Chronische, Versorgung

Chronische Versorgung: Fünf neue pharmazeutische Dienstleistungen geplant

Veröffentlicht am: 15.09.2026 um 17:24 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Apothekenverbände verlangen mehr pharmazeutische Angebote, während die Zahl der Betriebsstätten sinkt und Vergütungsfragen die Branche beschäftigen.

Apotheken im Wandel: Neue Dienste und sinkende Betriebsstättenzahl
Ein heller, minimalistischer Flur in einer modernen Pflegeeinrichtung mit einfallendem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt.

Ein Medikationsfehler im Pensionisten-Wohnhaus Leopoldau der Organisation Häuser zum Leben in Wien verdeutlicht die sensiblen Anforderungen an die Versorgung chronisch kranker Menschen in stationären Einrichtungen. Nach Angaben des Betreibers ergaben eingehende Kontrollen, dass bei den 20 betroffenen Bewohnern keine anhaltenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen zurückblieben.

Während die Staatsanwaltschaft Wien die Prüfung eines Anfangsverdachts zu dem Medikationsvorfall fortführt, steht in der Einrichtung ein personeller Wechsel bevor: Ab dem 1. Oktober 2026 übernimmt eine neue Hausleitung die Leitung des Standorts. Das Geschehen rückt die Risiken komplexer medikamentöser Therapien erneut in den Fokus der Fachwelt.

Forderungen nach pharmazeutischen Diensten im Pflegebereich

Die strukturierte Begleitung von pflegebedürftigen Menschen gewinnt vor diesem Hintergrund auch auf Verbandsebene an Bedeutung. Die Apothekerkammern Hessen und Berlin fordern die Einführung neuer pharmazeutischer Dienstleistungen für den Pflegebereich.

Aus Hessen kommt der Vorschlag, Beratungsangebote zu Pflegegrad-Anträgen, Begleitungen bei Begutachtungen durch den Medizinischen Dienst, Hilfsmittelberatungen sowie die pflegerische Betreuung fest in den Leistungskatalog der Pflegeversicherung aufzunehmen.

Die Apothekerkammer Berlin plädiert parallel für einen pharmazeutischen Hausbesuch für pflegende Angehörige. Diese Dienstleistung solle jährlich sowie bei Änderungen der Medikation erbracht und höher vergütet werden als die reguläre erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation.

Erweiterung der Angebote bei chronischen Krankheitsbildern

Auf der Fachmesse Expopharm in München betonte Dr. Hans-Peter Hubmann für den Deutschen Apothekerverband (DAV), dass eine Honorarerhöhung nach 13 Jahren der Stagnation überfällig gewesen sei.

Zudem kündigte Hubmann an, dass fünf neue pharmazeutische Dienstleistungen eingeführt werden, darunter spezifische Beratungen zu Risikofaktoren von Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen sowie zur Raucherentwöhnung.

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Für diese Aufgaben forderte der DAV eine auskömmliche Vergütung. Ab dem Jahr 2028 sollen Verhandlungen zwischen dem DAV und den Krankenkassen anlaufen, um künftig regelmäßige jährliche Kostenanpassungen zu ermöglichen.

Zum Deutschen Apothekertag, der vom 15. bis 17. September 2026 in München abgehalten wird, legte Thomas Preis für die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) einen Fünf-Punkte-Plan vor. Dieser umfasst Maßnahmen zur wirtschaftlichen Stabilisierung, zur Stärkung der Primärversorgung, zum Abbau von Bürokratie, zur Eindämmung des ausländischen Versandhandels sowie zur Krisenresilienz. Preis rief Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) dazu auf, die gesetzliche Stärkung der Vor-Ort-Apotheken fortzusetzen.

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen und Versorgungsstrukturen

Die Diskussionen um Arzneimittelsicherheit und Dienstleistungen finden vor dem Hintergrund eines anhaltenden Wandels in der Versorgungslandschaft statt. Laut Erhebungen der ABDA sank die Zahl der Betriebsstätten in Deutschland im ersten Halbjahr 2026 weiter. Ende Juni 2026 existierten bundesweit noch 16.488 Apotheken, was einem Rückgang um 113 Einheiten seit Jahresbeginn entspricht.

Zudem sorgt die Ausgestaltung der Vergütung für Debatten innerhalb der Branche. Zwar stieg das Festzuschlag-Fixum im Juli 2026 von 8,35 auf 9 Euro und soll zum 1. Januar weiter auf 9,50 Euro angehoben werden, doch steigt zeitgleich der Kassenabschlag zum 1. Januar 2027 von 1,77 auf 2,07 Euro.

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Preis kritisierte, dass dieser Anstieg des Abschlags rund ein Viertel des finanziellen Effekts der Fixumserhöhung aufzehre. Im Apothekenklima-Index der ABDA unter 500 Befragten stuften 39 Prozent die Fixumanpassung ohne eine automatische Dynamisierung als wertlos ein, 29 Prozent sahen sie als inkonsequent an, 15 Prozent erwarteten kaum Effekte, während weitere 15 Prozent von einem wichtigen Signal sprachen.

Dennoch beurteilte Preis die Vergütungsanpassung nach 13 Jahren Stillstand grundsätzlich positiv. Im Stimmungsbild rechnen nur noch 38 Prozent der Befragten mit einer Verschlechterung, verglichen mit 63 Prozent zwei Jahre zuvor. Künftig sollen Tätigkeiten wie Impfungen, Blutabnahmen und Beratungen zur Raucherentwöhnung ausgebaut werden.

Laut Preis könnte sich die Zahl der impfenden Betriebe von derzeit rund 3.000 verdoppeln. Eine entsprechende Befragung ergab, dass 19 Prozent bereits impfen und neue Indikationen aufnehmen wollen, während 18 Prozent einen künftigen Einstieg planen.

Demgegenüber gaben 40,4 Prozent wirtschaftliche Gründe bezüglich Aufwand und Ertrag an, und 16,4 Prozent nannten fehlende Nachfrage als Hinderungsgrund. Zugleich beabsichtigen 40 Prozent, neue pharmazeutische Dienstleistungen bereitzustellen.

Im Bereich des Arzneimittelvertriebs stufte Preis den Versandhandel als Belastungsfaktor ein und verwies darauf, dass die Zuzahlung im kommenden Jahr um 50 Prozent zulegen werde. Zur Sicherung der Versorgungsstrukturen schlug er vor, § 43c Absatz 2 des Fünften Buches Sozialgesetzbuch um ein Verbot des Zuzahlungserlasses durch ausländische Versandapotheken sowie entsprechender Werbemaßnahmen zu ergänzen.

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