimitteln direkt am Wundbett.
Mechanismus der lichtaktivierbaren Wirkstofffreisetzung
Im Zentrum der Entwicklungen steht ein am Empa-Standort St. Gallen konzipiertes Material, das therapeutische Substanzen kontrolliert über sichtbares Licht abgibt. Das Projekt wird von einem Team um Luciano Boesel und Giorgia Giovannini in der Abteilung für biomimetische Membranen und Textilien («Biomimetic Membranes and Textiles») vorangetrieben.
Die Funktionsweise des Trägersystems basiert auf Siliziumdioxid-Nanopartikeln, die mit dem Antiseptikum Chlorhexidin beladen sind. Diese Nanopartikel sind von einer speziellen Polymerhülle umgeben, welche mit molekularen Fotoschaltern ausgestattet ist.
Wird das Material mit sichtbarem LED-Licht bestrahlt, schwillt die Polymerhülle an und wird wasserdurchlässig, wodurch das eingeschlossene Chlorhexidin austreten und seine antimikrobielle Wirkung entfalten kann.
Sobald die Lichtquelle abgeschaltet wird, stoppt die Freisetzung des Wirkstoffs unmittelbar. Dieser Schaltmechanismus erlaubt eine bedarfsgerechte Dosierung, ohne dass der Wundverband für jede Gabe angehoben oder gewechselt werden muss.
Verbandswechsel mindestens alle drei Tage, oft über Monate — das kostet Schmerz und Personal. Ein neuer Forschungsansatz setzt Wirkstoffe per sichtbarem LED-Licht gezielt am Wundbett frei, ohne den Verband anzuheben. Wie der Mechanismus funktioniert und wo er heute steht, ordnet dieser kostenlose Leitfaden ein. Kostenlosen Leitfaden zur Wundversorgung anfordern
Frühe Laborphase und Anforderungen an die Zulassung
Trotz der präzisen Steuerbarkeit im Labor befindet sich die Technologie noch in einem frühen Entwicklungsstadium. Die bisherigen Untersuchungen wurden ausschliesslich im Reagenzglas durchgeführt. Eine direkte klinische Anwendung am Patienten ist derzeit nicht absehbar.
Bevor das Trägersystem in der praktischen Patientenversorgung eingesetzt werden kann, steht als nächster Entwicklungsschritt die Anpassung an den konkreten klinischen Bedarf an.
Daran anschliessend sind mehrere Phasen klinischer Studien erforderlich, um die Wirksamkeit und Patientensicherheit im Rahmen des Zulassungsverfahrens in der Schweiz nachzuweisen. Nach Einschätzung der Empa werden bis zu einem regulären Einsatz in der Wundtherapie noch einige Jahre vergehen.
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Wissenschaftliche Veröffentlichung und Projektförderung
Die grundlegenden Forschungsresultate zu diesem lichtgesteuerten Mechanismus sind in der Fachzeitschrift Advanced Functional Materials (Band 36, Ausgabe 38, Artikel e31727, Jahrgang 2026) publiziert worden. Finanziell unterstützt wurden die Forschungsarbeiten vom Schweizerischen Nationalfonds sowie von der OPO-Stiftung im Rahmen des Projekts STERILISE.
