Chronische Schmerzen: Melatonin reduziert Intensität um 9 Punkte
Veröffentlicht am: 18.07.2026 um 22:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Seit der gesetzlichen Neuregelung im April 2024 hat sich die Versorgungslage mit medizinischem Cannabis in Deutschland grundlegend verändert. Die therapeutische Bandbreite wächst, die Verfügbarkeit steigt. Doch die Branche kämpft mit komplexen bürokratischen Prozessen, Sicherheitsrisiken und der Notwendigkeit einer verstärkten Qualitätssicherung.
Wo Cannabis eingesetzt wird
Medizinisches Cannabis kommt vor allem bei schwerwiegenden Erkrankungen zum Einsatz – dann, wenn Standardtherapien keine ausreichende Wirkung zeigen. Fachleute betonen die Bedeutung einer multimodalen Therapie bei chronischen Schmerzen, die länger als drei Monate anhalten. Ergänzend zur medikamentösen Behandlung empfehlen sie häufig Bewegungstherapie, Psychotherapie und Entspannungsverfahren.
Ein etabliertes Anwendungsgebiet ist die Behandlung von Krämpfen bei Multipler Sklerose. Hier kommt unter anderem ein Mundhöhlenspray des Herstellers Almirall Hermal zum Einsatz. Es kombiniert die Wirkstoffe THC (2,7 mg) und CBD (2,5 mg) pro Sprühstoß. Die Kosten für solche Präparate: Bei einem Privatrezept rund 353,87 Euro für eine Packung mit drei 10-ml-Fläschchen, die gesetzliche Zuzahlung liegt bei 10,00 Euro.
Neben Blütenpräparaten gewinnen alternative Darreichungsformen wie Dronabinol-Kapseln an Bedeutung, die etwa in einer Dosierung von 10 mg angeboten werden.
Forschung sucht nach Alternativen
Im Bereich der Forschung zu chronischen Schmerzen des Bewegungsapparats untersuchen Wissenschaftler zudem alternative Substanzen. Eine Metaanalyse unter der Leitung von Dr. Kangchao Wu von der Universität Sydney wertete 23 klinische Studien mit über 2.000 Teilnehmern aus. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift „Pain“ veröffentlicht.
Sie deuten darauf hin, dass Melatonin die Schmerzintensität um etwa 9 Punkte auf einer Skala von 0 bis 100 reduzieren kann – vergleichbar mit herkömmlichen Schmerzmitteln. Andere Ansätze wie die Verwendung von Weihrauchextrakt bei Arthrose gelten mangels ausreichender Belege bisher nicht als zugelassene Arzneimittel in Deutschland.
Eine aktuelle Metaanalyse zeigt: Melatonin kann die Schmerzintensität um etwa 9 Punkte auf einer Skala von 0 bis 100 senken – vergleichbar mit herkömmlichen Schmerzmitteln. In diesem kostenlosen Leitfaden erfahren Sie, wie Sie Melatonin richtig dosieren und in Ihre Therapie einbauen. Jetzt Melatonin-Leitfaden anfordern
Merck investiert Millionen in Qualitätssicherung
Um die Sicherheit und Qualität von Arzneimitteln vor der Markteinführung zu gewährleisten, investieren Industrieunternehmen in spezialisierte Prüfzentren. In Darmstadt hat der Pharma- und Chemiekonzern Merck 25 Millionen Euro in ein neues Zentrum zur Arzneimittel-Freigabe gesteckt. Dort werden Wirkstoffe und Medikamente aus ganz Europa geprüft.
Hessens Wissenschaftsminister Timon Gremmels hob die Bedeutung solcher Investitionen für die Standortsicherung hervor. Die Entwicklung steht vor dem Hintergrund eines dynamischen Marktumfelds. Während einige Akteure ihre Kapazitäten ausbauen, fordern Landespolitiker wie der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch ein höheres Tempo bei der Umsetzung von Standortklauseln für die Pharmaindustrie.
Bürokratie: 632 Kilogramm Cannabis vernichtet
Trotz der therapeutischen Fortschritte berichten Marktakteure von erheblichen administrativen Schwierigkeiten. Ein Fall aus Düsseldorf verdeutlicht die bürokratischen Risiken: Rund 632 Kilogramm medizinisches Cannabis im Wert von etwa 122.000 Euro mussten in einer Müllverbrennungsanlage vernichtet werden. Der Importeur war nicht in der Lage, die fällige Einfuhrumsatzsteuer in Höhe von 23.000 Euro zu begleichen. Die Ware verfiel nach einer 30-monatigen Lagerzeit beim Zoll.
Einbrüche und digitale Mängel
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Zusätzlich zur Bürokratie belastet eine steigende Kriminalitätsrate die Apotheken vor Ort. Seit der Legalisierung im April 2024 werden bundesweit vermehrt Einbrüche gemeldet. Ein Beispiel: Ein Vorfall in einer Münchener Apotheke im Juni 2026, bei dem Täter 25 Kilogramm Cannabis entwendeten. Der finanzielle Schaden wurde auf etwa 75.000 Euro im Einkauf beziehungsweise 150.000 Euro im Verkaufswert taxiert.
Auch auf Ebene der digitalen Infrastruktur sehen Standesorganisationen Nachbesserungsbedarf. Die Abda kritisierte einen Entwurf des Bundesministeriums zur Neufassung der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung. Die geplanten Regelungen für elektronische BtM-Rezepte seien in der aktuellen Form nicht praxistauglich. Sie wiesen Mängel bei der technischen Umsetzung sowie bei Korrekturregeln auf. Dies betreffe insbesondere die Sicherstellung der Substitutionsversorgung und die Rechtsicherheit in den Apotheken.
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