Chronische, Schmerzen

Chronische Schmerzen: 15 Millionen Patienten warten zwei Jahre auf Therapie

21.06.2026 - 07:31:04 | boerse-global.de

Die geplante Krankenhausreform gefährdet laut Experten zahlreiche Schmerzstationen und damit die Versorgung von Millionen chronisch kranker Patienten.

Schmerztherapie in Deutschland: Reform bedroht spezialisierte Kliniken
Chronische - Hände eines medizinischen Fachpersonals, die die Hand eines Patienten halten, symbolisieren Fürsorge bei chronischen Schmerzen. 21.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Sechs Millionen sind im Alltag stark eingeschränkt – doch nur jeder elfte Patient erhält eine spezialisierte Therapie. Die Wartezeit beträgt im Schnitt zwei Jahre.

Das hat nicht nur medizinische Folgen. Jährlich entstehen Kosten zwischen 30 und 50 Milliarden Euro. Experten sehen das Gesundheitssystem vor einem strukturellen Problem.

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Krankenhausreform gefährdet Schmerzstationen

Die spezialisierte Versorgung setzt auf multimodale Konzepte: Sie kombinieren körperliche, psychische und soziale Faktoren. Ein Beispiel ist das Marien-Hospital Euskirchen. 2025 verzeichnete die Schmerztherapie dort 170 stationäre Fälle, 500 Schmerzkonsile und 200 Palliativkonsile.

Am 21. Juni informierten Vertreter des Krankenhauses gemeinsam mit Thomas Isenberg von der Deutschen Schmerzgesellschaft und Dr. Georg Kippels, Staatssekretär im Gesundheitsministerium, über die Lage. Im Zentrum stand die geplante Krankenhausreform. Sie sorgt für Besorgnis: Schätzungen zufolge könnten 22 Prozent der Kliniken mit multimodaler Schmerztherapie von Umstrukturierungen betroffen sein. Das würde 44 Prozent der stationären Behandlungsfälle gefährden.

Neue Angebote für Kinder und Erwachsene

Neben der stationären Behandlung gewinnen Informations- und Vernetzungsangebote an Bedeutung. Am 19. Juni fand in Bochum das 7. EVA Ruhr Patientenforum statt. Sechs Standorte des Evangelischen Verbunds Augusta Ruhr präsentierten dort Ansätze der multimodalen Schmerztherapie.

Auch die pädiatrische Versorgung rückt stärker in den Fokus. Im Helios Klinikum Uelzen eröffnet Ende Juli eine neue Kinderschmerzklinik. Bereits Ende Juni informiert ein Fachvortrag über chronische Schmerzen bei Kindern und Jugendlichen. Ziel: Frühzeitig eingreifen und eine Chronifizierung verhindern.

Musik gegen den Schmerz

Die moderne Schmerzmedizin setzt verstärkt auf begleitende Verfahren. Alexander Wormit von der SRH Heidelberg verweist auf die Wirksamkeit der Musiktherapie. Studien zeigen: Musik kann nachweislich schmerzlindernd wirken. Empfohlen werden Methoden wie das Betrachten von Wohlfühlbildern mit Musik oder synchrone Bewegungen zum Rhythmus – leichtes Fußtippen oder Nicken.

Parallel entwickeln Kliniken spezialisierte Zentren für komplexe Krankheitsbilder. Das Marienhospital Oelde stellte am 19. Juni ein neues Zentrum für Dekubituschirurgie vor. Ein Konzept aus Prävention, Diagnostik und Nachsorge soll die Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden verbessern, die häufig unter starken Schmerzen leiden.

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Klinik-Insolvenz als Warnsignal

Die Debatte um die Schmerzversorgung findet vor einem angespannten wirtschaftlichen Hintergrund statt. Am 19. Juni wurde der Insolvenzantrag der Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH bekannt. Betroffen ist unter anderem das Stuttgarter Marienhospital mit rund 760 Betten und 30.000 Fällen pro Jahr.

Insgesamt sind etwa 3.000 Beschäftigte im Verbund betroffen. Der Klinikbetrieb läuft vorerst weiter. Politische Beobachter und Krankenhausgesellschaften werten die Entwicklung als Warnsignal an den Bund. Sie fordern Reformen, die die flächendeckende Versorgung sichern, ohne Beitragszahler einseitig zu belasten. Die Unsicherheit über die Finanzierung spezialisierter Leistungen bleibt – für Patienten und Leistungserbringer gleichermaßen.

de | wissenschaft | 69594480 |