Chronische Wunden: 60 µg/ ml Ozon schnitt bei Heilung und Schmerz besser ab
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Behandlung chronischer und infizierter Wunden stellt das Gesundheitswesen vor anhaltende Herausforderungen. Fachpublikationen, systematische Reviews und Übersichtsarbeiten analysieren zunehmend den Stellenwert adjuvanter Verfahren, insbesondere der lokalen Ozontherapie, um den Heilungsprozess bei schwer therapierbaren Gewebeschäden zu unterstützen.
Klinische Evidenz aus randomisierten kontrollierten Studien
Mehrere systematische Reviews untersuchten in den vergangenen Jahren die klinische Wirksamkeit von Ozonanwendungen. Ein im Fachjournal International Wound Journal veröffentlichter systematischer Review aus dem Jahr 2018 analysierte neun randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt 453 Patienten mit chronischen Wunden.
Die Auswertung ergab, dass die Ozontherapie den Wundverschluss signifikant verbesserte. Ein weiterer systematischer Review aus dem Jahr 2022 zum diabetischen Fußsyndrom, der sechs Studien mit 608 Patienten umfasste, zeigte ebenfalls, dass Ozon als Zusatz zur Standardtherapie die Heilungsrate erhöht.
Auch einzelne klinische Untersuchungen liefern detaillierte Daten. In einer Studie von Izadi aus dem Jahr 2019 wurden 200 Patienten behandelt, bei denen ausnahmslos eine vollständige Wundheilung erzielt wurde, die im Durchschnitt 69,4 Tage in Anspruch nahm.
Eine chinesische Studie von Hu aus demselben Jahr mit 136 Patienten wies nach, dass die Kombination aus Ozonwasser und einer Vakuumversiegelungstherapie (VAC) die Behandlungsdauer verkürzte und nach zwei Wochen zu einer höheren Keimelimination führte.
Bei venösen Ulzera zeigte eine Untersuchung von Zagolin aus dem Jahr 2018 an 81 Patienten, dass ozoniertes Öl die Reepithelisierung signifikant beschleunigte (p<0,007).
Differenzierte Resultate lieferten Untersuchungen von Pasek. In einer Studie aus dem Jahr 2022 mit 85 Patienten erzielte reiner Sauerstoff bei der Wundverkleinerung im direkten Vergleich mit Ozon geringfügig bessere Ergebnisse (33 Prozent gegenüber 29 Prozent).
Eine Folgestudie von Pasek aus dem Jahr 2025 an 50 Patienten verglich zwei Konzentrationen: Eine Dosis von 60 µg/ml Ozon schnitt sowohl bei der Wundverkleinerung (p=0,027) als auch bei der Schmerzreduktion (p=0,002) signifikant besser ab als eine Dosierung von 30 µg/ml Ozon.
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Wirkmechanismen, Anwendungsformen und Leitlinien
Übersichtsartikel zur Ozonmedizin beschreiben antiinflammatorische Wirkungen, die auch bei persistierenden Entzündungsreaktionen greifen. Chronische Entzündungen stehen in engem Zusammenhang mit Systemerkrankungen wie Diabetes, Arteriosklerose, Arthritis oder Multipler Sklerose. Ozon wird als Begleittherapie in Form von Gas, ozoniertem Öl sowie als ozonierte Kochsalzlösung oder ozoniertes Wasser verabreicht.
In tierexperimentellen Untersuchungen an 30 männlichen Wistar-Ratten mit Streptozotocin-induziertem Diabetes reduzierte ein Ozon-Sauerstoff-Gemisch zudem Leberschäden nach Ischämie und Reperfusion, wenngleich Übertragung und Dosierung für die klinische Humanmedizin noch unklar bleiben.
Auf regulatorischer Ebene findet das Verfahren schrittweise Beachtung: Der chinesische ESWT-Konsensus aus dem Jahr 2023 führt venöse, dekubitale und diabetische Ulzera als Ozon-Indikationen auf. Die chinesische Diabetes-Leitlinie aus dem Jahr 2024 spricht wiederum eine Empfehlung für die lokale Sauerstofftherapie aus.
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Multimodale Ansätze für komplexe Wundverhältnisse
Gewebeverhärtungen (Indurationen) stellen bei chronischen Wunden ein häufiges Problem dar, bedingt durch Biofilme, Minderperfusion, Entzündungen oder Nekrosen. Neben etablierten Maßnahmen wie Débridement, Wundrandschutz, feuchter Wundversorgung und der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBOT) erforscht die Wissenschaft neue Ansätze.
Eine narrative Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2026 beleuchtete die Kombination aus Exosomen (30 bis 150 Nanometer groß), Hydrogelen und Silbernanopartikeln. Da 19 bis 34 Prozent der Diabetiker im Laufe ihres Lebens ein Fußulkus entwickeln und die Rezidivrate binnen eines Jahres nach Abheilung über 40 Prozent liegt, besteht hier hoher Bedarf.
Präklinische Daten belegen zwar eine verbesserte Wundschließung (p<0,05) in Mäusemodellen, ein solches System besitzt bislang jedoch keine klinische Zulassung.
Ähnlich verhält es sich mit der Erforschung der m6A-RNA-Methylierung zur Steuerung von Reparaturprozessen: Diese Ansätze bieten theoretische Ansatzpunkte, sind von einem Praxiseinsatz am Menschen jedoch noch weit entfernt. Die Ozontherapie bleibt damit eine der konkreter untersuchten adjuvanten Optionen im klinischen Umfeld.
