Chronische, Entzündung

Chronische Entzündung: Studie mit 480.000 Menschen zeigt 43 Prozent mehr Herzrisiko

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 06:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschungsarbeiten verbinden erhöhte Entzündungswerte mit Herzveränderungen und kardiovaskulären Risiken; ein NLRP3-Hemmer senkte hsCRP in einer frühen Studie.
Ein ruhiger Waldweg im Herbstlicht als Symbol für einen gesunden Lebensstil und Prävention. Illustration mit AI erstellt.

Eine im September 2026 im Fachjournal European Journal of Preventive Cardiology publizierte Untersuchung des Imperial College London rückt den Einfluss chronischer Entzündungen auf das Herz-Kreislauf-System in den Fokus. Ein Team aus elf Forschenden analysierte Datensätze von fast 480.000 Teilnehmenden der britischen UK Biobank sowie rund 70.000 Herzaufnahmen.

Das Ergebnis: Personen mit den höchsten chronischen Entzündungswerten wiesen im Vergleich zu jenen mit den niedrigsten Werten ein um 43 Prozent höheres Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle auf.

Strukturelle Veränderungen und verhaltensbezogene Faktoren

Die Auswertungen des Imperial College London zeigten zudem, dass eine erhöhte Entzündungsaktivität mit messbaren anatomischen Veränderungen assoziiert ist. Die Forschenden beobachteten kleinere Herzkammern, dickere Herzwände sowie eine schlechtere Blutfüllung des Herzens während der Diastole.

Diese Veränderungen machten sich oft bereits Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome bemerkbar. Die Autoren betonen, dass es sich um eine Beobachtungsstudie ohne direkten Kausalitätsnachweis handelt.

Als maßgebliche Treiber der Entzündungsprozesse benannte das Forschungsteam Bauchfett, Rauchen und psychischen Stress. Um den Risiken entgegenzuwirken, werden ein Body-Mass-Index zwischen 18,5 und 23,9, ein Taillenumfang von unter 90 Zentimetern bei Männern beziehungsweise unter 85 Zentimetern bei Frauen sowie 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche empfohlen. Schätzungen der Cleveland Clinic zufolge sind über 120 Millionen Amerikaner von chronischen Entzündungen betroffen.

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Entzündungsrisiken bei Herzinsuffizienz und Stoffwechselstörungen

Dass Entzündungsreaktionen auch bei bereits bestehenden Erkrankungen eine zentrale Rolle spielen, unterstreichen weitere Forschungsarbeiten. Eine im Oktober 2026 auf der Jahrestagung der Heart Failure Society of America in Phoenix vorgestellte Subanalyse des von Novo finanzierten POSEIDON-Registers mit 810 US-Herzinsuffizienz-Patienten zeigte ein hohes kardiovaskuläres Entzündungsrisiko, definiert durch einen hsCRP-Wert von mindestens 2 Milligramm pro Liter. Dies betraf 49 Prozent der Patienten mit erhaltener (HFpEF), 55 Prozent mit leicht reduzierter (HFmrEF) und 50 Prozent mit reduzierter Ejektionsfraktion (HFrEF) – jeweils trotz leitliniengerechter Therapie.

Im gesamten globalen POSEIDON-Kollektiv wiesen fast 40 Prozent der Patienten ein hohes Entzündungsrisiko auf, das mit Adipositas, Diabetes, Nierenerkrankungen sowie erhöhten Werten von Interleukin-6 und NT-proBNP einherging.

Auch zu Beginn von Stoffwechselveränderungen lässt sich dieser Marker früh nachweisen. Eine im September 2026 publizierte Querschnittsstudie der Universität Ostfinnland unter Leitung von Douglas R. Corsi analysierte Daten von 4.315 US-Erwachsenen aus NHANES 2015–2018. Der mittlere hs-CRP-Wert stieg von 1,09 Milligramm pro Liter auf Stufe 0 auf 2,06 Milligramm pro Liter auf Stufe 1, dem Beginn der Zunahme von Körperfett.

Dieser Anstieg um 89 Prozent war der größte Zuwachs im Verlauf; auf Stufe 2 lag der Wert bei 2,75, auf Stufe 3 bei 2,80 und auf Stufe 4 bei 2,79 Milligramm pro Liter. Ein hoher Entzündungswert war mit einem 1,76-fach erhöhten Risiko für den Übergang von Stufe 0 zu Stufe 1 verbunden, während beim Übergang von Stufe 3 zu Stufe 4 kein Zusammenhang mehr bestand.

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Diagnostische Hürden und therapeutische Entwicklungen

Neben etablierten Blutwerten wie dem hochsensitiven CRP rücken spezialisierte Verfahren zur Erkennung von Gefäßentzündungen in den Fokus. Eine US-Studie der Unternehmen Biograph und Caristo Diagnostics untersuchte die CaRi-Heart-Technologie bei asymptomatischen Personen mit niedrigem Risiko: Bei 42,9 Prozent der Teilnehmenden wurde eine Entzündung der Koronararterien nachgewiesen, bei 17,9 Prozent auf einem sehr hohen Niveau – vielfach ohne Plaque-Ablagerungen. Routinemäßige Laborparameter wie Apolipoprotein B und hs-CRP sowie der Risikoscore AHA-PREVENT-ASCVD erkannten diese Entzündungsrisiken nicht.

Therapeutisch kommen bereits antiinflammatorische Ansätze zum Einsatz. Für den Wirkstoff Colchicin erfolgte nach Myokardinfarkten bereits die Zulassung, wobei kardiologische Studien neben Vorteilen auch Hinweise auf Risiken lieferten. Neuere Wirkstoffe zielen unter anderem auf das NLRP3-Inflammasom ab.

In einer 28-tägigen Phase-1b-Studie mit 63 adipösen Teilnehmenden senkte der orale NLRP3-Hemmer Ruvonoflast den hsCRP-Wert um 82,2 Prozent im Vergleich zu 37,2 Prozent unter Placebo, wenngleich eine Reduktion tatsächlicher kardiovaskulärer Ereignisse dadurch bislang nicht belegt ist.

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