Chronische, Entzündung

Chronische Entzündung: Hohe GlycA-Werte erhöhen Herzrisiko um 43 Prozent

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 12:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Forschung verbindet stille Entzündungen mit Herz-Kreislauf-Risiken, Stoffwechselproblemen und Alterungsprozessen; die DGE rät von Hormon-Wundermitteln ab.

Chronische Entzündungen: Studien zeigen Risiken und Therapieansätze
Mikroskopische Aufnahme von roten Blutkörperchen in einem Kapillargefäß. Illustration mit AI erstellt.

In der medizinischen Fachwelt und der öffentlichen Diskussion rücken Entzündungsprozesse zunehmend als universelle Erklärung für moderne Zivilisationskrankheiten und Alterungsprozesse in den Fokus.

Aktuelle Forschungsberichte untersuchen das Phänomen der sogenannten „Metaflammation“ – chronische, systemische Entzündungen, die oft unbemerkt bleiben, aber maßgeblich zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und neurodegenerativen Veränderungen beitragen können.

Versteckte Risiken für das Herz-Kreislauf-System

Einen Beleg für den Zusammenhang zwischen Entzündungsmarkern und schweren Erkrankungen liefert eine großangelegte Untersuchung des MRC Laboratory of Medical Sciences und des Imperial College London. Auf Basis von Daten von rund 480.000 Menschen in Großbritannien identifizierten Forschende den Blutmarker GlycA als Maß für chronische Entzündungen.

Die Ergebnisse, die in einem Bericht vom September 2026 im European Journal of Preventive Cardiology thematisiert wurden, zeigen deutliche Auswirkungen: Personen mit den höchsten Entzündungswerten – den obersten 20 Prozent – wiesen ein um 43 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkte oder Schlaganfälle auf als jene mit den niedrigsten Werten.

Physiologisch äußerten sich die hohen Entzündungswerte in messbaren Veränderungen des Herzens. Beobachtet wurden verdickte Herzwände, kleinere Herzkammern sowie eine geringere Füllkapazität des Organs. Studienleiter Declan O’Regan wies darauf hin, dass diese Erkenntnisse darauf hindeuten könnten, dass Millionen von Menschen mit einer unentdeckten Entzündung leben, die ihre langfristige Gesundheit gefährdet.

Stoffwechsel und die Rolle des Fettgewebes

Auch der Zusammenhang zwischen Ernährung, Übergewicht und dem Immunsystem wird durch aktuelle Studien der Universität Bonn und des Universitätsklinikums Bonn (UKB) weiter entschlüsselt. In einer Untersuchung, über die im September 2026 berichtet wurde, identifizierten Wissenschaftler das Enzym Acetyl-CoA-Carboxylase 1 (ACC1) als entscheidenden Regulator für Immunzellen im Fettgewebe.

Bei einer fettreichen Ernährung werde dieses Enzym gehemmt, was die Funktion bestimmter Immunzellen (ILC2) beeinträchtige und in der Folge zu Entzündungen des Fettgewebes sowie einer Prädisposition für Diabetes führe.

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Prof. Christoph Wilhelm von der Universität Bonn erläuterte dazu, dass ein Ansatz, der den Stoffwechsel der Immunzellen berücksichtigt, die Entwicklung wirksamerer Therapien unterstützen könne.

Die Forschung in diesem Bereich wird weiter intensiviert: Ab 2027 wird Joanna Kalucka als Mercator Fellow an der Universität Bonn untersuchen, wie Blutgefäße und das Immunsystem bei chronischer Metaflammation miteinander kommunizieren und wie das Gefäßendothel auf Belastungen durch den Lebensstil reagiert.

Gezielte Therapieansätze und neue Erkenntnisse zur Hirnalterung

Fortschritte gibt es zudem bei der medikamentösen Behandlung chronischer Entzündungen. Forschende der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und des CONARIS Research Institute zeigten im Herbst 2026 auf, wie sich die schädlichen Aspekte des Signalstoffs Interleukin-6 (IL-6) blockieren lassen, ohne dessen schützende Funktionen zu deaktivieren.

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Während klassische Medikamente beide Wege blockieren, fängt der Wirkstoff Olamkicept selektiv die entzündungsfördernde Trans-Signalgebung ab. In einer klinischen Studie bei Colitis ulcerosa erreichte der Wirkstoff eine Ansprechrate von 58,6 Prozent, verglichen mit 34,5 Prozent unter Placebo, wobei typische IL-6-Nebenwirkungen ausblieben.

Gleichzeitig werfen neue Studien in den Fachmagazinen „Science“ und „Nature“ ein neues Licht auf Alterungsprozesse im Gehirn. Entgegen bisheriger Annahmen können ab der Lebensmitte Monozyten aus dem Knochenmark ins Gehirn einwandern und Aufgaben der dortigen Mikroglia-Zellen übernehmen. Diese eingewanderten Zellen zeigen stärkere Entzündungssignale, was einen Beitrag zum sogenannten „Inflammaging“ leisten könnte. Ein direkter Beweis für einen Zusammenhang mit Gedächtnisverlust steht jedoch noch aus.

Kritische Einordnung von Anti-Aging-Maßnahmen

Trotz der wachsenden Erkenntnisse über Entzündungen warnt die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) vor vermeintlichen Wundermitteln. Im Rahmen der 3. Deutschen Hormonwoche im September 2026 stellte der Verband klar, dass substantielle Anti-Aging-Effekte durch Hormone wie Testosteron, DHEA oder Wachstumshormone nicht belegt sind. Prof. Matthias M. Weber von der Universitätsmedizin Mainz betonte, dass ein Hormonabfall oft die Folge und nicht die Ursache des Alterns sei.

So zeigen Studien zum Wachstumshormon bei Älteren nur minimale Effekte auf die Fettverteilung, bergen jedoch Risiken für den Zuckerstoffwechsel und Gelenkschmerzen. Auch bei Testosteron-Gaben fehlen Langzeitdaten zur Sicherheit, während Hinweise auf ein mögliches Herzinfarktrisiko bestehen.

Statt auf Hormonpräparate zu setzen, empfiehlt die DGE eine konsequente Gewichtsregulation mit einem BMI unter 25 sowie moderaten Sport als effektivste Maßnahmen gegen die negativen Folgen des Alterns.

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