Chronische, Schmerzen

Chronische Schmerzen: Neues Cannabis-Medikament ohne Abhängigkeitsrisiko

18.06.2026 - 13:31:15 | boerse-global.de

Das BfArM lässt das Cannabis-Medikament Exilby® gegen chronische Kreuzschmerzen zu. Studien belegen eine bessere Verträglichkeit als Opioide.

Vertanical erhält BfArM-Zulassung für Cannabis-Medikament Exilby®
Chronische - Nahaufnahme einer Cannabis-Pflanzenzellkultur in einer Petrischale, gehalten von einem Wissenschaftler im Labor. 18.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Jetzt zeichnet sich eine Erweiterung der Therapiemöglichkeiten ab – mit cannabisbasierten Arzneimitteln.

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Exilby® erhält Marktzulassung

Am 9. Juni 2026 erteilte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) die Zulassung für Exilby® (VER-01). Das Münchner Unternehmen Vertanical entwickelte das Medikament gegen chronische Kreuzschmerzen mit neuropathischer Komponente. Zugelassen ist es in Deutschland und Österreich.

Grundlage waren zwei Phase-3-Studien mit über 1.200 Patienten. Die Daten zeigen eine überlegene Schmerzreduktion und bessere Verträglichkeit im Vergleich zu Opioiden. Besonders wichtig: Bei den Probanden trat keine Abhängigkeit auf.

Die US-Gesundheitsbehörde FDA erteilte dem Präparat den Status einer „Breakthrough Therapy“. Eine Phase-3-Studie in den USA läuft bereits. Die finale Auswertung ist für 2027 geplant, ein Zulassungsantrag für 2028.

Forschung zu Fibromyalgie und Rückenschmerzen

Die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS) treibt die wissenschaftliche Evidenz voran. Für September 2026 ist eine Studie zur Fibromyalgie mit 225 Patienten geplant. Die Untersuchung läuft über 22 bis 26 Wochen.

Bereits im Juni 2026 startete eine großangelegte Studie zu chronischen Wirbelsäulen- und Rückenschmerzen mit über 1.500 Teilnehmern. Die Ergebnisse fließen in eine neue Praxisleitlinie ein: „Cannabis in der Schmerzmedizin“ soll am 20. November 2026 in Kassel vorgestellt werden.

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Auch die CBD-Forschung macht Fortschritte. Ananda Pharma schloss eine Phase-1-Studie zum Wirkstoff MRX1 erfolgreich ab – mit guter Verträglichkeit bei gesunden Probanden. Phase-2-Studien zu Endometriose und chemotherapieinduzierten neuropathischen Schmerzen sind für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.

Kostenvergleich: Cannabis vs. Opioide

Eine Analyse des Bundesverbands Pharmazeutischer Cannabinoid-Unternehmen (BPC) zeigt: Cannabis-Therapien kosten durchschnittlich 37 Euro pro Monat, Opioid-Therapien dagegen 73 Euro. Bei rund 20 Millionen Opioid-Verschreibungen jährlich in Deutschland gilt das Substitutionspotenzial als enorm.

Doch die Erstattungsfähigkeit von Cannabis-Blüten steht zur Debatte. Im Bundestag liegt ein Gesetzentwurf vor, der die Streichung der Erstattung durch die gesetzliche Krankenversicherung vorsieht. Die erhofften Einsparungen liegen im Millionenbereich.

Fachverbände wie der Deutsche Hanfverband (DHV) und der BPC kritisieren den Vorstoß. Sie warnen vor fragwürdigen Annahmen zur Substitution durch Extrakte. Bereits im März 2023 hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) die Regeln für Cannabis als Kassenleistung aktualisiert – mit dem Ziel, bürokratische Hürden zu senken.

Rechtssicherheit für Patienten gestärkt

Das Amtsgericht Bad Urach entschied im März 2025: Die bestimmungsgemäße Einnahme von verschriebenem Medizinalcannabis fällt nicht unter das Bußgeldregime des Straßenverkehrsgesetzes – selbst bei Grenzwertüberschreitungen. Voraussetzung ist ein gültiges Rezept.

Auch die Versorgungslage stabilisiert sich. In der Schweiz sichern Kooperationen zwischen Astrasana und der deutschen Sanity Group die Belieferung der Apotheken. Die Nachfrage steigt seit der Liberalisierung 2022 kontinuierlich.

Auf der Fachmesse Mary Jane Berlin im Juni 2026 wurde zudem die wachsende Bedeutung von Importen aus Kanada deutlich. Sie decken den Bedarf an standardisierten Premium-Produkten für den deutschen Markt.

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