Chronische, Wunden

Chronische Wunden: Fraunhofer entwickelt Wirkstoff-Auflagen mit Phagen

Veröffentlicht am: 01.10.2026 um 13:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das Projekt AntiMicroMXen kombiniert Phagen, Proteine und MXene; bis Mai 2027 sollen Entwicklung und Wirkstoffintegration abgeschlossen sein.

Fraunhofer IKTS entwickelt Wirkstoff-Wundauflagen gegen chronische Wunden
Ein sauberer, klinischer Labortisch mit wissenschaftlichen Präzisionsgeräten zur Materialforschung in einer hellen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die medizinische Forschung intensiviert ihre Bemühungen zur Verbesserung der Behandlung chronischer Wunden. Ein zentrales Vorhaben wird dabei vom Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) in Dresden koordiniert.

Dort entwickeln Experten elektrogesponnene Wundauflagen, die mit spezifischen Wirkstoffen angereichert sind. Ziel des Projekts ist es, durch den Einsatz von Bakteriophagen, wundheilungsfördernden Proteinen und antiseptischen MXenen den Heilungsprozess bei chronischen Verläufen signifikant zu beschleunigen.

Wirtschaftliche und klinische Relevanz der Wundversorgung

Der Bedarf an innovativen Lösungen in der Wundtherapie ist vor dem Hintergrund aktueller Patientenzahlen hoch. In Deutschland befinden sich laut Berichten von Ende September 2026 etwa 1 Million Menschen aufgrund chronischer Wunden in medizinischer Behandlung. Die damit verbundenen Kosten für das Gesundheitssystem werden auf circa 7,5 Milliarden Euro pro Jahr beziffert.

Klinisch werden Wunden als chronisch definiert, wenn sie trotz fachgerechter Behandlung innerhalb von 8 bis 12 Wochen keine Heilungstendenzen zeigen. Zu den häufigsten Krankheitsbildern zählen das diabetische Fußsyndrom, Dekubitus sowie das Ulcus cruris.

Um dieser Problematik zu begegnen, setzen spezialisierte Einrichtungen wie das Herz- und Diabeteszentrum NRW in Bad Oeynhausen verstärkt auf qualifiziertes Personal. Dort wird angestrebt, jede Station der relevanten Fachbereiche mit mindestens einer Pflegefachkraft zu besetzen, die eine zweimonatige Weiterbildung zur Wundexpertin absolviert hat.

Technologische Innovation und Projektrahmen

Das technologische Herzstück der Entwicklung am Fraunhofer IKTS bildet das Elektrospinning-Verfahren zur Herstellung von Vliesstoffen. In diese Materialien werden Wirkstoffe integriert, die über die reine Schutzfunktion herkömmlicher Verbände hinausgehen.

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Neben MXenen, einer Klasse von zweidimensionalen anorganischen Verbindungen mit antiseptischen Eigenschaften, kommen Bakteriophagen zum Einsatz. Diese Viren können gezielt bakterielle Erreger bekämpfen, was insbesondere bei antibiotikaresistenten Keimen von Bedeutung ist.

Das dazugehörige Forschungsprojekt mit dem Namen AntiMicroMXen hat eine Laufzeit von Juni 2024 bis Mai 2027. Bis zum Ende dieses Zeitraums sollen die Werkstoffentwicklung und die vollständige Integration der Wirkstoffe abgeschlossen sein.

Das Fraunhofer IKTS arbeitet dabei in einem internationalen Verbund mit dem polnischen Hirszfeld-Institut, der Universität Lettland und dem Unternehmen NanoCarbonTech zusammen. Über die Medizin hinaus wird zudem geprüft, ob die entwickelten Wirkstoffkombinationen in der Verpackungstechnik, etwa zum Schutz vor Salmonellen, eingesetzt werden können.

Fortschritte in der Phagentherapie und begleitende Studien

Die Integration von Phagen in Wundauflagen deckt sich mit einer breiteren klinischen Entwicklung. Unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Infektiologie (DGI) wurde eine neue internationale Konsensusleitlinie in der Fachzeitschrift Nature Medicine veröffentlicht. Diese enthält mehr als 60 Empfehlungen für den Einsatz der personalisierten Phagentherapie.

Silvia Würstle vom Universitätsklinikum Frankfurt, eine der Hauptautorinnen, gab zu bedenken, dass Phagen keine universellen Wunderwaffen seien, in einer belgischen Untersuchung bei 100 Fällen jedoch in circa 70 Prozent der Behandlungen eine klinische Verbesserung erzielt wurde.

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Parallel dazu zeigen aktuelle Studien Fortschritte bei der topischen Behandlung anderer entzündlicher Hautzustände. Eine in Lancet Haematol im Jahr 2026 veröffentlichte Phase-2-Studie untersuchte die Wirkung einer 1,5-prozentigen Ruxolitinibcreme bei Patientinnen und Patienten mit kutaner chronischer Graft-versus-Host-Erkrankung (cGvHD).

Hierbei konnte die betroffene Körperoberfläche durch die zweimal tägliche Anwendung über 28 Tage von initial 14,3 Prozent auf 6,2 Prozent reduziert werden, während die Vergleichsgruppe unter Placebo-Anwendung lediglich einen Rückgang auf 10,4 Prozent verzeichnete. Diese Ergebnisse unterstreichen das Potenzial lokal aufgetragener Wirkstoffsysteme bei der Kontrolle komplexer Entzündungsprozesse.

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