Chronische, Wunden

Chronische Wunden: Empa steuert Chlorhexidin-Freisetzung mit LED-Licht

Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 22:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Im Labor lässt sich Chlorhexidin per Lichtimpuls dosiert freisetzen; bis zur Anwendung am Menschen sind jedoch noch Jahre nötig.

Empa entwickelt lichtgesteuerte Nanopartikel für chronische Wunden
Laborumgebung mit Glasbechern und Petrischalen unter fokussiertem LED-Licht zur medizinischen Forschung. Illustration mit AI erstellt.

In der Behandlung chronischer Wunden gewinnt die zielgerichtete Steuerung von Medikamenten zunehmend an Bedeutung. Forschende der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) haben in Laboruntersuchungen ein System entwickelt, das antimikrobielle Wirkstoffe präzise über Lichtimpulse freisetzen kann, wie ein Bericht vom 11. Oktober 2026 darlegt.

Der Ansatz basiert auf winzigen Siliziumdioxid-Nanopartikeln, die mit dem Wirkstoff Chlorhexidin befüllt und von einer speziell konstruierten Polymerhülle umgeben sind.

Mechanismus mit molekularen Fotoschaltern

Der Kern der Entwicklung liegt in der Hülle der Nanopartikel. Diese ist mit sogenannten Fotoschaltern ausgestattet, die empfindlich auf sichtbares LED-Licht bestimmter Wellenlängen reagieren. Trifft Licht dieser definierten Wellenlängen auf die Nanopartikel, verändert die Polymerhülle ihre Struktur und wird durchlässig. Dadurch tritt das eingeschlossene Chlorhexidin nach außen.

Sobald die Bestrahlung mit dem sichtbaren Licht endet, kehrt die Hülle wieder in ihren Ausgangszustand zurück und schließt sich. Dieser reversible Mechanismus verhindert, dass der Wirkstoff unkontrolliert weiter austritt, wenn er im Wundgebiet nicht mehr benötigt wird.

Steuerung von Zeitpunkt und Dosierung

Nach Angaben der Empa-Forschenden ermöglicht dieser Mechanismus eine feine Dosierung der antimikrobiellen Substanz. Die Freisetzung lässt sich über mehrere physikalische Parameter regulieren. Neben der ausgewählten Wellenlänge des LED-Lichts spielen insbesondere die Dauer der Bestrahlung sowie deren Intensität eine entscheidende Rolle.

Anzeige

Chronische Wunden heilen oft monatelang, und eine gleichbleibende Wirkstoffkonzentration belastet das Gewebe dauerhaft. Forschende haben im Labor ein System entwickelt, das antimikrobielle Wirkstoffe über Lichtimpulse gezielt freisetzt — bisher nur im Reagenzglas, ein Einsatz am Menschen dürfte noch Jahre dauern. Unser kostenloser Praxisleitfaden ordnet ein, was das für Ihre Wundversorgung bedeutet. Praxisleitfaden Wundversorgung jetzt anfordern

Über diese Faktoren könnten medizinisches Personal oder automatisierte Systeme künftig sowohl den exakten Zeitpunkt als auch die genaue Menge des abgegebenen Chlorhexidins steuern. Dies könnte helfen, antimikrobielle Mittel bedarfsgerechter einzusetzen, anstatt Wunden dauerhaft einer gleichbleibenden Wirkstoffkonzentration auszusetzen.

Einsatzperspektiven in der Wundversorgung

Die Forschenden sehen für die Technologie verschiedene praktische Anwendungsmöglichkeiten in der Medizin. Als denkbare Einsatzperspektiven gelten unter anderem moderne Wundpflaster, die mit den lichtempfindlichen Nanopartikeln ausgestattet werden könnten.

Darüber hinaus wird eine Verknüpfung der Technologie mit Sensorik diskutiert. In solchen Systemen könnten Sensoren den Zustand einer chronischen Wunde überwachen und bei Bedarf die gezielte Belichtung auslösen. Langfristig zielt das Konzept auf eine personalisierte Wundbehandlung ab, bei der die therapeutische Intervention direkt an den individuellen Heilungsverlauf angepasst wird.

Bisheriger Entwicklungsstand und Hürden

Trotz der im Labor gezeigten Effekte befindet sich das Verfahren noch in einem sehr frühen Stadium. Die Empa-Forschenden haben die Technologie bislang ausschließlich im Reagenzglas erprobt. Ein direkter Einsatz am Menschen ist damit kurzfristig nicht möglich.

Anzeige

Antibiotika-Resistenzen entstehen dort, wo Wirkstoffe dauerhaft und ungesteuert auf die Wunde einwirken. Ein neuer Laboransatz setzt Chlorhexidin erst frei, wenn Licht einer definierten Wellenlänge die Polymerhülle öffnet — Dauer und Intensität der Bestrahlung könnten Zeitpunkt und Menge steuern. Unsere Checkliste zeigt, wie Sie antimikrobielle Strategien heute bedarfsgerecht aufstellen. Checkliste antimikrobielle Strategien sichern

Vor einer praktischen Anwendung in der klinischen Versorgung müssen zunächst umfassende klinische Studien durchgeführt werden, gefolgt von den regulatorischen Zulassungsverfahren für Medizinprodukte oder Kombinationspräparate. Nach Einschätzung der Forschenden dürfte es daher noch Jahre dauern, bis lichtgesteuerte Nanopartikel dieser Art tatsächlich Einzug in den medizinischen Alltag halten können.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70294187 |