Chronische, Nierenkrankheit

Chronische Nierenkrankheit: Diagnose-Lücke bei 17,5% der Fälle

Veröffentlicht am: 07.08.2026 um 09:28 Uhr | Redaktion boerse-global.de

NAKO-Studie zeigt: Nur wenige Betroffene kennen ihre Nierenschädigung. Früherkennung könnte Milliardenkosten senken und Therapien verbessern.

Chronische Nierenerkrankung: Studie offenbart massive Diagnose-Lücke in Deutschland
Medizinische Fachkraft in einem modernen Labor mit einer medizinischen Ampulle vor unscharfen Klinikgeräten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die chronische Nierenkrankheit (CKD) entwickelt sich für das Gesundheitssystem zunehmend zu einer stillen Herausforderung. Da die Erkrankung in vielen Fällen über lange Zeiträume symptomlos verläuft, bleibt sie oft bis in ein fortgeschrittenes Stadium unentdeckt. Experten warnen in aktuellen Berichten vor dieser trügerischen Symptomlosigkeit, die eine rechtzeitige therapeutische Intervention erschwert. Neue Datenauswertungen unterstreichen die Diskrepanz zwischen der tatsächlichen Häufigkeit von Nierenschäden und der Anzahl der klinisch gestellten Diagnosen.

Ausmaß und gesellschaftliche Relevanz der Nierenerkrankungen

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind weltweit rund 700 Millionen Menschen von einer chronischen Nierenerkrankung betroffen. In Deutschland beläuft sich die Zahl der Patienten auf etwa 8 Millionen. Dies entspricht einem Anteil von rund zehn Prozent der erwachsenen Bevölkerung, wobei Fachleute eine steigende Tendenz beobachten.

Die Schwere der Erkrankung zeigt sich besonders bei Patienten mit terminalem Nierenversagen. Derzeit sind in Deutschland etwa 100.000 Menschen auf eine Dialysebehandlung angewiesen. Weitere 20.000 Personen leben mit einer Spenderniere. Neben der individuellen Belastung für die Betroffenen entstehen durch die CKD erhebliche Kosten für das Solidarsystem. Im Jahr 2020 beliefen sich die Ausgaben für die Behandlung chronischer Nierenerkrankungen auf über 24 Milliarden Euro, was etwa 5 Prozent der gesamten Gesundheitsausgaben in Deutschland entsprach.

Die Diagnose-Lücke: Erkenntnisse aus der NAKO-Studie

Aktuelle Analysen im Rahmen der NAKO-Gesundheitsstudie verdeutlichen das Ausmaß der Unterdiagnostik. Im Rahmen dieser großangelegten Untersuchung wurden insgesamt 195.000 Blutproben ausgewertet. Dabei zeigten 5.000 Proben relevante Auffälligkeiten, die auf eine Nierenschädigung hindeuten. Von diesen Betroffenen verfügten jedoch lediglich 875 Personen über eine bereits bestehende ärztliche Diagnose.

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Ein ähnliches Bild ergab sich bei der Untersuchung von Urinproben. In einer Teilauswertung von 35.000 Proben wiesen 18,4 % der Probanden auffällige Werte auf. Trotz dieser klinischen Befunde lag nur bei 5 % der Betroffenen eine gesicherte Diagnose vor. Eine weitere detaillierte Analyse von 35.461 Urinproben kam zu dem Ergebnis, dass 6.213 Proben (17,5 %) auffällig waren, während hier die Diagnosequote sogar nur bei 4 % lag.

Diese Daten legen nahe, dass die medizinische Nachverfolgung von ersten Warnzeichen in der Praxis oft unzureichend ist. Fachleute weisen zudem darauf hin, dass eine einmalige Messung für eine sichere Diagnose nicht ausreicht. Um eine chronische Nierenkrankheit formal festzustellen, ist eine kontinuierliche Nachverfolgung der Werte über einen Zeitraum von mindestens drei Monaten erforderlich.

Ökonomische Auswirkungen und präventive Diagnostik

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Um die Erkennungsrate zu verbessern und die hohen Folgekosten für das Gesundheitssystem zu senken, rücken spezifische Diagnoseverfahren in den Fokus. Die Früherkennung von Nierenschäden ist insbesondere durch die Bestimmung zweier zentraler Messwerte möglich: der geschätzten glomerulären Filtrationsrate (eGFR) im Blut und des Albumin-Kreatinin-Quotienten (UACR) im Urin.

Da die chronische Nierenerkrankung erst in einem sehr späten Stadium durch physische Symptome für den Patienten spürbar wird, betonen Mediziner die Notwendigkeit einer konsequenten Vorsorge. Eine frühzeitige Identifikation auffälliger eGFR- und UACR-Werte könne dazu beitragen, das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen und die Notwendigkeit kostenintensiver Ersatztherapien wie der Dialyse hinauszuzögern. Angesichts der im Jahr 2020 ermittelten Kosten von über 24 Milliarden Euro stellt die Schließung der Diagnose-Lücke nicht nur eine medizinische, sondern auch eine gesundheitsökonomische Notwendigkeit dar.

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