Chronische Entzündung: 43 Prozent höheres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 07:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Medizinische Experten identifizieren chronische niedriggradige Entzündungen zunehmend als wesentlichen, oft unterschätzten Risikofaktor für Herz- und Gefäßerkrankungen. Diese Prozesse können selbst bei Patientinnen und Patienten eine erhebliche Gefahr darstellen, die keine klassischen Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder stark erhöhte Blutfettwerte aufweisen.
Gefäßschäden auch bei optimalen Standardwerten
Ein Wissenschaftsstatement des American College of Cardiology (ACC) aus dem Jahr 2025 stuft die chronische niedriggradige Entzündung als eigenständigen Hochrisikofaktor ein. Die Prozesse begleiten demnach sowohl die Entstehung als auch die fortschreitende Verschlechterung einer Arteriosklerose. Selbst wenn andere klinische Werte ideal eingestellt sind, erhöht eine anhaltende Gefäßentzündung das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich.
Als treibende Auslöser dieser dauerhaften Entzündungsreaktionen gelten Lebensstilfaktoren wie eine Ernährungsweise mit hohem Zucker- und Fettgehalt, mangelnde Bewegung, Schlafmangel und Rauchen. Ebenso spielen psychische Belastungen wie Angst und chronischer Stress eine Rolle.
Zur Erfassung der Prozesse dient unter anderem der Entzündungsmarker hsCRP. Fachkreise empfehlen dessen regelmäßige Überprüfung insbesondere bei Personen mit Hypertonie, älteren Menschen sowie Beschäftigten mit überwiegend sitzender Tätigkeit.
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Erkenntnisse aus umfassenden Kohortendaten
Die klinische Tragweite systemischer Entzündungen wird durch wissenschaftliche Untersuchungen untermauert. Eine im European Journal of Preventive Cardiology publizierte Untersuchung des MRC Laboratory of Medical Sciences und des Imperial College London analysierte Daten von bis zu 488.079 Teilnehmern der britischen UK Biobank. Als Messgröße für chronische Entzündungsprozesse nutzte das Forschungsteam den Blutmarker GlycA.
Die Auswertungen ergaben, dass Personen im obersten Fünftel der GlycA-Werte – also jene mit den stärksten Entzündungszeichen – ein um 43 Prozent höheres adjustiertes Risiko für schwere kardiovaskuläre Ereignisse wie Herzinfarkt oder Schlaganfall aufwiesen als die Vergleichsgruppe mit den niedrigsten Werten.
Studienleiter Declan O'Regan wies darauf hin, dass möglicherweise Millionen Menschen mit unbemerkten Entzündungen leben. Neben genetischen Faktoren beeinflussen demnach auch die familiäre Vorbelastung und der sozioökonomische Status die individuelle Anfälligkeit.
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Subtile Veränderungen an der Herzstruktur
Neben akuten Gefäßverschlüssen stehen chronische Entzündungen in Verbindung mit direkten strukturellen Veränderungen des Herzmuskels. Die Daten der UK-Biobank-Studie verdeutlichen, dass erhöhte Entzündungswerte mit verdickten Herzwänden, kleineren Volumina der Hauptpumpkammer, einer geringeren Herzfüllung und einem verringerten Schlagvolumen einhergehen.
Um diesen Zustand auszugleichen, zeigte sich bei betroffenen Personen eine kompensatorisch erhöhte Herzfrequenz – Befunde, die bereits vor einer manifesten Herzinsuffizienz-Diagnose nachweisbar waren.
Als stärkste Treiber für die erhöhten Entzündungsgrade machten die Forscher vermehrtes Rumpffett, aktuelles Rauchen, psychische Belastung sowie einen niedrigen sozioökonomischen Status aus. Entzündungsproteine wie Interleukin-1 und Tumor-Nekrose-Faktor (TNF) wirken bei diesen Prozessen teilweise vermittelnd.
Die Autoren betonen den Charakter der Untersuchung als Beobachtungsstudie. Zudem gehört der analysierte Marker GlycA bislang nicht zum Standard-Diabetes-Bluttest des staatlichen britischen Gesundheitsdienstes NHS. Dennoch verdeutlichen die Ergebnisse, dass die Erfassung chronischer Entzündungen eine wichtige Lücke in der kardiovaskulären Risikobewertung schließen kann.
