Chronische Schmerzen: Mehr als 12 Millionen Betroffene in Deutschland
Veröffentlicht am: 21.10.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei der Behandlung von chronischen Schmerzzuständen gewinnt die aktive Einbindung der Betroffenen zunehmend an Bedeutung. Anstelle rein passiver Therapien etablieren Gesundheitseinrichtungen und regionale Versorgungsdienste vermehrt strukturierte Programme, die auf Bewegung, Schmerzedukation und psychologische Unterstützung abstellen.
Ziel dieser Ansätze ist es, die Eigenkompetenz der Patienten zu stärken und deren Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Die Relevanz ist hoch: In Deutschland leiden mehr als 12 Millionen Menschen an chronischen Schmerzen.
Für Spanien schätzen Fachleute den Anteil der Betroffenen auf 15 bis 25 Prozent der Bevölkerung, während das spanische Observatorio de la Salud die Prävalenz mit 25,6 Prozent beziffert.
Regionale Initiativen stärken die wohnortnahe Schmerzversorgung
Ein Schwerpunkt liegt auf der Verlagerung von Schmerzprogrammen in die Basisversorgung. In der spanischen Region Kastilien-La Mancha arbeitet der Gesundheitsdienst SESCAM am Aufbau spezialisierter Einheiten für chronische Schmerzen in der Primärversorgung, während Fälle mit höherer Komplexität weiterhin den Schmerzzentren der Krankenhäuser vorbehalten bleiben.
Im Rahmen des Programms Plan de Salud Horizonte 3.0 fokussiert sich SESCAM auf Gesundheitserziehung, therapeutische Bewegung, psychologische Unterstützung sowie personalisierte Verordnungen. Zudem setzt die GAI Almansa die BPSO-Leitlinie zum Schmerzmanagement im Zusammenspiel von Betroffenen, Pflegepersonal und medizinischen Fachkräften um.
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In Kantabrien führt der Servicio Cántabro de Salud in den Zentren der Primärversorgung das Programm für aktive Schmerzbewältigung („Afrontamiento Activo del Dolor Persistente") ein. Dieses kombiniert die Vermittlung schmerzneurobiologischer Inhalte mit progressivem therapeutischem Training und physiotherapeutischen Gruppeninterventionen.
Wie groß der Bedarf an solchen Angeboten ist, verdeutlichen Erhebungen im Rahmen der dortigen Kampagne „El Semáforo del Dolor". Anlässlich des weltweiten Schmerztags nahmen mehr als 2.000 Menschen in kantabrischen Gesundheitszentren, Krankenhäusern und Verbänden teil.
Bereits 2024 beteiligten sich 1.111 Personen und im Jahr 2025 insgesamt 2.418 Teilnehmende, von denen über die Hälfte ihre Beschwerden in die Kategorien Gelb oder Rot einstufte.
Als drängendste Bedürfnisse nannten die Teilnehmer Bewegungsmöglichkeiten, den Zugang zu Physiotherapie sowie kontinuierliche professionelle und emotionale Begleitung. Unter den teilnehmenden Einrichtungen verzeichneten im Jahr 2025 Camargo Costa 187, Cazoña 180 und Colindres 178 Teilnahmen.
Virtuelle Realität erweitert das therapeutische Spektrum
Parallel zu Programmen in der Grundversorgung untersuchen und nutzen klinische Einrichtungen digitale Technologien, um Rehabilitationsansätze zu unterstützen. Am Klinikum Saarbrücken kommt in der Psychoonkologie seit knapp zwei Jahren eine Hypno-VR-Brille zum Einsatz. Das Sana Klinikum Coburg wiederum integriert Virtual Reality (VR) als festen Bestandteil in eine fünf Wochen dauernde ambulante Schmerztherapie.
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Wissenschaftlich begleitet wird der Technologieeinsatz unter anderem am Zentrum für interdisziplinäre Schmerzmedizin (ZiS) in Würzburg, das das System ReliefVR in einer Studie evaluiert.
Eine Metaanalyse von 122 randomisierten kontrollierten Studien mit 9.138 Patienten belegt eine signifikante Schmerzreduktion durch VR-Anwendungen (standardisierte Mittelwertdifferenz SMD = ?0,65; p < 0,001). Die Daten weisen darauf hin, dass die Effekte bei höherem Ausgangsschmerz noch ausgeprägter ausfallen.
Den regulatorischen Rahmen prägte Ende 2021 die US-Arzneimittelbehörde FDA, die erstmals eine auf kognitiver Verhaltenstherapie basierende VR-Schmerztherapie zuließ.
Gleichzeitig bestehen in der Fachwelt methodische Vorbehalte: Diskutiert werden die begrenzte Datenbasis zur langfristigen Wirkung, methodische Hürden wie eine fehlende Verblindbarkeit in Studien sowie spezifische Begleiterscheinungen wie die sogenannte Cybersickness.
Auf technologischer Ebene schreitet die Entwicklung unterdessen voran; so sollen entsprechende VR-Brillen von Meta im Frühjahr 2027 auf den Markt kommen.
