Chronische Erschöpfung: Forscher finden gemeinsame Signalwege bei fünf Krankheiten
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 09:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Chronisches Erschöpfungssyndrom, Long Covid, posttraumatische Belastungsstörung, rheumatoide Arthritis und Multiple Sklerose gelten klinisch als getrennte Krankheitsbilder.
Eine Studie der University of East Anglia in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Oxford BioDynamics, veröffentlicht im Journal of Translational Medicine, deutet nun darauf hin, dass diesen fünf Erkrankungen gemeinsame biologische Signalwege zugrunde liegen könnten, die zu chronischer Erschöpfung führen.
Gemeinsame Signalwege trotz unterschiedlicher Diagnosen
Die Forschungsgruppe untersuchte, welche biologischen Mechanismen bei Patienten mit ME/CFS, Long Covid, PTBS, rheumatoider Arthritis und Multipler Sklerose an der chronischen Erschöpfung beteiligt sein könnten.
Trotz der unterschiedlichen klinischen Einordnung dieser Erkrankungen fanden die Wissenschaftler Überlappungen in mehreren zentralen Systemen des Körpers: dem Immunsystem, den Mitochondrien und der Stressregulation. Diese drei Bereiche gelten bereits länger als mögliche Ansatzpunkte für die Erforschung von Erschöpfungssymptomen, wurden in dieser Untersuchung aber erstmals im Zusammenhang über mehrere Diagnosegruppen hinweg systematisch betrachtet.
Methode: 3D-Genomanalyse mittels EpiSwitch Orion
Grundlage der Erkenntnisse ist eine 3D-Genomanalyse, die mit der von Oxford BioDynamics entwickelten Technologie EpiSwitch Orion durchgeführt wurde. Diese Methode erlaubt es, die räumliche Organisation des Genoms zu untersuchen und dabei regulatorische Muster zu erkennen, die bei klassischen genetischen Analysen unsichtbar bleiben.
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Mithilfe dieses Verfahrens identifizierten die Forscher von University of East Anglia und Oxford BioDynamics Überlappungen in den genregulatorischen Mustern der untersuchten Patientengruppen, die auf gemeinsame biologische Grundlagen der Erschöpfungssymptome hindeuten.
LAG3 als möglicher Kandidat bei ME/CFS
Im Rahmen der Untersuchung rückte das Gen LAG3 als Kandidat für die Erschöpfungssymptomatik bei ME/CFS in den Fokus. LAG3 ist an der Regulation von Immunantworten beteiligt, was zu der Hypothese passt, dass Fehlsteuerungen im Immunsystem eine zentrale Rolle bei der chronischen Erschöpfung spielen könnten, die viele Patientengruppen unabhängig von ihrer ursprünglichen Diagnose gemeinsam haben.
Perspektive: Bluttests als mögliche Anwendung
Nach Einschätzung der beteiligten Forscher von University of East Anglia und Oxford BioDynamics birgt das Ergebnis Potenzial für die Entwicklung von Bluttests, mit denen sich die identifizierten biologischen Signalwege künftig nachweisen ließen.
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Solche Tests könnten langfristig helfen, chronische Erschöpfung objektiver zu erfassen – ein Symptom, das bislang vor allem über die Selbstauskunft der Betroffenen beurteilt wird und dessen biologische Grundlage in der klinischen Praxis oft schwer greifbar ist.
Einordnung für Betroffene und Gesundheitssystem
Für Patienten mit ME/CFS, Long Covid, PTBS, rheumatoider Arthritis oder Multipler Sklerose ist chronische Erschöpfung häufig eines der belastendsten und zugleich am schwersten objektivierbaren Symptome.
Die Ergebnisse aus der Studie im Journal of Translational Medicine liefern einen Ansatzpunkt dafür, dass die zugrunde liegenden biologischen Mechanismen über einzelne Diagnosegrenzen hinweg vergleichbar sein könnten.
Ob und wann daraus tatsächlich klinisch nutzbare diagnostische Werkzeuge entstehen, ist aus den vorliegenden Angaben nicht ersichtlich – die Forscher selbst verweisen zunächst auf das Potenzial für die Entwicklung entsprechender Bluttests, nicht auf einen konkreten Zeitplan zur Umsetzung.
