Chronische Schmerzen: VR senkt Beschwerden in 122 Studien signifikant
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deDigitale Bewegungstherapien und Virtual-Reality-Brillen gewinnen in der Behandlung von chronischen Schmerzen zunehmend an Bedeutung. Fachberichte verdeutlichen, wie immersive Technologien eingesetzt werden, um die Beweglichkeit bei chronisch rückengeplagten Patienten gezielt zu fördern und therapeutische Prozesse nach Klinikaufenthalten digital zu begleiten.
In Deutschland leiden mehr als 12 Millionen Menschen unter chronischen Schmerzen, was den Bedarf an ergänzenden, nicht-invasiven Therapieansätzen unterstreicht.
Wissenschaftliche Belege für Schmerzreduktion
Die Wirksamkeit virtueller Umgebungen bei Schmerzzuständen wird durch wissenschaftliche Untersuchungen gestützt. Eine Metaanalyse von 122 randomisierten kontrollierten Studien mit insgesamt 9.138 Patientinnen und Patienten zeigte eine signifikante Schmerzreduktion durch den Einsatz von Virtual Reality mit einer standardisierten Mittelwertdifferenz von SMD = ?0,65 bei einem Signifikanzwert von p <0,001. Die Daten wiesen darauf hin, dass die beobachteten Effekte bei einer höheren Ausgangsschmerzintensität besonders ausgeprägt ausfielen.
Regulatorische Schritte begleiten diese Entwicklung: Ende 2021 erteilte die US-Gesundheitsbehörde FDA der VR-Schmerztherapie EaseVRx, die auf kognitiver Verhaltenstherapie basiert, die offizielle Zulassung. Auf technologischer Seite kündigt sich weiterer Zuwachs an, da Meta VR Glasses für das Frühjahr 2027 auf dem Markt erwartet werden.
Einsatz in deutschen Schmerzzentren und Kliniken
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Im klinischen Alltag finden VR-Systeme bereits in verschiedenen Versorgungsbereichen Anwendung. Am Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) in Würzburg läuft derzeit die ReliefVR-Studie zur weiteren Untersuchung des Konzepts. Das Sana Klinikum Coburg wiederum hat Virtual Reality als festen Baustein in ein fünf Wochen dauerndes, ambulantes Schmerztherapieprogramm integriert.
Neben der Behandlung von Muskel- und Skeletterkrankungen kommt die Technologie in weiteren medizinischen Fachbereichen zum Tragen. Im Klinikum Saarbrücken befindet sich seit knapp zwei Jahren eine Hypno-VR-Brille in der Psychoonkologie im praktischen Einsatz.
Digitale Nachsorge und bestehende Grenzen
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Digitale Bewegungstherapien dienen zudem der strukturierten Nachsorge im Anschluss an stationäre Aufenthalte. Die Studie DigiRehaPD am Universitätsklinikum Erlangen untersucht diesen Übergang am Beispiel der Parkinson-Erkrankung nach einer Parkinson-Komplex-Therapie, die in Deutschland in über 200 Kliniken angeboten wird und üblicherweise zwei bis drei Wochen, mindestens jedoch sieben Tage in Anspruch nimmt.
Im Rahmen des Projekts, an dem die Parkinson-Klinik Rummelsberg und die Erlanger Parkinson-Selbsthilfegruppe beteiligt sind und das 2026 mit dem Innovationspreis der Parkinson-Stiftung ausgezeichnet wurde, erhalten 28 von insgesamt 56 teilnehmenden Patienten sechs Monate lang eine personalisierte telemedizinische Bewegungstherapie über das Konzept ParkinsonGo der Portabiles HealthCare Technologies GmbH, während die übrigen 28 Personen die Standard-Nachsorge durchlaufen.
Trotz der therapeutischen Fortschritte verweisen Fachkreise auf methodische Einschränkungen bei VR-basierten Verfahren. So ist die wissenschaftliche Datenlage in bestimmten Segmenten weiterhin begrenzt.
Zudem lässt sich in klinischen Studien mit VR-Brillen methodisch keine Verblindung der Teilnehmenden realisieren. Auf der Ebene der Nebenwirkungen gilt das Auftreten von Cybersickness als relevanter Faktor, der bei der Anwendung berücksichtigt werden muss.
