Chronische, Schmerzen

Chronische Schmerzen: 23 Millionen Deutsche brauchen neue Therapien

26.05.2026 - 07:10:27 | boerse-global.de

Bundesweiter Aktionstag am 2. Juni 2026 soll Zugang zu spezialisierter Schmerztherapie verbessern. Kliniken und Verbände setzen auf multimodale Behandlungskonzepte.

Chronische Schmerzen: 23 Millionen Deutsche brauchen neue Therapien - Foto: über boerse-global.de
Chronische Schmerzen: 23 Millionen Deutsche brauchen neue Therapien - Foto: über boerse-global.de

Am 2. Juni 2026 rufen Kliniken und Ärzteverbände zum bundesweiten „Aktionstag gegen Schmerz“ auf. Rund 23 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter chronischen Schmerzen – das sind mehr als jeder Vierte. Das Ziel des Aktionstages: Patienten den Zugang zu spezialisierten Behandlungen zu erleichtern.

Im Mittelpunkt steht der Wechsel von reiner Symptombekämpfung hin zur multimodalen Therapie. Diese kombiniert medizinische, physiotherapeutische und psychologische Ansätze. Die Deutsche Schmerzgesellschaft koordiniert eine kostenlose Hotline, die am Aktionstag von 9 bis 18 Uhr geschaltet ist. Zahlreiche Krankenhäuser beteiligen sich mit eigenen Experten-Sprechstunden.

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Kliniken öffnen ihre Türen – Hotlines und Vorträge geplant

Das St.-Elisabeth-Hospital in Meerbusch-Lank ist mit dabei. Chefarzt Tilmann Lewan will am 8. Juli in einem Fachvortrag vertiefend über multimodale Schmerztherapie informieren. Das Rhein-Maas Klinikum in Würselen startet eine eigene Telefonaktion: Dr. Lina Rashid berät zu Therapiemöglichkeiten, Psychologe Marc Brügmann widmet sich den seelischen Folgen chronischer Schmerzen.

Diese lokalen Angebote stehen exemplarisch für einen bundesweiten Trend: Immer mehr Kliniken setzen auf fachübergreifende Behandlungskonzepte, die über reine Medikamentengaben hinausgehen.

Endometriose im Fokus – Neue Wege für betroffene Frauen

Bereits am 27. Mai lädt das Universitätsklinikum Jena (UKJ) zu einem öffentlichen Abendvortrag über moderne Schmerztherapie bei Endometriose. Die Erkrankung betrifft etwa jede zehnte Frau zwischen 20 und 40 Jahren. Die Expertinnen Valentina Auletta, Anne Schirrmeister und Anna Lena Kosmeier zeigen, wie multimodale Strategien die Lebensqualität verbessern können.

Einen Tag später, am 28. Mai, startet in Lübeck das Startup femCycle mit der Veranstaltung „Let's Talk Period" die öffentliche Pilotphase einer App. Mehr als 330 Betroffene haben an der Entwicklung mitgewirkt. Das digitale Tool soll helfen, Zyklus-beschwerden besser zu managen – ein Paradebeispiel für patientengeführte Gesundheitsversorgung.

Selbsthilfe und Ausbildung – Breite Unterstützung für Betroffene

Auch die Deutsche Restless-Legs-Vereinigung (RLS e.V.) wird aktiv: Am 27. Mai gründet sie in Recklinghausen eine neue Selbsthilfegruppe. Betroffene der neurologischen Erkrankung erhalten dort eine Plattform für Austausch und gegenseitige Unterstützung.

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Die medizinische Infrastruktur wächst ebenfalls: Am 24. Mai eröffnete das St.-Franziskus-Hospital in Lohne ein neues Simulationszentrum. Auf 250 Quadratmetern können Ärzte künftig klinische Abläufe realitätsnah trainieren – ein entscheidender Faktor für hohe Behandlungsstandards bei komplexen Schmerzfällen.

Palliativversorgung: Wenn Heilung nicht mehr möglich ist

Das Klinikum Oldenburg setzt unter Leitung von Birgit Kempen weiterhin auf spezialisierte Palliativmedizin. Rund 250.000 Patienten benötigen in Deutschland jährlich eine stationäre palliativmedizinische Behandlung – die durchschnittliche Verweildauer liegt bei etwa zehn Tagen. Die Leistungen werden von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn sie medizinisch notwendig sind.

Spendenrekord für Kinder- und Jugendpsychiatrie

Ein Zeichen setzte auch eine Spendenaktion am 25. Mai in Merzhausen: 30.000 Euro kamen für eine neue Tagesklinik der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Freiburg zusammen. Die Matthias-Ginter-Stiftung unterstützt das Projekt. Der Bedarf ist enorm – aktuell betragen die Wartezeiten für einen Platz in der Tagesklinik über ein Jahr.

Wirtschaftlicher Druck und ethische Debatten in der Altenpflege

Doch der Ausbau spezialisierter Angebote stößt an Grenzen. Die Hausärzte Dr. Dirk Hensel und Dr. Ulrike Leise-Rauße aus Hamm fordern einen Kurswechsel in der Altenmedizin. Ihre Botschaft: Lebensverlängerung dürfe nicht immer das oberste Ziel sein, wenn sie zulasten von Komfort und Selbstbestimmung gehe.

Die Zahlen belegen das Problem: Für Patienten über 85 Jahre fallen jährliche Kosten von rund 29.000 Euro an – für die Altersgruppe der 65- bis 85-Jährigen sind es nur 11.000 Euro. Die Ärzte plädieren für neutrale Ethikkomitees und eine stärkere Berücksichtigung von Patientenverfügungen.

In Lemgo zeigt sich die Kehrseite der Entwicklung: Eine Intensiv-Wohngruppe für Tracheostoma-Patienten wird nach zehn Jahren aufgelöst. Der Kreis will die Räume für neue Pflegeheimzimmer nutzen. Schwerstpflegebedürftige – darunter Menschen im Wachkoma – müssen nach Detmold umziehen. Angehörige sprechen von einem aufwendigen und kostspieligen Prozess.

Ausblick: Sommer der Schmerztherapie?

Der Aktionstag am 2. Juni ist nur der Auftakt. Die Ergebnisse der femCycle-Pilotphase werden mit Spannung erwartet. Auch kulturelle Angebote wie der „Stille Salon" des Performance-Kollektivs RUE OBSCURE am 29. Mai in Münster (eine weitere Session folgt am 15. August in Schöppingen) sollen das Thema Stille und mentale Erholung in den Fokus rücken.

Die zentrale Herausforderung für das deutsche Gesundheitssystem bleibt jedoch: die gerechte Verteilung spezialisierter Versorgung und die Finanzierbarkeit steigender Behandlungskosten für eine alternde Gesellschaft.

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