Chronische, Schmerzen

Chronische Schmerzen: 30 Prozent sprechen auf keine Behandlung an

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 18:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In Österreich und Spanien sind Millionen betroffen; Fachverbände drängen auf abgestimmte Therapien und wohnortnahe Angebote.
Ein ruhiger, minimalistischer Behandlungsraum mit einem leeren Stuhl und einer Untersuchungsliege in sanftem Licht. Illustration mit AI erstellt.

Chronische Schmerzen stellen Gesundheitssysteme weltweit vor erhebliche Herausforderungen. Anlässlich des Welttags des Schmerzes weisen Fachgesellschaften wie die Österreichische Schmerzgesellschaft (ÖSG), die spanische Schmerzgesellschaft SEMDOR sowie die Sociedad Española de Neurología (SEN) auf die weite Verbreitung des Leidens hin.

Berichten zufolge verlangen die Organisationen eine deutlich stärkere Berücksichtigung der Problematik in der öffentlichen Gesundheitsversorgung. Die Dringlichkeit wird durch Daten der SEN unterstrichen, wonach in Spanien 30 % der Betroffenen auf keine der bestehenden Behandlungen ansprechen.

Hohe Betroffenheit in Österreich und Spanien

In Österreich leben nach Angaben der ÖSG rund 1,8 Mio. Menschen mit chronischen Schmerzen. Das Leiden beeinträchtigt nicht nur Schlaf, Beweglichkeit und das allgemeine Energieniveau, sondern wirkt sich gravierend auf das Familienleben, soziale Kontakte sowie die berufliche Tätigkeit aus.

Die Fachgesellschaft fordert daher verbesserte Angebote in der Rehabilitation, der Arbeitsmedizin und gezielt angepasste Arbeitsbedingungen. Zudem thematisiert die ÖSG spezifische Krankheitsbilder wie Endometriose als chronisches Schmerzproblem.

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Um die Versorgung abzusichern, verlangt die Organisation einen erleichterten Zugang zu multimodalen Therapieangeboten, zusätzliche Schmerztherapiezentren mit interdisziplinärer Zusammenarbeit sowie wohnortnahe, ambulante Strukturen unabhängig vom jeweiligen Bundesland.

Ähnlich stellt sich die Lage in Spanien dar. Nach Angaben der SEN leiden 3 von 10 Menschen im Land an einer Schmerzform, wobei 18 % von chronischen Beschwerden betroffen sind. Daten der Schmerzorganisation FIBROMA beziffern die Gesamtzahl der Betroffenen in Spanien auf mehr als 9 Mio. Menschen, was einem Anteil von 25,9 % der erwachsenen Bevölkerung entspricht.

Rund 65 % dieser Gruppe leiden demnach unter behindernden chronischen Schmerzen. Eine Erhebung der Fachgesellschaft SEMDOR kommt zu dem Ergebnis, dass 26 % der spanischen Erwachsenen mit chronischem Schmerz leben, während rund 27 % der Betroffenen die genaue Ursache ihrer Beschwerden nicht kennen.

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Nach Definition der International Association for the Study of Pain (IASP) gilt Schmerz als chronisch, wenn er 3 Monate oder länger anhält, während akuter Schmerz von kürzerer Dauer ist. Laut IASP leiden nach einigen Statistiken 35 bis 50 % der Allgemeinbevölkerung an chronischen Schmerzen.

Neuropathischer Schmerz im Zentrum der Aufmerksamkeit

Der Weltschmerztag 2026 widmet sich schwerpunktmäßig dem neuropathischen Schmerz. Laut IASP entsteht diese Form durch eine Läsion oder Erkrankung des Nervensystems und äußert sich typischerweise durch Symptome wie Brennen, Kribbeln, Stromschläge oder Kältegefühle. Primäres Therapieziel sei dabei die Wiederherstellung der körperlichen Funktionen und nicht allein das Absenken von Werten auf einer Schmerzskala.

Nach Angaben der SEN are in Spanien mehr als 3 Mio. Menschen von neuropathischem Schmerz betroffen, bei jährlich rund 400.000 Neudiagnosen. Die Erkrankung trete ab einem Alter von 55 Jahren gehäuft auf, wobei Frauen überproportional betroffen seien.

Während die Hälfte aller hausärztlichen Konsultationen schmerzbedingt erfolge, mache neuropathischer Schmerz bis zu ein Viertel dieser Fälle aus. Die therapeutischen Grenzen bleiben jedoch eng: Mit den derzeitigen Verfahren erreichen nach Angaben der Fachgesellschaft weniger als 60 % der Neuropathie-Patienten eine angemessene Linderung.

Forderungen nach interdisziplinären Behandlungsansätzen

Um den Versorgungsdefiziten zu begegnen, startete SEMDOR eine Kampagne unter dem Motto „Ich behandle Schmerz“. Die Initiative fordert eine multidisziplinäre Betreuung, die Ärzteschaft, Pflege, Physiotherapie, Psychologie, Zahnmedizin und Pharmazie gleichermaßen in Prävention, Diagnostik, Therapie, Patientenedukation und Nachsorge einbindet.

Der Präsident der Gesellschaft, Dr. Luis Miguel Torres Morera, wies darauf hin, dass nicht jeder Patient dieselben Fachdisziplinen benötige. Entscheidend sei vielmehr eine koordinierte Ermittlung des individuellen Bedarfs anstelle einer pauschalen Zuweisung aller Berufsgruppen.

Die Notwendigkeit einer integrierten Versorgung betonten auch Patienten- und Pflegevertreter beim vierten nationalen Schmerzkongress im Hospital Universitario Gregorio Marañón in Madrid, der von FIBROMA beziehungsweise Afibrom gemeinsam mit dem Pflegeverband Codem veranstaltet wurde und fast 800 Teilnehmende verzeichnete.

Verbandsvertreterin Ana Panadero forderte in diesem Rahmen speziell im Schmerzmanagement geschulte Pflegefachkräfte, ausreichend Zeit für das Patientengespräch, eine engere Verzahnung der verschiedenen Versorgungsebenen sowie die Anerkennung der Pflegeberufe im therapeutischen Gesamtkonzept.

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