Chronische, Schmerzen

Chronische Schmerzen: 4,8 Mio. Patienten gefährdet durch Krankenhausreform

Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Akupunkturmodule starten, während 40% der Schmerzstationen durch die Krankenhausreform bedroht sind.

SaAm-Akupunktur Fortbildung und Kliniksterben in der Schmerzmedizin
Eine Akupunkturnadel wird während einer professionellen Schmerztherapie-Behandlung präzise angesetzt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die therapeutische Landschaft im Bereich der Schmerzmedizin unterliegt derzeit einer zunehmenden fachlichen Diversifizierung. Während spezialisierte Verfahren wie die SaAm-Akupunktur in die professionelle Weiterbildung integriert werden, stehen die strukturellen Rahmenbedingungen der Schmerzversorgung in Deutschland vor erheblichen Herausforderungen. Die jüngsten Entwicklungen zeigen dabei eine Diskrepanz zwischen medizinischem Bedarf und gesundheitspolitischen Weichenstellungen.

Fortbildungsschwerpunkt SaAm-Akupunktur in Olching

Im Juli 2026 wurde in Olching das erste Intensivmodul zur SaAm-Akupunktur abgeschlossen. Diese spezifische Form der Akupunktur stellt eine Erweiterung des komplementärmedizinischen Portfolios in der Schmerztherapie dar. Die Fortbildung konzentrierte sich auf die Vermittlung tiefergehender Techniken zur Behandlung komplexer Schmerzbilder.

Parallel zu hochspezialisierten Verfahren in Europa gewinnen auch niedrigschwellige Ansätze zur Schmerzlinderung an internationaler Bedeutung. So wurde im Juli 2026 in Jakarta Timur ein Akupressur-Training für 17 Senioren durchgeführt. Das Programm unter der Leitung von Dr. Wahyuningsih Djaali zielte darauf ab, chronische Beschwerden im Bereich des Rückens, der Knie und des Kopfes durch gezielte Drucktechniken zu lindern und die allgemeine Gesundheitsförderung im Alter zu unterstützen.

Strukturelle Risiken durch die Krankenhausreform

Trotz der Erweiterung therapeutischer Angebote warnen medizinische Fachgesellschaften vor einer drohenden Versorgungslücke in Deutschland. In einem bereits im Februar 2026 veröffentlichten Brandbrief zur Krankenhausreform (KHAG) wiesen der Berufsverband der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland (BVSD), die Deutsche Gesellschaft für Schmerzmedizin (DGS), die Interdisziplinäre Gesellschaft für orthopädische/unfallchirurgische und allgemeine Schmerztherapie (IGOST) sowie die Deutsche Schmerzgesellschaft auf kritische Defizite hin.

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Den Angaben zufolge leiden in Deutschland etwa 4,8 Millionen Patienten an schweren chronischen Schmerzen. Die geplanten Reformschritte sehen bisher keine eigenständige Leistungsgruppe für Schmerzmedizin vor. Nach Einschätzung der Verbände seien dadurch etwa 450 stationäre Einrichtungen gefährdet, was einer Quote von 40 Prozent entspricht. Der BVSD-Vorsitzende Prof. Nadstawek kritisierte in diesem Zusammenhang, dass der Gesetzgeber mit der aktuellen Ausgestaltung des Gesetzes gegen die Versorgung von knapp 5 Millionen Schmerzpatienten entscheide.

Rechtliche Rahmenbedingungen bei chronischen Schmerzen

Die Schwierigkeiten bei der Anerkennung chronischer Schmerzleiden setzen sich auch im juristischen Bereich fort. Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen befasste sich mit dem Fall einer Klägerin, die aufgrund chronischer Schmerzen eine Erwerbsminderungsrente anstrebte. Das Gericht lehnte die Klage (Az.: L 8 R 219/24) mit der Begründung ab, dass die Betroffene trotz ihrer Beschwerden noch in der Lage sei, sechs Stunden täglich am Erwerbsleben teilzunehmen.

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In dem Verfahren kam ein schmerzmedizinisches Gutachten zu dem Schluss, dass keine rentenrelevante Schmerzerkrankung vorliege, welche die Leistungsfähigkeit in einem entscheidenden Maße einschränken würde. Diese Entscheidung unterstreicht die hohen Hürden für Patienten, chronische Schmerzzustände als Basis für Sozialversicherungsleistungen geltend zu machen, sofern keine objektivierbare, schwere Beeinträchtigung der Leistungsfähigkeit nachgewiesen werden kann.

Die Kombination aus gefährdeten stationären Kapazitäten und restriktiven rechtlichen Maßstäben erhöht den Druck auf den ambulanten Sektor, effiziente und spezialisierte Therapiemethoden bereitzustellen, um die wachsende Zahl an Patienten fachgerecht zu versorgen.

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