Chronische Schmerzen: ANOA und DGOU fordern engere Zusammenarbeit der Fächer
Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deBei der Behandlung von chronischen Schmerzen am Bewegungssystem lassen sich körperliche und psychische Einflussfaktoren nicht voneinander trennen. Auf einer Fachtagung im Berliner CityCube diskutierten die Arbeitsgruppe Psychosomatik der Arbeitsgemeinschaft nicht operativer orthopädischer manualmedizinischer Akut-Kliniken (ANOA) und die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) am 20. Oktober 2026 über bestehende Berührungsängste zwischen den Fachdisziplinen. Dabei forderten die Experten eine deutlich engere Verzahnung von Orthopädie, Unfallchirurgie und Psychotherapie, um der Chronifizierung von Beschwerden frühzeitig entgegenzuwirken.
Feste Verankerung in multimodalen Behandlungspfaden
In den klinischen Behandlungspfaden der ANOA ist die Psychotherapie bereits fest integriert. Dies betrifft insbesondere standardisierte Versorgungsformen wie die Multimodale Komplexbehandlung des Bewegungssystems nach dem Operationen- und Prozedurenschlüssel OPS 8-977 sowie die Multimodale Schmerztherapie unter dem Kode OPS 8-918. Für den letztgenannten OPS-Kode ist die verbindliche Beteiligung einer psychiatrischen, psychosomatischen oder psychologisch-psychotherapeutischen Fachdisziplin im Behandlungsteam regulatorisch vorgeschrieben.
Um Patienten mit einem erhöhten Risiko für eine dauerhafte Schmerzsymptomatik rechtzeitig zu identifizieren, setzt das Konzept auf die systematische Erfassung sogenannter Yellow Flags.
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Zu diesen psychosozialen Risikofaktoren zählen unter anderem berufsbezogener Stress, depressive Verstimmungen, gedankliches Katastrophisieren sowie Schon- und Vermeidungsverhalten. Werden diese Signale früh erkannt, können therapeutische Gegenmaßnahmen eingeleitet werden, bevor sich Schmerzmuster im Nervensystem verfestigen.
Reformbedarf in der Aus- und Weiterbildung
Als zentrales Fazit der Berliner Fachtagung formulierten die beteiligten Fachgesellschaften konkrete Anpassungen für die medizinische Ausbildung beider Fachrichtungen.
Einerseits sollten psychosomatische und psychotherapeutische Inhalte verbindlich in der Weiterbildungsordnung für Orthopädie und Unfallchirurgie verankert werden, damit behandelnde Ärzte psychische Risikofaktoren im klinischen Alltag routinemäßig erkennen.
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Andererseits müsse umgekehrt auch in der psychotherapeutischen Aus- und Weiterbildung mehr Raum für das Verständnis körperlicher Erkrankungen geschaffen werden. Ein vertieftes gegenseitiges Verständnis beider Disziplinen gilt als Voraussetzung dafür, bestehende Schnittstellenprobleme abzubauen und Patienten mit komplexen Schmerzbildern ganzheitlich zu versorgen.
