Chronische Entzündungen: Sechs pflanzliche Wirkstoffe sind untersucht
Veröffentlicht am: 12.10.2026 um 16:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Integrative Therapiekonzepte gewinnen bei der Behandlung chronischer Krankheitsverläufe zunehmend an Bedeutung. Durch die gezielte Verknüpfung von funktioneller Medizin, klassischen naturheilkundlichen Verfahren und konventioneller Diagnostik suchen Behandler nach Wegen, betroffene Patienten über die reine Symptomunterdrückung hinaus ganzheitlich zu stabilisieren. Verschiedene Initiativen, Fachveranstaltungen und therapeutische Ansätze beleuchten die Möglichkeiten und Grenzen dieser kombinierten Strategien.
Ergänzende Behandlungsstrategien und Fachberatung
Naturheilkundliche Verfahren werden vor allem als begleitende Maßnahme diskutiert, um die körpereigene Regulation zu stärken. Im Rahmen einer Mainzer Telefonaktion zum Thema des natürlichen Heilens gaben Mediziner Einblicke in praktische Ansätze bei chronischen Beschwerden.
Dr. Wolfgang Klee verwies bei Hauterkrankungen auf den Nutzen von Phytotherapeutika und Salben, Darmsanierungen, die Meidung von Zucker sowie Elemente der Ordnungstherapie. Dr. med. Christoph Lembens hob hervor, dass sich 50 Prozent der Zuckerwerte über körperliche Bewegung abbauen lassen, während Weißdorn das Herzmuskelgewebe stärken könne.
Dr. Anton Koch empfahl die systematische Prüfung von Ernährung und Unverträglichkeiten sowie die Eigenbluttherapie. Bezüglich Krebserkrankungen betonte er, dass Naturheilverfahren unterstützend wirken können; so ließen sich sogenannte natürliche Killerzellen durch Mistel und Thymus erhöhen, und auch Artemisia zeige starke Wirkungen, ersetze jedoch keinesfalls eine notwendige Tumorreduktion.
Für die allgemeine Lebensführung formulierte Koch ein Schema aus sieben Faktoren: Spiritus, Speise, Sport als Notwendigkeit ab dem 50. Lebensjahr, sieben bis neun Stunden Schlaf sowie Sexualität, Spiritualität und Seelengleichgewicht.
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Praktische Anwendung finden integrative Methoden auch in neuen Praxisstrukturen. Heilpraktikerin Katharina Kugelmeier eröffnete eine Praxis in der Rathausstraße in Wissen, die funktionelle Medizin mit Traditioneller Chinesischer Medizin kombiniert.
Das Spektrum deckt Magen-Darm-Beschwerden, Frauengesundheit, Stoffwechsel und Entgiftung, Akupunktur, Mikronährstoffe, Infusionen, Hypnose sowie Prävention ab. Zu den Gratulanten der Eröffnung zählten Bürgermeister Berno Neuhoff sowie Citymanager Ulrich Noß und Jacqueline Deckers. Laut Praxisangaben verzeichnet die Einrichtung bundesweite Anfragen sowie Zulauf aus Luxemburg.
Pflanzliche Wirkstoffe und medikamentöse Entzündungshemmung
Chronische Entzündungsprozesse begleiten eine Vielzahl von Erkrankungen, darunter Arteriosklerose, Arthrose, Diabetes, Adipositas, Rheuma und Autoimmunerkrankungen. Zur Dämpfung dieser Prozesse stehen sowohl konventionelle Arzneimittel als auch pflanzliche Alternativen bereit.
Zu den durch randomisierte, doppelblinde, placebokontrollierte Humanstudien und Metaanalysen gestützten natürlichen Hemmern zählen Curcumin, Weihrauchextrakt mit Boswelliasäuren, Omega-3-Fettsäuren, PEA, Ingwerextrakt sowie Teufelskralle.
In der schulmedizinischen Therapie bilden nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen und ASS das Fundament, indem sie die Enzyme COX-1 und COX-2 hemmen. Selektive COX-2-Hemmer wie Celecoxib und Etoricoxib gelten als magenschonender, bergen jedoch Risiken für Herzinfarkte und Schlaganfälle.
