Chronische, Schmerzen

Chronische Schmerzen: Zwei Top-Studien enthüllen separate Nervenwege

14.06.2026 - 05:22:53 | boerse-global.de

Forschung widerlegt alte Theorie: Chronische Schmerzen nutzen separate Nervenwege. Neue Cannabis-Therapie und Biomarker-Studien zeigen Fortschritte.

Chronische Schmerzstudien: Neue Nervenbahnen entdeckt
Chronische - Abstrakte Darstellung von Gehirnschaltkreisen und neuronalen Pfaden, die Forschung zu chronischen Schmerzen symbolisieren. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Das haben gleich zwei Studien in den renommierten Fachzeitschriften Cell und Nature gezeigt. Für Millionen Betroffene weltweit eröffnet diese Erkenntnis völlig neue Behandlungsmöglichkeiten.

Bisher gingen Mediziner davon aus, dass chronische Schmerzen lediglich eine verlängerte Version akuter Schmerzsignale sind. Die neue Forschung widerlegt diese Annahme grundlegend.

Zwei Studien, eine Erkenntnis

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Forscher der University of Texas at Dallas und der RWTH Aachen identifizierten in einer am 12. Juni in Cell veröffentlichten Studie sogenannte „schlafende Nozizeptoren“. Diese Nervenzellen werden erst bei chronischen Schmerzzuständen aktiv. Als entscheidende molekulare Marker benannten die Wissenschaftler den Oncostatin-M-Rezeptor sowie Somatostatin.

Parallel dazu beschrieb eine Nature-Studie die Entdeckung eines separaten Hirnschaltkreises für chronische Schmerzsignale. Dieser verbindet das Rückenmark über den Thalamus und den Kortex mit dem Hirnstamm.

In Mäuseversuchen gelang es den Forschern, chronische Schmerzen durch das Stummschalten spezifischer Zellen zu lindern – ohne die Reaktion auf akute Schmerzreize zu beeinträchtigen. Chronische Schmerzprozesse sind demnach anatomisch und funktional von der normalen Schmerzwahrnehmung abgekoppelt.

Cannabis-Präparat erhält Zulassung

Neben der Grundlagenforschung gibt es konkrete Fortschritte in der Behandlung. Das Biopharmaunternehmen Vertanical erhielt in Deutschland die Zulassung für ein neues Präparat auf Basis eines Cannabis-Vollspektrum-Extrakts.

Das Mittel soll gegen chronische Kreuzschmerzen und neuropathische Beschwerden helfen. Die Markteinführung in Deutschland und Österreich ist für September 2026 geplant – abhängig von den Preisverhandlungen mit den Krankenkassen.

Die Zulassung stützt sich auf Phase-3-Studien mit über 1.200 Patienten. Die Ergebnisse, veröffentlicht in Nature Medicine, belegen eine signifikante Schmerzreduktion über zwölf Monate. Im Vergleich zu herkömmlichen Opioiden zeigte die Therapie eine bessere Verträglichkeit – ohne Abhängigkeitspotenzial. Rund 20 Millionen Opioidverschreibungen gibt es jährlich in Deutschland. Das Potenzial für Alternativen ist enorm.

Schlaf und Schmerz: Eine fatale Wechselwirkung

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt auf dem Zusammenhang zwischen Schlafstörungen und chronischen Schmerzen. Eine Studie der Universität Porto, veröffentlicht am 11. Juni in Biomedicines, belegt einen bidirektionalen Zusammenhang. Schuld sind neuroinflammatorische Prozesse.

Forscher der Universität Zürich gingen noch einen Schritt weiter. Sie identifizierten zehn Biomarker im Speichel, die akuten Schlafmangel zuverlässig nachweisen. Langfristig sollen Schnelltests für den Straßenverkehr und die Arbeitswelt entstehen.

An der University of Wisconsin-Madison gelang es zudem in Tierversuchen, mittels Optogenetik regenerative Schlafprozesse künstlich zu induzieren. Der Schlafdruck sank, die Gedächtnisleistung stabilisierte sich.

Schnellere Hilfe bei Depressionen

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Auch in der Psychiatrie gibt es neue Ansätze. Die Universität Regensburg prüft in einer klinischen Studie, ob eine einwöchige Behandlung mit repetitiver transkranieller Magnetstimulation (rTMS) bei therapieresistenten Depressionen genauso wirkt wie die bisher üblichen mehrwöchigen Verfahren. Ergebnisse werden bis Ende 2026 erwartet. rTMS ist in Deutschland seit 2022 in den Behandlungsleitlinien verankert.

Versorgungslücke bei Kindern

Rund 25.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden an rheumatischen Erkrankungen. Die Rheuma-Kinderklinik Garmisch-Partenkirchen hat eine großangelegte Fundraising-Kampagne gestartet, um die spezialisierte Versorgung weiter auszubauen. Denn gerade bei jungen Patienten sind frühzeitige und gezielte Therapien entscheidend.

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