Chronische, Schmerzen

Chronische Schmerzen: SESCAM baut spezialisierte Einheiten in Hausarztpraxen auf

Veröffentlicht am: 22.10.2026 um 00:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Gesundheitsdienst Castilla-La Mancha plant wohnortnahe Schmerzeinheiten mit multidisziplinärer Betreuung statt alleiniger Medikamentenbehandlung.
Ein minimalistisch gestalteter, lichtdurchfluteter Behandlungsraum in einer modernen medizinischen Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Der regionale Gesundheitsdienst von Castilla-La Mancha (SESCAM) setzt auf eine grundlegende Neuausrichtung in der Schmerztherapie. Mit dem Aufbau spezialisierter Einheiten für chronische Schmerzen direkt in der Primärversorgung soll eine koordinierte, wohnortnahe und ganzheitliche Betreuung etabliert werden.

Die Generaldirektorin für Pflege und Qualität des SESCAM, Montserrat Hernández Luengo, hob diesen multidisziplinären biopsychosozialen Ansatz bei den I Jornadas del Dolor in Almansa hervor.

Strategische Verankerung in der Grundversorgung

Die Notwendigkeit einer strukturierten Schmerzversorgung verdeutlicht die epidemiologische Lage: Nach Angaben des SESCAM leiden in Spanien schätzungsweise 15 bis 25 Prozent der Bevölkerung an chronischen Schmerzen.

Der regionale Plan de Salud Horizonte 3.0 sieht daher ein ganzheitliches Behandlungskonzept vor, das Gesundheitserziehung, therapeutische Bewegung, psychologische Unterstützung sowie eine personalisierte medikamentöse Verschreibung miteinander verknüpft. Begleitend implementiert die GAI Almansa im Rahmen des BPSO-Programms eine Good-Practice-Leitlinie für die klinische Praxis.

Chronische Schmerzen werden im internationalen Kontext zunehmend als eigenständiges Krankheitsbild betrachtet, insbesondere wenn Beschwerden länger als drei Monate anhalten. Diese Definition findet unter anderem in China Anwendung, wo die Zahl der Betroffenen auf über 300 Millionen geschätzt wird, begleitet von einem jährlichen Zuwachs von 10 bis 20 Millionen Menschen.

Auch in Europa ist die Belastung hoch: Laut Erhebungen, die in einem Fachbeitrag der Nursing Times analysiert wurden, ist in Irland jede dritte Person von chronischen Schmerzen betroffen.

Multimodale Konzepte statt reiner Medikation

Fachleute betonen wiederkehrend, dass Analgetika allein chronische Schmerzzustände nicht dauerhaft bewältigen können. Ihre größte Wirksamkeit entfalten medikamentöse Therapien demnach im Verbund mit einem biopsychosozialen Konzept.

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Zu den Kernempfehlungen gehören klar definierte Therapieziele, gezielte Patientenaufklärung, die regelmäßige Überprüfung des Behandlungsplans sowie realistische Zielerwartungen. Ein modernes Schmerzmanagement orientiert sich folglich nicht allein an der Schmerzskala, sondern berücksichtigt messbare Faktoren wie Lebensqualität, Schlaf, Mobilität und soziale Ressourcen.

In Deutschland bildet dieser interdisziplinäre Ansatz bereits seit Längerem den therapeutischen Standard. Am KMG Klinikum Nordbrandenburg am Standort Kyritz verfolgt eine Tagesklinik für spezielle Schmerztherapie unter Leitung von Dr. Roxana Catalina Luca ein multimodales Modell für chronische Rücken-, Kopf- und Gesichtsschmerzen mit dem Ziel, konservative Verfahren auszuschöpfen und Operationen zu vermeiden.

Am Schmerzklinikum NRW mit den Standorten Niederberg und Wuppertal verbindet die chefärztliche Leitung um Filiz Odabasi-Özdemir medizinische, bewegungstherapeutische und psychotherapeutische Behandlungsstränge.

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Die langfristige Etablierung dieser Strukturen spiegelt sich auch am Hospital zum Heiligen Geist in Frankfurt wider, das auf 20 Jahre Interdisziplinäre Multimodale Schmerztherapie seit dem Start im Jahr 2006 zurückblickt.

Ergänzend spielen differenzierte Interventionsformen und komplementäre Methoden eine wachsende Rolle im Behandlungsspektrum. Neben minimalinvasiven Verfahren und der Neuromodulation nutzen Patienten vermehrt integrative Behandlungsformen.

Einer Umfrage aus dem Jahr 2021 in der Romandie zufolge gaben 75 Prozent der Befragten an, bereits mindestens einmal eine komplementäre Methode genutzt zu haben, davon 38 Prozent innerhalb der zwölf Monate vor der Befragung.

Fachgesellschaften verweisen darauf, dass die Akzeptanz und Weiterentwicklung integrativer Ansätze künftig maßgeblich von qualitativ hochwertigen, transparenten wissenschaftlichen Daten abhängen wird.

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