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Für schwerere Entzündungsschübe kommen Glukokortikoide wie Prednisolon zum Einsatz. Als Basistherapie wird Methotrexat verabreicht, dessen Wirkung erst nach zwei bis drei Monaten einsetzt, während bei schweren Verläufen Biologika wie Adalimumab und Etanercept verordnet werden.
Auch Arzneipflanzen für spezifische Indikationen unterliegen genauerer Betrachtung. Die Droge Droserae herba des Rundblättrigen Sonnentaus (Drosera rotundifolia L.) wird traditionell bei Reizhusten, krampfartigem Husten, Bronchitis, Keuchhusten und teils Asthma eingesetzt.
Zu ihren Inhaltsstoffen gehören Naphthochinone wie 7-Methyljuglon und Plumbagin, Flavonoide wie Quercetin, Hyperosid, Isoquercitrin, Myricetin und Kaempferolderivate sowie Ellagsäure. Eine Qualitätsstudie aus dem Jahr 2024 zeigte jedoch, dass Sonnentau-Arten phytochemisch nicht identisch sind, weshalb für Phytopharmaka bevorzugt D. rotundifolia empfohlen wird.
Naphthochinongehalte müssen als Qualitäts- und Sicherheitsparameter kontrolliert werden. Die Studienlage zu Monotherapien ist bislang dünn, und im Experiment beobachtete krampflösende Effekte entsprechen nicht zwingend einer klinisch bewiesenen Hustenlinderung.
Ernährung, Pflege und Lebensstil als Basiselemente
Neben der Medikation bilden Ernährungskonzepte einen weiteren Baustein integrativer Ansätze. Im Kräuterzentrum Stift Geras wurde das 240 Seiten umfassende Kochbuch „Heilsam kochen“ von Kräuterpfarrer Benedikt und Nikolaus Tomsich vorgestellt, das im Kneipp-Verlag zum Preis von 28,95 Euro erschien. Es enthält 120 überwiegend vegetarische Rezepte basierend auf dem Erfahrungsschatz von Hermann-Josef Weidinger, darunter ein Karfiol-Brokkoli-Strudel mit Gundelrebe, Pfefferminze und Kalmuswurzelpulver, der bei 170 Grad Celsius für 30 Minuten gebacken wird. Der Verein „Freunde der Heilkräuter“, der aktuell 10.000 Mitglieder zählt, strebt an, seine frühere Mitgliederzahl von 35.000 wieder zu erreichen.
Die Einbindung des Menschen über medizinische Parameter hinaus stand auch im Zentrum der Tagung „Humanisierung der Pflege“ im Museion Bozen unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Luca Calabrese, Primar der HNO-Abteilung am Landeskrankenhaus Bozen.
Die Tagung stellte die ganzheitliche Patientenversorgung in den Vordergrund und wurde vom Südtiroler Sanitätsbetrieb, der Autonomen Provinz Bozen sowie der Stadtgemeinde Bozen unterstützt, begleitet von Sponsoren wie Verlingue Assicurazione, Zelger Hörakustik und Aurora Biofarma.
Im Rahmen der Veranstaltung zeigte das Projekt „Trame di Cura“ eine Fotoausstellung von Bruno Barillari, ein Show-Cooking zu Dysphagie von Sternekoch Herbert Hintner sowie einen Abschlussbeitrag von Alessandro Bergonzoni.
Dass die Verzahnung von wissenschaftlicher Diagnostik und naturheilkundlichen Konzepten auch in der Begleitung schwerer Diagnosen gesucht wird, zeigt sich zudem im Ratgeberbereich.
Heilpraktikerin Liane Klauke, die seit über neun Jahren als Mentorin für Frauen mit Brustkrebs arbeitet, veröffentlicht am 21. Oktober 2026 im GOLD Verlag ihr Buch „Brustkrebs – und jetzt?“. Das Werk legt den Fokus auf die Vorbereitung auf die schulmedizinische Behandlung und die Stärkung eigener Ressourcen im Rahmen eines integrativen Gesamtkonzepts.
